Le Pens Helfer-Netzwerk "Les Horaces" Der mysteriöse Oberschichten-Geheimbund hinter Le Pen

Front-National-Frontfrau Marine Le Pen hat sich ein Unterstützernetzwerk in Frankreichs Eliten aufgebaut

Front-National-Frontfrau Marine Le Pen hat sich ein Unterstützernetzwerk in Frankreichs Eliten aufgebaut

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Die Anhänger von Marine Le Pen geben sich siegessicher: "On va gagner", rufen sie bei Wahlkampfauftritten der französischen Präsidentschaftskandidatin immer wieder, "wir werden gewinnen". Dass die Rechtspopulistin im Elysée-Palast, dem Amtssitz des französischen Präsidenten, einzieht, galt lange als unwahrscheinlich. Doch seit dem Brexit-Votum und dem Wahlsieg von Donald Trump scheint nichts mehr unmöglich. Und mangelnde Vorbereitung zur Machtergreifung kann man Marine Le Pen und ihrem Front National nicht vorwerfen.

In den vergangenen Jahren hat die 48-Jährige die Partei in Frankreich von Wahlsieg zu Wahlsieg geführt - mit einer Strategie der "Entteufelung". Denn der Front National war nicht nur in Frankreichs höheren gesellschaftlichen Kreisen jahrzehntelang verfemt. Hauptschuld daran trugen die regelmäßigen Rechtsaußen-Ausfälle von Marine Le Pens Vater Jean-Marie, dem Parteigründer.

Ihn hat Marine öffentlich abserviert und so die Grundlage dafür geschaffen, dass sich die Partei für neue Wählerschichten geöffnet hat. Marine Le Pen hat auch offen rassistische oder antisemitische Parolen verbannt. Bei den meisten Wählern stoßen die FN und ihre Parteichefin aber nach wie vor auf große Ablehnung - zumindest in den Umfragen.

"Entteufelung" gemeinsam mit dem Lebensgefährten

Doch denen traut man auch in Frankreich nur mehr bedingt. Sollte Marine Le Pen am Sonntag in der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahl triumphieren, ist das auch der Erfolg eines Mannes: Louis Aliot. Der Lebensgefährte der Rechtspopulistin und Vize-Vorsitzende ihrer Partei Front National (FN) trägt ihre "Entteufelungs"-Linie maßgeblich mit. Der Jurist stand schon im Dienst ihres Vaters Jean-Marie Le Pen, bevor er sich ganz der Tochter verschrieb.

Die 48-jährige Le Pen und der ein Jahr jüngere Aliot haben die Rollen ähnlich aufgeteilt wie AfD-Chefin Frauke Petry und ihr Mann Marcus Pretzell: Sie steht im Rampenlicht, er im Schatten. Die gesamte Wahlkampagne der Front National ist auf "Marine" zugeschnitten, wie sie ihre Anhänger nennen. In ihrer Wahlwerbung tauchen weder Aliot noch ihre drei Kinder aus erster Ehe auf.

Geschickt hat sich der Front National auch in höheren französischen Kreise vorgearbeitet. Denn um den Kurs eines Landes radikal zu ändern - wie es Marine Le Pen vorhat - braucht sie Unterstützer an hochrangigen Stellen. Sie benötigt Vertrauensleute in Frankreichs ohnedies nicht kleinem öffentlichen Dienst, in der Justiz, in den Medien, und in der Armee.

Das Gesicht von Les Horaces ist ein 46-jähriger Immigrant

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In den vergangenen Monaten kristallisierte sich heraus, dass Le Pen durchaus über ein Netzwerk in den höheren sozialen Sphären besitzt. Das FN-Unterstützerkollektiv, das seit einigen Monaten ein wenig aus dem Schatten kam, nennt sich "Les Horaces", also "Die Horazier". Es wird angeführt von einem bestens assimilierten französischen Immigranten: Jean Messiha, ein gebürtiger Ägypter und koptischer Christ.

Der 46-jährige Messiha hat die französische Grand École Ecole Nationale d'Administration absolviert, die Kaderschmiede der französischen Politiker. Der Sohn eines Diplomaten kam im Alter von 8 Jahren nach Frankreich, bezeichnet sich selbst als "äußerlich Araber, innerlich Franzose", Von seinem Job als höherer Beamter im Verteidigungsministerium hat er eine Auszeit genommen, um als Programmdirektor der Front National zu fungieren.

Eine schnelle Karriere, laut Eigenaussagen hat er Marine Le Pen erst im Jahr 2014 zum ersten Mal getroffen. Aufgefallen ist er - wenig erstaunlich - als leidenschaftlicher Kritiker des Islam. Ende April hat er seinesgleichen scharf attackiert: Als höhere Beamte ankündigten, unter Le Pen nicht dienen zu wollen, warf er ihnen Verrat am demokratischen Willen vor.

Über ein Jahr lang, so berichtete das Wall Street Journal vor kurzem , hat sich Marine Le Pen mit einflussreichen Bankern, Unternehmenslenkern und hohen Beamten des französischen Staatsapparats getroffen. Ein paar von ihnen konnte sie offenbar für ihre Horazier-Truppe gewinnen. Die Horazier sollen ihr dabei helfen, in den ersten 100 Tagen ihrer Regierung einschneidende Veränderungen vorzunehmen.

Die blutige Geschichte der "Horazier"

Doch bis auf Messiha wagt sich keiner der Horazier bislang in die Öffentlichkeit. Denn viele französiche Angehörige der Oberschicht fürchten wohl zu Recht, dass sich ihre Chefs, Freunde und Bekannten von ihnen lossagen, sobald sie sich offen für Le Pen und ihre Politik aussprechen. "Sie sind das, was man Schattenberater nennt, und das wollen sie auch bleiben", sagt Messiha über seine Mitstreiter.

Sollte Marine Le Pen tatsächlich französische Präsidentin werden, dürfte sich das wohl ändern. Laut Messiha hat Le Pen Ende Januar 90 Horazier in einem Restaurant in Paris getroffen und ihnen für ihre Arbeit gedankt. Messiha meint, dass wichtige Horazier-Mitglieder wohl Teil einer Le Pen-Regierung werden dürften.

Benannt haben sich die Horazier übrigens nach den gleichnamigen Drillingen aus der römischen Sagenwelt. Sie sollen zur Zeit des dritten römischen Königs Tullus Hostilius gelebt haben, der von 673 - 642 vor Christus regierte. Laut dem römischen Geschichtsschreiber Livy sollen sich die drei Horazier, Brüder aus einer der höchsten römischen Adelsfamilie, mit drei Brüdern aus der rivalisierenden Stadt Alba Longa bekriegt haben.

Einer der Horazier soll seine drei Widersacher aus Alba Longa letzlich getötet und somit die Regentschaft von Tullus gesichert haben. Doch zwei seiner Brüder starben zuvor in den Kämpfen. Damit war das Blutvergießen aber noch nicht zu Ende. Publius Horatius tötete auch noch seine Schwester. Sie war mit einem seiner Widersacher aus Alba verlobt und betrauerte dessen Tod. "So möge jede römische Frau sterben, die einen Feind betrauert," soll Publius Horatius gerufen haben, als er seine Schwester mit einem Schwerthieb hinstreckte. Mit solchen historischen Vorbildern ist wohl nicht zu spaßen.

mit Material von AFP
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