160.000 neue Arbeitsplätze Frankreich plant milliardenschweres Corona-Hilfspaket

Die Regierung in Frankreich will die schwer getroffene heimische Wirtschaft mit einem milliardenschweren Hilfspaket stützen. Vor allem Arbeitsplätze sollen dadurch wieder aufgebaut werden.
Skyline von Paris: Frankreich droht der härteste Wirtschaftseinbruch seit dem Zweiten Weltkrieg

Skyline von Paris: Frankreich droht der härteste Wirtschaftseinbruch seit dem Zweiten Weltkrieg

Foto: AFP

Frankreichs Regierung will mit Ausgaben von 100 Milliarden Euro der von der Corona-Krise hart getroffenen heimischen Wirtschaft unter die Arme greifen. "Dieses Corona-Hilfspaket zielt darauf ab, einen Zusammenbruch der Wirtschaft und eine Explosion der Arbeitslosigkeit zu verhindern", sagte Premierminister Jean Castex (55) dem Sender RTL Radio. Die Regierung wolle mit dem Paket im kommenden Jahr mindestens 160.000 Arbeitsplätze schaffen. Derzeit gibt es in Frankreich 500.000 mehr Arbeitslose als vor Verhängung der Ausgangssperre im März.

Nach Angaben von Regierungschef Castex umfasst das Milliarden-Hilfspaket in einem Zeitraum von zwei Jahren unter anderem verlängerte Kurzarbeiterhilfen, Anreize zur Einstellung junger Menschen sowie Steuersenkungen für Unternehmen. Rund 35 Milliarden Euro sollen dazu verwendet werden, die heimische Wirtschaft wettbewerbsfähiger zu machen, weitere 30 Milliarden Euro sind für den "ökologischen Wandel" vorgesehen, etwa zum Ausbau des Güterverkehrs auf der Schiene und die Gebäudedämmung. Insgesamt 25 Milliarden Euro sind für die Förderung von Arbeitsplätzen vorgesehen. Die Details wollte Castex am Donnerstag vorstellen.

Das Volumen des neuen Hilfspakets entspricht 4 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes. Gemessen daran mobilisiert Frankreich mehr öffentliche Gelder zur Stützung der Konjunktur als andere große europäische Länder. Zum Vergleich: Deutschlands Hilfspaket ist rund 130 Milliarden Euro schwer, das entspricht etwa 3,8 Prozent der Wirtschaftsleistung. Rund 40 Milliarden Euro will die Regierung aus dem Corona-Hilfsfonds finanzieren, auf den sich die EU-Staaten im Juli geeinigt hatten. Mit dem Paket will die Regierung es schaffen, dass die nach Deutschland zweitgrößte Volkswirtschaft der Euro-Zone bis 2022 wieder das Vorkrisenniveau erreicht. 

Frankreichs Wirtschaft war im zweiten Quartal um fast 14 Prozent abgestürzt. Der landesweite Lockdown hatte weite Teile der Wirtschaft lahmgelegt. Unter anderem mussten Geschäfte und Hotels bis 11. Mai schließen. Erst ab 2. Juni durften Cafés und Restaurants wieder aufmachen. Für das Gesamtjahr 2020 wird mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung um 11 Prozent gerechnet - das wäre der schwerste Wirtschaftseinbruch seit dem Zweiten Weltkrieg.

Der einflussreiche Gewerkschaftsbund CGT äußerte sich skeptisch zu dem Paket: Gerade für niedrigere Einkommensschichten seien kaum Anreize vorgesehen. Gewerkschaftschef Philippe Martinez (59) sagte, er denke an "Kassiererinnen, Mitarbeiter in Geschäften, Haushaltshilfen und Sicherheitspersonal".

mg/afp/Reuters
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