Plastik In Frankreich kostet nicht-recyclebares Plastik ab sofort mehr

Von Judith Henke
Dieser Strand in Ghana ist mit Plastik überflutet - und kein Einzelfall.

Dieser Strand in Ghana ist mit Plastik überflutet - und kein Einzelfall.

Foto: Christian Thompson/ dpa

Die französische Regierung möchte Verpackungen aus nicht-recyclebaren Plastik vom Markt verdrängen, indem es sie teurer macht. Produkte aus wiederverwertbarem Plastik sollen um zehn Prozent weniger kosten und damit für Verbraucher attraktiver werden. Umweltstaatssekretärin Brune Poirson sagt, dieser Schritt sei nötig für das Ziel, das sich Frankreich für 2025 gesetzt hat: Spätestens dann soll es landesweit nur noch Verpackungen aus wiederverwertetem Plastik geben.

Das Plastik-Problem
Foto: [M] Charlie Abad via Getty Images

Milliarden Tonnen an Plastik wurden bereits produziert, für Verpackungen, als Baumaterial, als Grundstoff für besonders langlebige Produkte und vieles mehr. Doch Plastik vermüllt zunehmend den Planeten und wird zur Gefahr für die Menschheit. Lesen Sie alles über Produzenten, Verbraucher, Lösungsansätze.Weiterleitung zum Thema Plastik 

Die Regierung plane außerdem, ein Pfandsystem für Plastikflaschen einzuführen und das Lagern von Plastik auf Müllhalden höher zu besteuern, während Recycling steuerlich begünstigt werden soll. "Dem Plastik den Krieg zu erklären, reicht nicht aus", sagt die Umweltstaatssekretärin. "Wir müssen die französische Wirtschaft umbauen."

Zuletzt nahm die Öffentlichkeit immer stärker wahr, wie massiv die Umwelt von Plastikmüll verschmutzt wird. In den sozialen Medien teilten User verstärkt Fotos von mit Plastik zugemüllten Ozeanen. Bei den Franzosen wächst das Bewusstsein für das Problem. In Frankreich, wie auch in anderen Ländern, initiierten Verbraucher sogenannte Plastikattacken und ließen ihren Verpackungsmüll vor den Supermärkten zurück.

Fanny Vismara, eine der Organisatorinnen der Plastikattacken, bewertet den Plan der französischen Regierung als nicht ausreichend. "Die Regelung hilft dabei, Plastik zu recyclen, aber nicht dabei, es zu reduzieren", sagt sie. Glas sei, anders als Plastik, unendlich wiederverwertbar.

Nach Angaben des Web-Magazins "60 Millions de Consommateurs" (60 Millionen Verbraucher) recycelt Frankreich rund ein Viertel seines Kunststoffs. Im Mai schlug die EU-Kommission in einem Entwurf eine Zielmarke für alle EU-Staaten vor. Bis 2025 sollen mindestens 90 Prozent der Plastikgetränkeflaschen zur Wiederverwertung gesammelt werden. Möglich sei das etwa mit Hilfe eines Pfandsystems, wie es Deutschland schon seit 2003 hat. Außerdem sollen Plastikteller, Trinkhalme, Wattestäbchen und andere Wegwerfprodukte aus Plastik verboten werden. Global stieg die Produktion von Plastik in den letzten zehn Jahren um vierzig Prozent an.

In Frankreich wurden Plastikbeutel für Obst und Gemüse bereits verboten, wenn sie nicht kompostierbar sind. Die großen französischen Supermarktketten Carrefour und Leclerc haben angekündigt, in den nächsten Monaten damit aufzuhören, Plastikstrohhalme zu verkaufen. Sie kommen damit einem Gesetz zuvor, das Frankreich vor zwei Jahren erlassen hat: Ab 2020 soll Geschirr und Besteck aus Plastik verboten sein. Sämtliches Einweggeschirr muss ab diesem Zeitpunkt biologisch abgebaut werden können.

Die Plastikindustrie läuft Sturm gegen das neue Gesetz. Plastik lasse sich nur kompostieren, wenn es getrennt gesammelt würde, was niemand mache. Die Leute würden denken, dass sie biologisch abbaubares Plastik einfach in der Natur entsorgen könnten, deshalb werde mehr Müll auf der Wiese landen. Außerdem verstoße Frankreich mit dem neuen Gesetz gegen das EU-Recht auf freien Warenverkehr.


In einer früheren Version des Artikels schrieben wir, dass nicht-kompostierbare Plastiktüten in französischen Supermärkten verboten seien. Tatsächlich gilt dieses Verbot nur für Plastikbeutel, in die Kunden Obst und Gemüse einpacken.

mit Material von AFP
Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.