Mittwoch, 13. November 2019

Zinsen bleiben auf Rekordtief EZB-Chef Draghi bestätigt zum Abschied ultralockeren Kurs

Draghi, Nachfolgerin Lagarde: Leitzins bleibt auf Rekordtief
Eric PIERMONT / AFP
Draghi, Nachfolgerin Lagarde: Leitzins bleibt auf Rekordtief

Europas Währungshüter haben zum Ende der Amtszeit von EZB-Präsident Mario Draghi den ultralockeren Kurs der Notenbank bekräftigt. Der Leitzins im Euroraum bleibt auf dem Rekordtief von null Prozent, Banken müssen zudem weiter 0,5 Prozent Negativzinsen zahlen, wenn sie überschüssige Gelder bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken. Zudem will die Notenbank von November an auf unbestimmte Zeit monatlich 20 Milliarden Euro in den Erwerb von Anleihen stecken.

Diesen Mitte September nochmals verschärften geldpolitischen Kurs bestätigte der EZB-Rat in seiner letzten Sitzung in Draghis achtjähriger Amtszeit am Donnerstag in Frankfurt. Wann die Zinsen wieder steigen werden, lässt das oberste Entscheidungsgremium der Notenbank weiterhin offen - zum Leidwesen von Sparern und Banken.

Draghi hatte im September betont, eine "sehr expansive Geldpolitik" sei wegen umfangreicher Risiken für die Konjunktur weiter notwendig. Seine Nachfolgerin, die bisherige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF) Christine Lagarde, hat deutlich gemacht, dass auch sie eine sehr lockere Geldpolitik auf absehbare Zeit für nötig hält.

Übergabe an Lagarde am 1. November

Lagarde übernimmt die Führung der Europäischen Zentralbank zum 1. November. Bei einem Festakt mit viel politischer Prominenz am kommenden Montag (28.10.) in Frankfurt wird Draghi offiziell verabschiedet.

Hauptziel der Währungshüter sind stabile Preise im Euroraum. Mittelfristig strebt die EZB für den Währungsraum mit seinen 19 Ländern eine Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an. Das ist weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn dauerhaft niedrige Preise gelten als Risiko für die Konjunktur: Unternehmen und Verbraucher könnten dann Investitionen aufschieben - in der Hoffnung, dass es bald noch billiger wird.

Das Zwei-Prozent-Ziel der EZB ist jedoch in weite Ferne gerückt: Im September fiel die Inflation im Euroraum nach Berechnungen des Statistikamtes Eurostat mit 0,8 Prozent auf den tiefsten Stand seit fast drei Jahren.

Mit einer Flut billigen Geldes versuchen die Währungshüter seit Jahren, die Wirtschaft anzukurbeln und die Inflation in Richtung des Zwei-Prozent-Ziels zu treiben. Der Strafzins soll Banken dazu bewegen, mehr Kredite zu vergeben, statt Geld bei der EZB zu parken.

Mit der Neuauflage der Wertpapierkäufe will die EZB Konjunktur und Inflation zusätzlich auf die Sprünge helfen. Der Kauf von Staatsanleihen hilft Regierungen, sich günstiger frisches Geld zu besorgen. Denn wenn die EZB große Bestände kauft, müssen Staaten Investoren für ihre Wertpapiere nicht so hohe Zinsen bieten. Zugleich pumpt die Notenbank über Wertpapierkäufe viel Geld in den Markt.

Die Kritik, insbesondere an der Wiederaufnahme der Anleihenkäufe, ist groß - auch im Kreis der Zentralbanker. Bundesbank-Präsident Jens Weidmann hatte nach den EZB-Entscheidungen vom 12. September gesagt, er habe "ein so weitreichendes Paket" nicht für nötig gehalten, der EZB-Rat sei "über das Ziel hinausgeschossen"

la/dpa

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