Samstag, 19. Oktober 2019

Weitere Geldsalve von 540 Milliarden Euro bis Ende 2017 EZB verlängert Anleihekäufe

Länger, aber weniger: EZB-Chef Mario Draghi verlängert das Anleihe-Kaufprogramm bis Ende 2017

Die EZB verlängert ihr Anleihe-Kaufprogramm um neun Monate bis mindestens Dezember 2017. Das Volumen wird ab April von bisher 80 Milliarden Euro auf 60 Milliarden Euro pro Monat gedrosselt. Zudem werden die Regeln für die Käufe gelockert. Der Dax klettert weiter.

Draghi legt nach: Die Europäische Zentralbank (EZB) will die Finanzmärkte noch länger mit billigem Geld fluten. Die Euro-Wächter kündigten am Donnerstag an, ihr bislang auf 1,74 Billionen Euro angelegtes Anleihen-Kaufprogramm zur Stützung der Konjunktur um neun Monate bis mindestens Ende Dezember 2017 zu verlängern.

Das ist länger als die meisten Volkswirte erwartet hatten. Das monatliche Volumen von derzeit 80 Milliarden Euro soll ab April 2017 auf 60 Milliarden gesenkt werden. Damit kommen weitere Geldsalven in Höhe von 540 Milliarden Euro hinzu. Das Gesamtprogramm schwillt auf 2,28 Billionen Euro an.

Außerdem will die EZB die Regeln für ihre Bondkäufe lockern. Das bedeutet, dass auch Anleihen gekauft werden können, die auf Grund ihres Ratings bislang nicht von der EZB aufgekauft werden konnten.

Regeln für Anleihekäufe werden gelockert

Die Zentralbank werde künftig auch Bonds mit einer Laufzeit von einem Jahr erwerben, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag nach der Ratssitzung in Frankfurt. Damit erweitere man die Gruppe der aufkaufbaren Anleihen. Bisher erwarb die Notenbank nur Papiere mit Laufzeiten zwischen zwei und 30 Jahren.

Künftig seien auch Käufe von Anleihen mit Renditen unter dem Einlagenzins von aktuell minus 0,4 Prozent erlaubt, fügte Draghi hinzu.In den vergangenen Monaten war die Rendite vieler Bundesanleihen so stark gesunken, dass sie die EZB aufgrund selbst gesetzter Regeln nicht mehr kaufen konnte. Analysten hatten deshalb vor Knappheitsproblemen gewarnt. Zuletzt war die Verzinsung der Titel jedoch wieder gestiegen, was der EZB mehr Spielraum ermöglicht.

Aktuell dürfen die Währungshüter nach eigenen Regeln bis zu 33 Prozent einer einzelnen Staatsanleihe halten.

Draghis Hintertür: Käufe ab April können auch wieder aufgestockt werden

Die EZB kündigte zugleich an, die monatlichen Käufe könnten wieder aufgestockt werden, sollte die Inflationsentwicklung hinter den Erwartungen zurückbleiben. Nähere Einzelheiten zu den vor allem in Deutschland umstrittenen Wertpapier-Transaktionen will EZB-Präsident Mario Draghi ab 14.30 Uhr vorstellen.

Der Italiener hatte wiederholt betont, die Euro-Notenbank werde die sehr erhebliche geldpolitische Konjunkturhilfe bewahren, die zur Erreichung ihres Inflationsziels nötig sei. Die EZB strebt knapp zwei Prozent Teuerung als Idealniveau für die Wirtschaft an. Doch davon ist sie immer noch weit entfernt: Im November waren die Verbraucherpreise lediglich um 0,6 Prozent angezogen. Inzwischen verfehlen die Euro-Wächter ihr Inflationsziel bereits seit Frühjahr 2013.

Zinsen bleiben auf Rekordtief

Die Schlüsselzinsen tastete die EZB erwartungsgemäß nicht an. Der Leitzins liegt bereits seit März auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent.

Wegen des gescheiterten Referendums und einer drohenden Banken- und Wirtschaftskrise in Italien waren Beobachter bereits von einer Verlängerung der milliardenschweren Anleihekäufe durch die Notenbank ausgegangen. Die EZB gab ihre Zinsentscheidung am Donnerstag um 13.45 Uhr bekannt. Um 14.30 Uhr beginnt dann die Pressekonferenz, in der Draghi die einzelnen Maßnahmen der EZB erläutert.

Dax setzt Höhenflug fort - neues Jahreshoch

Der Dax Börsen-Chart zeigen reagierte in einer ersten Reaktionen mit einem kleinen Rücksetzer auf die Entscheidung. Minuten später setzten jedoch Käufe ein, der Dax baute seine Gewinne aus. Um 14.30 Uhr erreichte der Dax Börsen-Chart zeigen mit einem Plus von 1,1 Prozent ein neues Jahreshoch bei 11.100 Punkten.

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Noch vor Kurzem erklärte Draghi, die wirtschaftliche Erholung des Euro-Raums sei "noch in erheblichem Maße von der lockeren Geldpolitik abhängig. Dass nun auch noch die Mehrheit seiner Landsleute die Reformpläne der Regierung in Rom abschmetterten und damit zugleich Regierungschef Matteo Renzi abwählten, setzt die EZB zusätzlich unter Zugzwang.

Ein Ausstieg aus der Geldflut ist noch nicht in Sicht

Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer zufolge zeigen die Beschlüsse noch nicht das Ende der großen Geldflut an. "Das ist kein Einstieg in den Ausstieg. Die lockere Geldpolitik wird nicht einfach beendet, denn die Staatsschuldenkrise ist noch nicht gelöst", so der Experte.

Draghi sprach von gestiegenen politischen Unsicherheiten in der Euro-Zone. "Man muss sich nur den Wahlkalender im nächsten Jahr anschauen." In Deutschland, Frankreich und in den Niederlanden stehen 2017 Wahlen an. Und in Italien wird die Regierung nach dem gescheiterten Verfassungsreferendum umgebildet. Draghi erneuerte deshalb seinen Appell, bei notwendigen Reformen nicht nachzulassen.

Inflation für die EZB weiterhin zu niedrig

Die EZB hatte immer wieder deutlich gemacht, die lockere Geldpolitik beizubehalten, um ihr Inflationsziel zu erreichen. Sie strebt knapp zwei Prozent Teuerung als Idealniveau für die Wirtschaft an. Doch davon ist sie weit entfernt: Im November waren die Verbraucherpreise lediglich um 0,6 Prozent angezogen. Inzwischen verfehlen die Euro-Wächter ihr Ziel bereits seit Frühjahr 2013. Ihre hausinternen Volkswirte rechnen erst 2019 mit einem Wert von 1,7 Prozent, also näher an der angepeilten Marke.

Die Notenbank kündigte zudem an, ab Anfang Januar einige Stellschrauben des Anleihen-Kaufprogramms zu ändern. So will sie künftig auch Bonds mit einer Laufzeit von einem Jahr erwerben. Damit erweitere sie die Gruppe der aufkaufbaren Papiere. Bisher erwarben die Währungshüter nur Titel mit Laufzeiten zwischen zwei und 30 Jahren. Künftig sollen auch Käufe von Anleihen mit Renditen unter dem Einlagenzins von aktuell minus 0,4 Prozent erlaubt sein.

la/mg/dpa-afx/reuters

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