500 Milliarden Euro für Anleihekäufe EZB stockt Corona-Notprogramm massiv auf

Im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie legt EZB-Präsidentin Christine Lagarde noch einmal kräftig nach. Der Zinssatz bleibt wie erwartet unverändert.
Will die Wirtschaft weiter stützen: EZB-Präsidentin Christine Lagarde

Will die Wirtschaft weiter stützen: EZB-Präsidentin Christine Lagarde

Foto: Boris Roessler / dpa

Europas Währungshüter stemmen sich mit weiteren Milliarden gegen die wirtschaftlichen Folgen der zweiten Corona-Welle. Das Notkaufprogramm für Staatsanleihen und Wertpapiere von Unternehmen wird um 500 Milliarden auf 1,85 Billionen ausgeweitet. Das beschloss der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) am Donnerstag in Frankfurt am Main. Die Laufzeit des Programms wird zudem um neun Monate bis mindestens Ende März 2022 verlängert. Zugleich versorgt die EZB Geschäftsbanken mit weiteren besonders günstigen Langfristkrediten (PELTROs) und lockert die Bedingungen für bereits laufende Langfristkredite.

Bei den Zinsen bleibt alles beim Alten: Der Leitzins im Euroraum liegt seit fast fünf Jahren auf dem Rekordtief von null Prozent. Geschäftsbanken müssen weiterhin 0,5 Prozent Zinsen zahlen, wenn sie Geld bei der Notenbank parken. Freibeträge für bestimmte Summen sollen die Institute bei den Kosten dafür entlasten. Der Euro  stieg nach Bekanntgabe des EZB-Entscheids binnen Minuten von 1,2090 auf 1,2116 Dollar an.

Erst im Juni hatte die Notenbank das Volumen des im März aufgelegten, besonders flexiblen Kaufprogramms PEPP (Pandemic Emergency Purchase Programme) auf 1,35 Billionen Euro fast verdoppelt. Die Wertpapierkäufe helfen Staaten wie Unternehmen: Sie müssen für ihre Papiere nicht so hohe Zinsen bieten, wenn eine Zentralbank als großer Käufer am Markt auftritt.

Nach der Ratssitzung im Oktober hatten die Währungshüter keinen Zweifel daran gelassen, dass sie noch einmal nachlegen wollen. "Selbst wenn sich die zweite Welle des Virus als weniger heftig erweist als die erste, stellt sie keine geringere Gefahr für die Wirtschaft dar", sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde (64) jüngst. Die Französin betonte: «Die EZB war in der erste Welle da und wird auch in der zweiten Welle da sein."

Entscheidung im Rahmen der Erwartungen

Mit den Maßnahmen wollen die Währungshüter den Kreditfluss an Unternehmen und Haushalte aufrechterhalten und sicherstellen, dass die Staatsanleihe-Renditen der Euro-Länder nicht aus dem Ruder laufen. Denn die Aussichten für das vierte Quartal sind trübe. Dazu haben eine seit Monaten negative Inflationsrate und ein erstarkter Euro den Druck auf die Euro-Wächter erhöht.

Das Maßnahmenpaket war von Analysten weitgehend erwartet worden. "Insgesamt hat die EZB geliefert", meint etwa Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Berenberg Bank. Und Naeem Aslam, Chefanalyst des Brokerhauses AvaTrade fügt hinzu: "Die geldpolitische 'Bazooka' hat die EZB nicht ausgepackt."

Das Coronavirus hatte sich zuletzt wieder massiv ausgebreitet. In vielen Ländern des Euroraums wurde das öffentliche Leben erneut eingeschränkt. Nach der Erholung in den Sommermonaten wächst die Sorge um die Konjunktur. "Die Eurozone braucht frische Unterstützung, um durch den zweiten Lockdown zu kommen und im kommenden Jahr mit einer Erholung zu starten", sagte ING-Deutschland-Chefvolkswirt Carsten Brzeski.

Inflationsziel wird seit Jahren verfehlt

Hauptziel der EZB ist ein ausgewogenes Preisniveau bei einer mittelfristigen Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent im gemeinsamen Währungsraum. Im November lag die Inflationsrate im Euroraum bei minus 0,3 Prozent.

Europas Währungshüter sind daher seit Jahren im Anti-Krisen-Modus. Die seit März 2015 mit Unterbrechung laufenden anderen Kaufprogramme der Notenbank für Anleihen haben mit etwas über drei Billionen Euro Ende November bereits ein gewaltiges Volumen erreicht.

Die EZB hat eine umfassende Überprüfung ihrer geldpolitischen Strategie auf den Weg gebracht. Die Notenbank will dabei ihre Formulierung von Preisstabilität ebenso unter die Lupe nehmen wie das geldpolitische Instrumentarium und ihre gesamte Kommunikation. Dabei geht es auch um Fragen, welche Folgen beispielsweise der Klimawandel oder Ungleichheit für das Ziel der Preisstabilität haben können.

mg/dpa-afx/Reuters
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