Notenbank-Treffen in Jackson Hole EZB-Mitglieder plädieren für großen Zinsschritt

Die Notenbankchefs von Österreich und den Niederlanden haben sich auf dem Zentralbank-Treffen im US-amerikanischen Jackson Hole für einen deutlichen Zinsschritt der EZB ausgesprochen. Sogar eine Erhöhung um bis zu 0,75 Prozentpunkte halten die beiden Ökonomen für möglich.
Fordert eine deutliche Straffung der Geldpolitik: Der österreichische Notenbankchef Robert Holzmann auf dem Zentralbank-Treffen in Jackson Hole

Fordert eine deutliche Straffung der Geldpolitik: Der österreichische Notenbankchef Robert Holzmann auf dem Zentralbank-Treffen in Jackson Hole

Foto: JIM URQUHART / REUTERS

Das österreichische Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB), Robert Holzmann (73), hat angesichts der hohen Inflation eine weitere deutliche Straffung der Geldpolitik gefordert. Ein Zinsschritt um 0,5 Prozentpunkte sei aus seiner Sicht das Minimum, sagte Holzmann der Nachrichtenagentur Bloomberg am Freitag beim US-Notenbanktreffen in Jackson Hole. Doch auch eine Anhebung um 0,75 Prozentpunkte solle bei der nächsten EZB-Ratssitzung im September diskutiert werden, so Holzmann weiter.

Die hohe Inflation in Deutschland hatte sich im Juli den zweiten Monat in Folge etwas abgeschwächt. Waren und Dienstleistungen kosteten durchschnittlich "nur" noch 7,5 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Notenbank hatte den Leitzins in der Eurozone im vergangenen Monat erstmals seit 2011 erhöht – und zwar unerwartet kräftig um 0,5 Prozentpunkte. Holzmann ist unter den Top-Vertretern der EZB als Verfechter einer straffen Linie bekannt und hatte sich bereits in der Vergangenheit wiederholt für deutlich höhere Zinsen stark gemacht.

Auch der niederländische Notenbank-Chef Klaas Knot (55) hat sich für große Zinsschritte der EZB ausgesprochen. "Das Inflationsproblem in Europa ist gegenwärtig so groß, dass ich es für unsere Pflicht halte, die Zinsen alle sechs Wochen zu erhöhen, bis sich die Inflation stabilisiert", sagte das Ratsmitglied am Freitag dem Sender NOS vom Zentralbank-Symposium in Jackson Hole aus. Er bevorzuge eine Zinserhöhung um 0,5 oder "vielleicht sogar" um 0,75 Prozentpunkte. Knot hatte Mitte Juni erklärt, bei einer weiteren Zunahme der Teuerung könne es "mehrere Zinserhebungen um 50 Basispunkte geben", also je 0,5 Prozentpunkte.

Powell schwört Märkte auf langen Kampf ein

Kurz vor dem Knot-Interview hatte die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf Insider gemeldet, dass einige EZB–Notenbanker wegen der sich verschlechternden Inflationsaussichten eine besonders kräftige Zinserhöhung diskutieren. Gegen eine Anhebung um 0,75 Prozentpunkte dürfte die erwartete Opposition von Währungshütern aus den südlichen Euro-Staaten sprechen, die zum Teil erhebliche Schuldenlasten tragen. Die nächste Sitzung findet im September statt.

Die wichtigsten Notenbanker der Welt treffen sich jedes Jahr in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming zu einem zentralen Symposium. Zum ersten Mal seit Ausbruch der Corona-Pandemie im Jahr 2020 fand die Konferenz wieder als Präsenzveranstaltung statt.

US-Notenbankchef Jerome Powell hatte in seiner Rede am Freitag die Märkte auf einen langen Kampf gegen die Inflation eingestimmt. Die Wiederherstellung der Preisstabilität werde für "einige Zeit" eine restriktive Geldpolitik nötig machen, sagte Powell. Dazu müssten die Werkzeuge "kraftvoll" genutzt werden. Die Äußerungen gelten als Signal, dass die Federal Reserve (Fed) ihren Zinserhöhungskurs eisern fortsetzen wird und Lockerungen vorerst nicht infrage kommen. Mehrere US-Währungshüter haben betont, es sei voreilig von den Märkten, Zinssenkungen im kommenden Jahr zu erwarten.

mg/dpa-afx, Reuters
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