Samstag, 25. Mai 2019

Leitzins bleibt auf Rekordtief EZB will noch länger locker bleiben

EZB-Chef Mario Draghi: Die EZB will fällig werdende Anleihen noch für längere Zeit ersetzen - also Geld reinvestieren

EZB-Chef Mario Draghi gibt den Märkten einen sehr deutlichen Wink. Eine Zinswende noch in diesem Jahr erscheint damit sehr unwahrscheinlich.

Die Europäische Zentralbank will auch nach dem Ende ihrer billionenschweren Anleihenkäufe die Geldpolitik locker halten. Zum einen bekräftigte sie am Donnerstag in Frankfurt, die Leitzinsen noch bis mindestens über den Sommer hinaus nicht antasten zu wollen. Der Schlüsselsatz zur Versorgung der Geschäftsbanken mit Geld liegt seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent.

Zum anderen will die EZB auch nach der Zinswende noch für längere Zeit fällig werdende Anleihen aus ihrem Bestand ersetzen. Nach Analystenschätzungen könnten so allein dieses Jahr rund 200 Milliarden Euro reinvestiert werden. Damit werden die Euro-Wächter ein großer Akteur am Anleihenmarkt bleiben.

Die EZB hat ihre auf mehr als 2,6 Billionen Euro angeschwollenen Wertpapierkäufe im Dezember eingestellt. Sie waren in den vergangenen Jahren ihr wichtigstes Kriseninstrument gegen eine aus ihrer Sicht zu geringe Inflation und zu schwache Konjunktur. Die durch die Transaktionen aufgeblähte Notenbank-Bilanz wird nach dem Stopp der Käufe wegen der Reinvestitionen vorerst stabil bleiben.

Und die Zinswende? Sie fällt also 2019 aus?

Unter dem noch bis Oktober amtierenden EZB-Chef Draghi werden die Märkte wohl keine Zinserhöhung mehr sehen. Die Börsen erwarteten eine erste Anhebung erst 2020. Dies zeige, dass sie die EZB verstanden hätten, sagte der Italiener am Donnerstag in Frankfurt.

Nach der jüngsten Serie schwacher Konjunkturdaten waren Ökonomen zu der Einschätzung gekommen, dass die Europäische Zentralbank eine Zinserhöhung hinauszögern dürfte. Nach aktuellen Aussagen Draghis gehen die Geldmärkte nunmehr nur noch von einer Wahrscheinlichkeit von 40 Prozent für eine Anhebung im laufenden Jahr aus. Zuvor waren es noch 45 Prozent. Laut offizieller Sprachregelung der EZB wird der Leitzins, der seit März 2016 auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent liegt, 2019 "über den Sommer hinweg" nicht angetastet werden.

rei/la/AFP/Reuters

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