Montag, 20. Januar 2020

Wachstum auf schwachem Fundament Hurra! Die Schulden wachsen

Die EZB pumpt Geld in die Märkte: Kein Grund also, von den Regierungen Reformen einzufordern

Mario Draghi hatte gestern sichtlich gute Laune. Nicht mal die kleine Protestaktion konnte sie trüben. Alles spricht dafür, dass 2015 und vielleicht auch 2016 gute Jahre für Europa werden. Draghis Ausblick war deutlich positiver als in den vergangenen Jahren. Die Kreditnachfrage und -vergabe zieht deutlich an.

Die Wirtschaft belebt sich und die Kapitalmärkte boomen. Seit der Ankündigung des Kaufprogramms der EZB legten EuroStoxx, Dax und CAC 40 über 20 Prozent zu, die Börse in Mailand sogar 27 Prozent. Kein Grund also zum Verzagen, kein Grund von den Regierungen Reformen einzufordern. Nützlich wären sie natürlich schon, aber Draghi hat sie schon deutlicher gefordert als gestern.

Daniel Stelter
Auch in Berlin herrscht beste Laune. Passend zum Frühlingsbeginn werden die Konjunkturforscher noch optimistischer. Die deutsche Wirtschaft wird deutlich wachsen und es spricht viel dafür, dass auch 2016 ein gutes Jahr wird. Die Eurokrise scheint überwunden und für Griechenland wird sich schon eine Lösung finden - und wenn nicht, dann wird auch ein Ausstieg der Griechen keine größeren Probleme für die Eurozone bereiten.

Schwaches Fundament

Wir sollten uns über die Erholung freuen. Aber nicht den Fehler machen, die Krise für erledigt zu halten. Vieles spricht dafür, dass der Preis, den wir für diesen Boom zu zahlen haben, ein hoher sein wird. Dies zeigt ein Blick auf die Gründe für die wirtschaftliche Belebung:

  • Nach sieben Jahren Krise gibt es in den meisten Ländern Europas einen erheblichen Nachholbedarf an Konsum und Investitionen. Nachdem die ersten Sanierungsbemühungen vollbracht sind und die Schulden im Privatsektor zum Teil gesenkt wurden, haben Private und Unternehmen wieder etwas mehr finanziellen Spielraum.
  • Die Politik des billigen Geldes der EZB führt zu mehr Kreditnachfrage und die Banken sind mehr gewillt, wieder Kredite zu geben. Abzulesen ist dies an der deutlich wachsenden Geldmenge M3, die seit einigen Monaten wieder deutlich expandiert. Zugleich werden die Schuldner entlastet.
  • Die von der Geldpolitik geförderte Abwertung des Euros hat den gewünschten Erfolg im Export. Die Eurozone als Ganzes wird immer mehr zu einer Region mit einem Handelsüberschuss mit dem Rest der Welt.
  • Der Verfall des Ölpreises wirkt - trotz des schwachen Euro - wie eine Steuersenkung für Unternehmen und Private. Das verfügbare Einkommen wächst.
  • Schließlich wird weniger gespart, was man zum Beispiel am neuen Budget des italienischen Staates sehen kann.

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