Freitag, 21. Februar 2020

Wachstum auf schwachem Fundament Hurra! Die Schulden wachsen

Die EZB pumpt Geld in die Märkte: Kein Grund also, von den Regierungen Reformen einzufordern

2. Teil: Der Exportweltmeister eilt von Rekord zu Rekord

Zusammenfassen könnte man es so: der tiefe Ölpreis ist ein Glücksfall, den man realistischer Weise nur als temporär ansehen sollte. Alles andere ist die Fortsetzung genau jener Politik, die uns erst in die Krise gebracht hat: billiges Geld und mehr Schulden. Endet der Aufschwung, wird die Eurozone vor einem noch größeren Schuldenberg stehen als heute. Und der Druck auf die Gläubiger, einem Forderungsverzicht zuzustimmen, und auf die EZB, die Schulden doch zu monetarisieren, wird weiter steigen.

Deutschland in der Falle

Wie bereits vor einigen Wochen an dieser Stelle gezeigt, ist es keinesfalls richtig, dass wir Deutschen die großen Profiteure des Euros sind. Profitiert hat der Exportsektor, es hat aber nicht zu einem breiten Wohlstandszuwachs geführt. Nun profitiert die deutsche Wirtschaft überproportional vom europäischen Spiel auf Zeit: die Finanzierungskosten sind günstig und erleichtern Herrn Schäuble die Schwarze Null. Der gering verschuldete Privatsektor kann nun endlich günstig Schulden machen und die Immobilienpreise steigen deutlich an. Der schwache Euro macht deutsche Waren auf den Weltmärkten noch attraktiver, der Exportweltmeister eilt von Rekord zu Rekord.

Gefunden in
"Beyond the obvious"


think-beyond
theobvious.com

Der Preis, den wir alle für diesen Boom bezahlen müssen, wird hoch sein. Deutlich höher als die in dieser Woche berechneten 190 Milliarden an Zinsverlusten für deutsche Sparer seit Krisenbeginn. Denn Exportweltmeister sind wir nicht nur mit Waren, sondern auch mit Forderungen. Das Ausland kann nur so viel bei uns einkaufen, weil wir ihm im Gegenzug einen Kredit geben, also unsere übermäßige Ersparnis exportieren. In der Vergangenheit war dies keine gute Strategie, wie die Schuldenkrise zeigt, und es spricht nichts dafür, dass es heute eine bessere Strategie ist.

Im Gegenteil wächst der Druck unserer Partner, uns solidarisch zu zeigen. Noch gehen die Vorstöße in die Richtung, höhere Investitionen und Löhne in Deutschland zu fordern, wie zuletzt der ehemalige US-Notenbankpräsident Ben Bernanke. Beim nächsten Abschwung - und der ist bei einem auf Schulden gebauten Aufschwung nur eine Frage der Zeit - wird man uns eine ganz andere Rechnung präsentieren.

Als größtem Gläubiger in Europa, der zudem hohe Handelsüberschüsse erzielt habe, in dem er Kaufkraft aus anderen Ländern abzog - so die zu erwartende Argumentation - wäre es wohl das mindeste, an einer Umschuldung mitzuwirken. Dann platzt unsere Konjunkturblase im Umfeld einer weiterhin deutlich unter dem Niveau von 2007 liegenden Eurozone. Und wir werden uns fragen: wo ist der Wohlstand nur hin, den wir uns in den letzten Jahren erarbeitet haben.

Diesen Text veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung von Daniel Stelter, beyond the obvious .

Seite 2 von 2

© manager magazin 2015
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung