Montag, 14. Oktober 2019

Kritikerin von Draghis expansiver Geldpolitik EZB-Direktorin Lautenschläger tritt vorzeitig zurück

EZB-Direktorin Lautenschläger wird das Gremium zwei Jahre früher als geplant verlassen

Mit Sabine Lautenschläger verlässt eine Kritikerin der lockeren Geldpolitik überraschend die Spitze der Europäischen Zentralbank. Lautenschläger habe EZB-Chef Mario Draghi darüber informiert, dass sie ihren Posten im Direktorium zum 31. Oktober dieses Jahres vorzeitig räumen werde, teilte die Notenbank am Mittwochabend mit. Lautenschlägers Amtszeit hätte regulär noch über zwei Jahre gedauert.

Zu den Gründen des Rücktritts machte die Notenbank zunächst keine Angaben. Draghi dankte Lautenschläger laut Mitteilung "für ihre maßgebliche Rolle beim Aufbau und der Steuerung der europaweiten Bankenaufsicht".

Das Direktorium der EZB führt die Geschäfte der Notenbank. Ihm gehören der Präsident Mario Draghi, Vizepräsident Luis de Guindos, Lautenschläger und drei weitere Mitglieder an.

Lautenschläger war seit Januar 2014 Mitglied im Direktorium. Bis Februar hatte sie außerdem fünf Jahre lang den Vize-Chefposten der EZB-Bankenaufsicht für den Euroraum (Single Supervisory Mechanism/SSM) innegehabt. Die EZB beaufsichtigt seit November 2014 die größten Banken und Bankengruppen im Euro-Raum direkt.

Lautenschläger ist Kritikerin der extrem lockeren Geldpolitik

Lautenschläger gehört zu den Kritikern einer extrem lockeren Geldpolitik. Vor der jüngsten geldpolitischen Sitzung der EZB hatte sich die deutsche Juristin gegen einen Neustart des milliardenschweren Anleihekaufprogramms ausgesprochen.

Mitte September, bei der letzten Zinsentscheidung während der Amtszeit Draghis als EZB-Chef, hatte die Notenbank jedoch mit ihrer Geldpolitik noch einmal alle Register gezogen - zum Leidwesen von Sparern und Banken. Die Zentralbank erhöhte nicht nur ihre Strafzinsen für Banken, die Geld bei der Notenbank parken. Sie legte auch die Wertpapierkäufe neu auf. Ab 1. November sollen monatlich 20 Milliarden Euro in den Erwerb von Anleihen gesteckt werden. Ein genaues Ende der Käufe legte das Gremium nicht fest.

Erst Ende Dezember hatten die Währungshüter ihr gewaltiges Kaufprogramm von Staats- und Unternehmensanleihen vorerst beendet. Seit Januar fließt kein frisches Geld mehr in diesem Rahmen, Gelder aus auslaufenden Wertpapieren werden jedoch reinvestiert. Von März 2015 bis Ende 2018 steckte die EZB rund 2,6 Billionen Euro in Anleihen.

Auch Bundesbank-Chef Weidmann kritisiert Draghis Entscheidung

Draghi rechtfertigte die erneute Lockerung der Geldpolitik mit umfangreichen Risiken für die Konjunktur. Durch die Geldschwemme sollen die Unternehmen und Verbraucher leichter Kredite aufnehmen können, wodurch die Wirtschaft in Schwung gebracht werden kann.

Im EZB-Rat waren die Beschlüsse aber sehr umstritten, wie Draghi selbst eingeräumt hatte. So gab es ungewöhnlich deutliche, öffentliche Kritik von Mitgliedern des EZB-Rats, in dem die Chefs der nationalen Notenbanken vertreten sind. Zu den Kritikern gehörte auch Bundesbank-Chef Jens Weidmann - mit Verweis auf die Nebenwirkungen und auf Risiken für die Finanzstabilität.


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Ein baldiger Kurswechsel bei der EZB scheint auch nach Draghis Abgang Ende Oktober kaum absehbar. Seine designierte Nachfolgerin Christine Lagarde, bisherige Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), zeigte sich jedenfalls offen für eine Fortsetzung der extrem lockeren Geldpolitik. Lagarde soll Anfang November den EZB-Spitzenposten übernehmen. Lautenschläger hatte im Vorfeld der Entscheidung für Lagarde auch zum Kreise derjenigen gezählt, die manch einem als mögliche Kandidaten für die Draghi-Nachfolge galten.

mg/dpa-afx

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