EZB-Chefvolkswirt nährt Spekulationen Reichen die 1,35 Billionen Euro EZB-Hilfen nicht?

Erst im Juni hatte die EZB das Corona-Notfallprogramm um 600 Milliarden Euro aufgestockt. EZB-Chefvolkswirt Philip Lane befeuert nun Spekulationen über eine weitere Erhöhung.
EZB-Chefvolkswirt Philip Lane sieht die Europäische Zentralbank weiter als Krisenhelfer

EZB-Chefvolkswirt Philip Lane sieht die Europäische Zentralbank weiter als Krisenhelfer

Foto: REUTERS

Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht sich trotz der zuletzt sanften konjunkturellen Erholung weiter als Krisenhelfer gefordert und nährt Spekulationen über eine Aufstockung ihres Anleihenprogramms. "Was uns angeht, sind wir darauf festgelegt, den notwendigen geldpolitischen Stimulus zu liefern", erklärte EZB-Chefvolkswirt Philip Lane (50) am Dienstag in einem Blog-Eintrag.

Auch wenn es der Wirtschaft nun wieder bessergehe, bleibe es ein langer Weg bis zu einer vollständigen Erholung, schrieb Lane. Sie sei weiter auf Unterstützung der EZB und der Regierungen angewiesen. Der Ausblick sei überdies "höchst unsicher".

Lanes Wortmeldung mit skeptischem Unterton lässt aufhorchen, da sich die EZB seit der Pressekonferenz ihrer Präsidentin Christine Lagarde (64) nach dem Zinsbeschluss vom 16. Juli zu geldpolitischen Fragen weitgehend bedeckt gehalten hatte.

Jüngste Stimmungsindikatoren für die Euro-Zone hatten nach einem historischen Einbruch der Wirtschaft in dem gemeinsamen Währungsraum zuletzt eine Aufwärtstendenz angezeigt. In vielen Branchen wird es gleichwohl noch lange dauern, bis sie das Vor-Krisen-Niveau erreichen. Und die Aufwertung des Euro sorgt nun für neue Sorgen, da er die Wettbewerbsposition der Firmen aus den Staaten der Währungsunion auf den Exportmärkten schwächt.

Vor diesem Hintergrund spekulieren Investoren verstärkt darüber, dass die EZB ihr erst im Juni um 600 Milliarden auf 1,35 Billionen Euro aufgestocktes großes Corona-Notfallprogramm PEPP bereits im September erneut ausweiten könnte.

Lane betonte nun, der Umfang des Programms sei im Rahmen der Geldpolitik eine wichtige Steuerungsgröße. Der Inflationsausblick spiele eine zentrale Rolle dabei, wie die geldpolitische Haltung ausgestaltet werde. Die EZB erachtet eine Jahresteuerung von knapp zwei Prozent als ideal für die Konjunktur, verfehlt dieses Ziel jedoch seit Jahren. Zuletzt lag die Inflationsrate bei nur 0,4 Prozent.

rei/Reuters