Leitzins bleibt bei Null EZB: Rezession in Euro-Zone weniger stark als befürchtet

Die Europäische Zentralbank lässt den Leitzins in der Eurozone wie erwartet bei 0,0 Prozent. Auch das Anleihen-Notkaufprogramm (PEPP) bleibt unverändert. Die Corona-Krise wird der Wirtschaft in der Euro-Zone laut EZB weniger stark zusetzen als befürchtet. Sorgen bereitet unterdessen der Höhenflug des Euro.
Christine Lagarde: Die EZB-Chefin sieht eine "starke Erholung" in der Euro-Zone. Die Wirtschaft werde 2020 wohl nur um 8 Prozent einbrechen

Christine Lagarde: Die EZB-Chefin sieht eine "starke Erholung" in der Euro-Zone. Die Wirtschaft werde 2020 wohl nur um 8 Prozent einbrechen

Foto: ANDREW CABALLERO-REYNOLDS / AFP

Die Corona-Krise wird der Wirtschaft in der Euro-Zone nach Prognosen der EZB weniger stark zusetzen als bislang angenommen. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) werde in diesem Jahr voraussichtlich um 8,0 Prozent einbrechen, teilte die Europäische Zentralbank (EZB) am Donnerstag in Frankfurt mit. Im Juni hatte sie noch mit einem Absturz von 8,7 Prozent gerechnet. "Die aktuellen Daten signalisieren eine starke Erholung", sagte EZB-Präsidentin Christine Lagarde (64). Allerdings sei man noch weit vom Vorkrisenniveau entfernt. "Die Stärke der Erholung ist nach wie vor von erheblicher Unsicherheit umgeben, da sie weiterhin in hohem Maße von der künftigen Entwicklung der Pandemie und dem Erfolg der Eindämmungs-Politik abhängt", betonte Lagarde.

Für 2021 und 2022 wird weiterhin mit einer deutlichen Erholung der Wirtschaft gerechnet. Für das nächste Jahr sagen die EZB-Experten jetzt ein Wachstum von 5,0 (bisher: 5,2) Prozent voraus, für das übernächste Jahr von 3,2 (bisher: 3,3) Prozent. "Die erhöhte Unsicherheit über die wirtschaftlichen Aussichten belastet weiterhin die Verbraucherausgaben und Unternehmensinvestitionen", betonte Lagarde.

Die Corona-Krise schlägt sich auch in der Inflationsentwicklung nieder. Die EZB geht für dieses Jahr weiter von einer Teuerungsrate von 0,3 Prozent aus. Für 2021 werden nun 1,0 (bisher: 0,8) Prozent und für 2022 nach wie vor 1,3 Prozent vorausgesagt. Damit würde die EZB ihr Stabilitätsziel weiter deutlich verfehlen. Sie strebt mittelfristig eine Inflationsrate von knapp unter zwei Prozent an. Das erachtet sie als den optimalen Wert für die Sicherung von Preisstabilität. Dieses Ziel verfehlt sie allerdings nun schon seit Jahren.

Nullzins und PEPP-Volumen bleiben unverändert

Die Europäische Zentralbank hat zudem ihren Schlüsselsatz zur Versorgung der Institute mit Geld wie erwartet auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Das teilte die EZB am Donnerstag mit. Auch das Volumen des Pandemie-Kaufprogramms (PEPP), in dessen Rahmen die EZB Staats- und Unternehmensanleihen kauft und dadurch die Konjunktur während der Corona-Krise stützen will, bleibt unverändert bei 1,35 Billionen Euro. Die PEPP-Käufe werden bis mindestens Juni 2021 fortgesetzt, die Anleihe-Reinvestitionen bis mindestens Ende 2022.

Trotz bedenklich niedriger Inflation und des beispiellosen Konjunktureinbruchs in der Corona-Krise legen Europas Währungshüter damit vorerst nicht nach. Volkswirte schließen aber nicht aus, dass die EZB ihr Notkaufprogramm bis zum Jahresende noch einmal aufstocken könnte. Die Euro-Wächter erklärten wie üblich, notfalls stünde die EZB bereit, alle ihre geldpolitischen Instrumente anzupassen. Die Euro-Notenbank hatte im Zuge des beispiellosen Konjunktureinbruchs in Folge der Corona-Krise umfangreiche Hilfsmaßnahmen aufgelegt. Im Juni stockte sie ihr großes Pandemie-Anleihenkaufprogramm PEPP um 600 Milliarden Euro auf 1,35 Billionen Euro auf und verlängerte die Käufe bis Ende Juni 2021.

An den Märkten war die Entscheidung erwartet worden: Der Dax  schwankte nach dem Zinsentscheid unverändert um die Marke von 13.250 Punkten und damit nur knapp unter seinem Sechsmonatshoch.

Starker Euro als Problem

Die EZB nimmt zudem den jüngsten Höhenflug des Euro in den Blick. Lagarde sagte während der Presse-Konferenz am Donnerstag, der EZB-Rat werde die hereinkommenden Informationen mit Blick auf den Wechselkurs sorgfältig bewerten. Dies gelte insbesondere mit Blick auf die Auswirkungen für die mittelfristigen Inflationsaussichten. Die Gemeinschaftswährung ist seit Mitte Mai zum Dollar um rund zehn Prozent gestiegen. Aktuell liegt der Kurs bei 1,1875 Dollar. Der Dollar leidet unter anderem unter den Signalen der US-Notenbank Fed, die Zinsen noch sehr lange ultraniedrig zu halten sowie auch eine höhere Inflation zeitweise zuzulassen. Der erstarkte Euro   drückt die ohnehin schon schwachen Inflationserwartungen in der Eurozone und kommt den Währungshütern angesichts einer noch zerbrechlichen Erholung höchst ungelegen.

la/dpa