EZB-Direktorin Schnabel "Müssen die Inflation schnell wieder zum Zielwert bringen"

EZB-Direktorin Isabel Schnabel gehört eigentlich nicht zu den Scharfmachern in der Europäischen Zentralbank. Umso bemerkenswerter erscheinen ihre jüngsten Äußerungen auf dem Notenbankertreffen in Jackson Hole: In Bezug auf die künftige Geldpolitik klang Schnabel dort entschiedener als bisher.
"Unangenehm hoch": Die EZB muss nach Meinung von Direktorin Isabel Schnabel entschlossen gegen die hohen Inflationserwartungen vorgehen

"Unangenehm hoch": Die EZB muss nach Meinung von Direktorin Isabel Schnabel entschlossen gegen die hohen Inflationserwartungen vorgehen

Foto: JIM URQUHART / REUTERS

Die Europäische Zentralbank (EZB) muss aus Sicht von Notenbank-Direktorin Isabel Schnabel (51) gegen die hochschießende Inflation in der Eurozone kraftvoll vorgehen. Sowohl die Wahrscheinlichkeit als auch die Kosten dafür, dass sich die derzeit hohe Teuerungsrate in den Erwartungen festsetzt, seien unangenehm hoch, sagte sie am Samstag in einem Redebeitrag für eine Diskussionsrunde auf dem Zentralbank-Symposium in Jackson Hole, Wyoming. "In diesem Umfeld müssen die Zentralbanken kraftvoll handeln", sagte die deutsche Ökonomin. Sie müssten entschlossen gegen die Gefahr angehen, dass Menschen beginnen, an der langfristigen Stabilität ihrer Währungen zu zweifeln.

"Je länger die Inflation hoch bleibt, desto größer ist das Risiko, dass die Öffentlichkeit das Vertrauen in unsere Entschlossenheit und Fähigkeit verliert, Kaufkraft zu bewahren", sagte Schnabel. Wenn eine Zentralbank die Hartnäckigkeit der Inflation unterschätze – dies haben Schnabel zufolge die meisten Notenbanken in den vergangenen anderthalb Jahren getan – und ihre Geldpolitik nur langsam verändere, seien die Folgekosten womöglich beträchtlich, warnte sie.

Die EZB hatte auf ihrer Zinssitzung im Juli die Zinswende eingeleitet und dabei die Schlüsselsätze anders als vorher in Aussicht gestellt um kräftige 0,50 Prozentpunkte angehoben. Es war die erste Zinserhöhung seit elf Jahren. Der Leitzins liegt damit inzwischen bei 0,50 Prozent. Die nächste Zinssitzung der EZB ist am 8. September. An den Börsen wird derzeit mit einer weiteren Zinsanhebung um einen halben Prozentpunkt gerechnet. Doch einige Euro-Wächter wie das österreichische Ratsmitglied Robert Holzmann (73) und der niederländische Notenbankchef Klaas Knot (55) haben sich angesichts der schlechten Inflationsaussichten inzwischen dafür ausgesprochen, dass auf dem September-Treffen auch eine noch stärkere Anhebung um 0,75 Prozentpunkte diskutiert werden sollte.

Holzmann und Knot gehören allerdings auch zu den Befürwortern einer restriktiveren Geldpolitik. Dass sich nun auch Schnabel, der eine deutlichere Nähe zu EZB-Chefin Christine Lagarde (66) nachgesagt wird, so klar für ein kraftvolles Vorgehen einsetzt, schürt die Spekulationen auf einen kräftigeren Zinsschritt. Zudem ist Schnabel nicht nur Ratsmitglied, sondern auch Direktorin der EZB.

Händler rechnen mit großem Zinsschritt

In ihrer Rede warnte Schnabel auch vor der Gefahr, dass sich die Wahrnehmung festsetzt, dass bei der Notenbank inzwischen eine größere Toleranz gegenüber hohen Inflationsraten Einzug gehalten habe. "Entschlossenes Handeln ist erforderlich, um diese Wahrnehmungen zu durchbrechen", sagte die EZB-Direktorin. Sollte Unsicherheit über die Reaktion der Notenbank das Vertrauen in das Engagement für die Sicherung der Preisstabilität untergraben, sei ein vorsichtiger Ansatz in der Geldpolitik nicht länger angemessen. "Um Vertrauen zurückzugewinnen und zu bewahren, müssen wir die Inflation schnell wieder zum Zielwert bringen."

Am Geldmarkt nahmen die Spekulationen auf eine sehr große Zinserhöhung am Montag zu. Aus den Kursen ging dort hervor, dass Händler inzwischen 0,67 Prozentpunkte an Zinserhöhungen für die kommende Zinssitzung der EZB in den Kursen eingerechnet haben. Dies bedeutet, dass eine Anhebung um 0,50 Prozentpunkte bei Investoren als bereits ausgemachte Sache gilt und die Wahrscheinlichkeit einer noch stärkeren Anhebung um 0,75 Prozentpunkte mit etwa 67 Prozent taxiert wird. Vor den Auftritten der Notenbanker am Wochenende war am Geldmarkt am Freitag die Wahrscheinlichkeit für einen solchen noch kräftigeren Zinsschritt nur mit 24 Prozent taxiert worden.

Die Inflation im Euroraum war im Juli auf einen neuen Rekordwert von 8,9 Prozent gestiegen. Damit liegt die Teuerung inzwischen mehr als viermal so hoch wie das Ziel der Euro-Notenbank, die mittelfristig eine Rate von 2 Prozent anstrebt. Verbraucher waren zuletzt hinsichtlich der weiteren Inflationsentwicklung eher pessimistisch. In einer Umfrage der EZB vom Juni waren Konsumenten davon ausgegangen, dass die Inflation auch in zwölf Monaten immer noch bei 5,0 Prozent liegen wird.

mg/Reuters
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