Samstag, 7. Dezember 2019

Zinsen bleiben auf Rekordtief EZB behält sich Erhöhung der Wertpapierkäufe vor

EZB-Chef Mario Draghi: Alle Optionen offen gehalten

Die Europäische Zentralbank (EZB) hält sich weiterhin die Möglichkeit einer Anhebung des Volumens ihrer milliardenschweren monatlichen Wertpapierkäufe offen. Ein entsprechender, bislang mehrfach wiederholter Passus findet sich in der Stellungnahme zur Zinsentscheidung am Donnerstag erneut.

Außerdem bleibt der Leitzins im Euroraum wie erwartet auf dem Rekordtief von null Prozent. Parken Geschäftsbanken Geld bei der Notenbank, kostet das die Institute weiterhin 0,4 Prozent Strafzinsen.

Zudem steckt die EZB noch bis mindestens Ende Dezember 2017 Monat für Monat 60 Milliarden Euro in den Kauf von Staats- und Unternehmensanleihen. Wie es im Jahr 2018 mit den Anleihekäufen weitergeht, bleibt offen.

Der Dax Börsen-Chart zeigen baute unmittelbar nach der Entscheidung seine Gewinne leicht aus. Der deutsche Leitindex war bereits seit gestern deutlich gestiegen. Der Euro in Dollar Börsen-Chart zeigen gab minimal nach, hielt sich aber nur knapp unter der Grenze von 1,20 US-Dollar.

EZB hält sich alle Optionen offen

Die Europäische Zentralbank (EZB) verändert damit ihren geldpolitischen Kurs vorerst nicht - trotz zunehmender Forderungen nach einem Einstieg in den Ausstieg aus der Geldflut. Der EZB-Rat bekräftigte am Donnerstag in Frankfurt die bisherige expansive Ausrichtung.

Mit viel billigem Geld versucht die EZB seit Jahren, der Konjunktur auf die Sprünge zu helfen und die Teuerung anzuheizen. Angestrebt wird Preisstabilität bei einer Inflationsrate knapp unter 2,0 Prozent - weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher dazu bringen, Investitionen aufzuschieben - das würde die Konjunktur abwürgen.

Weil die Zeiten einer Inflationsrate nahe Null vorerst vorbei sind und die Konjunktur im Euroraum wieder besser läuft, wuchs in den vergangenen Monaten der Druck auf die Währungshüter, ihren Anti-Krisen-Kurs zu beenden.

Kein Signal für Abkehr von Geldflut

Nach der Juli-Sitzung des EZB-Rates hatte Draghi angekündigt, das Gremium werde ab Herbst über mögliche Kursänderungen diskutieren - auf Grundlage der neuesten Prognosen zur Entwicklung von Konjunktur und Inflation im Euroraum.

Einige Experten und Anleger hatten zuletzt erwartet, dass die EZB diesen Passus ändern könnte, um damit ein vorsichtiges Signal für eine baldige Abkehr von der derzeitigen extrem lockeren Geldpolitik zu geben.

Weiterhin heißt es in der EZB-Stellungnahme aber, man sei - falls nötig - "bereit, das Programm im Hinblick auf Umfang und/oder Dauer auszuweiten."

Viele Argumente für Ausstieg aus der ultralockeren Geldpolitik

Es gibt einige Argumente für einen Ausstieg aus der sehr lockeren Geldpolitik. So deuten viele Indikatoren auf eine Fortsetzung der robusten wirtschaftlichen Erholung im Euroraum hin. Auch der starke Euro hat die Frühindikatoren bisher noch nicht belastet. Auf der anderen Seite liegt die Inflationsrate immer noch merklich unter dem Inflationsziel der EZB von knapp zwei Prozent. So lag die Inflationsrate im August bei 1,5 Prozent. Mit einem deutlichen Anstieg der Rate in den kommenden Monaten rechnet kaum jemand.

Nach Einschätzung von Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer hat die EZB gar keine Alternative zu einem Ausstieg aus den Anleihekäufen im kommenden Jahr. "Dieser Ausstieg ist mehr oder weniger erzwungen", kommentierte Krämer. So habe die EZB versprochen lediglich ein Drittel der Anleihen einzelner Staaten zu kaufen. Der Europäische Gerichtshof und das Bundesverfassungsgericht haben die Anleihekäufe nur unter diesem Vorbehalt genehmigt. Die Grenze könnte laut Krämer schon im Frühjahr bei Anleihen einiger Staaten erreicht sein, falls die EZB nicht vorher ihre Käufe reduziert.

Euro-Aufwertung: Euro-Schmerzgrenze für EZB bei 1,20 Dollar?

Erschwert werden dürfte die Geldpolitik der EZB durch den zuletzt stärkeren Eurokurs. Draghi hatte sich auf dem Notenbanktreffen in Jackson Hole nicht zum Euro geäußert und so den Kurs vorübergehend noch weiter nach oben getrieben.

Der Markt wolle erfahren, ob die Marke von 1,20 Dollar für die EZB eine "Schmerzgrenze" darstelle oder nicht, sagte Milan Cutkovic, Marktanalyst beim Handelshaus AxiTrader. Patrick O'Donnell, Senior Investment Manager bei Aberdeen Standard Investments ist dagegen skeptisch: "Vielleicht wird EZB-Chef Mario Draghi versuchen, den Anstieg des Euro verbal zu bremsen - aufhalten kann er ihn nicht."

Sollte die EZB die weitere Euro-Aufwertung bremsen wollen, müsste sie bis auf weiteres an der lockeren Geldpolitik festhalten und die Geldschleusen auch im kommenden Jahr weit geöffnet halten - darauf spekulieren einige Dax-Anleger, die am Mittwoch und Donnerstag wieder in den Markt einstiegen.

Ausstieg aus Anleihekäufen würde Euro weiter nach oben treiben

Ein klares Signal für ein Rückführen der Anleihekäufe könnte den Wechselkurs erneut beflügeln und so die wirtschaftliche Erholung gefährden, schreibt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt bei ING Diba. Draghi sollte daher bei seinen Aussagen vorsichtig sein. Brzeski erwartet nicht, dass Draghi schon mit einem konkreten Ausstiegsplan aufwartet wird, da es hierfür auch noch keine Einigkeit im EZB-Rat gebe. Daher dürfte laut Brzeski nach der Sitzung wieder darüber diskutiert werden, was Draghi nicht gesagt hat und nicht darüber, was er gesagt hat.

Eine Leitzinsanhebung liegt hingegen nach einhelliger Einschätzung von Ökonomen noch in weiter Ferne. Der Hauprefinanzierungssatz bleibe also bei Null Prozent und der Einlagensatz, zu dem Banken Geld bei der EZB parken können, bleibe bei minus 0,4 Prozent. Die meisten Ökonomen rechnen frühestens im Jahr 2019 mit Zinserhöhungen.

la/dpa

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