Freitag, 20. September 2019

Europäische Einlagensicherung geplant Will die EU an mein Sparbuch? Ein Teil der Antwort würde Sie verunsichern

Frankfurter Bankenviertel: Auch die deutschen Sicherungstöpfe müssen noch mit Geld gefüllt werden

Angst. Angst ums Geld ist ein starkes Motiv in der Kampagne deutscher Banken gegen die geplante europäische Einlagensicherung.

Die Volks- und Raffeisenbanken beispielsweise stellen in einem Zeichentrickvideo einen Herrn Peters vor, der vorbildlich Geld zurücklegt, um sich später Auto oder Urlaub leisten zu können. Damit das Geld sicher zurückkomme, gebe es Systeme der Einlagensicherung. "Diese sind in Deutschland vorbildlich." Ein Topf ist voller Geld, Daumen rauf.

Dann aber gibt es die EU, die diesen Schutz allen Sparern in Europa geben möchte. Okay, aber in vielen Ländern sind die Töpfe noch leer (weil dort im Ernstfall bisher eher die Notenbank oder der Staat einsprang, oder die Banken hinterher unter sich sammeln mussten). Seit Juli erst gilt eine Richtlinie, die das Füllen solcher Töpfe über die kommenden zehn Jahre vorschreibt. "Die EU hat aber schon wieder eine neue Idee", heißt es in dem Video.

Werden alle Geldtöpfe in Brüssel umgefüllt?

Das Schreckensbild: Alle Töpfe, der volle deutsche und die leeren anderen, werden umgefüllt in einen großen, aus dem sich dann alle bedienen. Da weicht das Lächeln des Herrn Peters einem säuerlichen Gesichtsausdruck. Die Botschaft: Was die deutschen Kreditgenossen in 80 Jahren zum gegenseitigen Schutz angespart haben, bringt Brüssel jetzt in Gefahr. "Um sich gegenseitig zu schützen, muss schließlich jeder gleich stark sein."

Tatsächlich hat sich die EU-Kommission mit ihrem an diesem Dienstag vorgestellten Modell große Mühe gegeben, diese Ängste auszuräumen. Der geplante europäische Fonds Edis soll erst "allmählich, Schritt für Schritt" bis 2024 an die Stelle der nationalen Einlagensicherungssysteme treten. Zunächst müssen die im Krisenfall einer Bankpleite voll ausgeschöpft werden, bevor Edis angezapft werden kann.

Gespeist wird der Fonds aus ohnehin vorgesehenen Abgaben der Banken, die ausreichen sollen, um 0,8 Prozent der geschützten Einlagen mit einer gesetzlichen Garantie von 100.000 Euro je Sparer abzudecken. Vor allem: Die über diese Garantie hinausgehenden freiwilligen Schutzsysteme, wie sie die Volks- und Raiffeisenbanken, die Sparkassen oder auch die privaten Banken in Deutschland betreiben, sind davon unberührt.

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