Gesunkene Energiekosten Inflationsrate in der Eurozone sinkt stärker als erwartet

Die Energiekosten sind im Dezember nicht mehr ganz so stark gestiegen wie zuvor, das schlägt sich auch in der Inflationsrate nieder. Die sogenannte Kerninflation legt allerdings weiter zu. EZB-Chefin Christine Lagarde wird die Zinsen im Februar daher voraussichtlich erneut anheben.
Weiter geht es: EZB-Chefin Christine Lagarde wird im Februar den Leitzins voraussichtlich noch einmal um 0,5 Prozentpunkte anheben

Weiter geht es: EZB-Chefin Christine Lagarde wird im Februar den Leitzins voraussichtlich noch einmal um 0,5 Prozentpunkte anheben

Foto: OLIVIER HOSLET / EPA

Ein nachlassender Preisschub bei Energie hat die Inflation im Euroraum zum Jahresende unerwartet deutlich sinken lassen. Im Dezember kletterten die Verbraucherpreise binnen Jahresfrist um 9,2 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat am Freitag in einer ersten Schätzung mitteilte. Noch im November hatte die Teuerungsrate bei 10,1 Prozent gelegen, im Oktober bei 10,6 Prozent. Die Inflation hat sich damit bereits den zweiten Monat in Folge abgeschwächt.

Für die Europäische Zentralbank (EZB) bedeutet dies aber noch keine Entwarnung: Die sogenannte Kerninflation, in der die schwankungsreichen Preise für Energie und Lebensmittel, Alkohol und Tabak ausgeklammert bleiben, erhöhte sich im Dezember sogar auf 5,2 Prozent von 5,0 Prozent im November. Dies ist der höchste Wert seit Einführung des Euro.

Auf diese Größe achten Ökonomen besonders, weil sie einen Hinweis gibt, wie stark die Unternehmen höhere Kosten insbesondere im Energiebereich an die Verbraucher weitergeben. Daraus wiederum können sich sogenannte Zweitrundeneffekte in Form höherer Lohnforderungen ergeben. Fachleute sprechen von einer Preis-Lohn-Spirale.

Nach wie vor steigen die Energiepreise am stärksten, allerdings deutlich schwächer als zuletzt. Gegenüber Dezember 2021 legten sie um 25,7 Prozent zu. Im November hatte die Rate noch 34,9 Prozent betragen. Zum Rückgang haben vor allem die Entlastungsmaßnahmen der deutschen Regierung beigetragen, die die Gas-Abschlagszahlungen für viele Bürger übernommen hatte.

Das Preisziel der Europäischen Zentralbank (EZB) von mittelfristig 2 Prozent wird nach wie vor klar überschritten. Auf ihrer letzten Sitzung im Dezember hat die Notenbank ihr Zinserhöhungstempo dennoch verlangsamt und die Leitzinsen nur noch um 0,5 Prozentpunkte angehoben. Zuvor hatte sie zweimal in Folge die Leitzinsen um 0,75 Punkte erhöht. Notenbankchefin Christine Lagarde (67) stellte jedoch weitere Erhöhungen in Aussicht. Das nächste EZB-Zinstreffen ist am 2. Februar.

mg/Reuters, dpa-afx
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