"Koffer voller Geld" EU-Politikerin Kaili legt offenbar Teilgeständnis ab

Im EU-Korruptionsskandal hat Eva Kaili Medienberichten zufolge ein Teilgeständnis abgelegt: Demnach soll sie zugegeben haben, dass sie von den Umtrieben des mutmaßlichen Drahtziehers Panzeri wusste.
Ihr Vater sollte das Geld verstecken: Die ehemalige Vizepräsidentin Eva Kaili ist eine der zentralen Figuren des Korruptionsskandals

Ihr Vater sollte das Geld verstecken: Die ehemalige Vizepräsidentin Eva Kaili ist eine der zentralen Figuren des Korruptionsskandals

Foto: Eric Vidal / AFP

Die ehemalige Vizepräsidentin des EU-Parlaments, Eva Kaili (44), hat sich im Zuge des Korruptionsskandals zu den Vorwürfen gegen sie geäußert – und einige Punkte eingeräumt. Das berichten die italienische Zeitung "La Repubblica" sowie die belgische Zeitung "Le Soir". Die griechische Europaabgeordnete ist eine der zentralen Figuren der Affäre. Sie sitzt derzeit in Belgien in Untersuchungshaft.

Kaili soll laut "La Repubblica" gegenüber dem belgischen Ermittlungsrichter Michel Claise zugegeben haben, dass sie von dem Korruptionsring rund um ihren Partner Francesco Giorgi und den italienischen Europaabgeordneten Antonio Panzeri (67) wusste. Sie habe Kenntnis von den "Aktivitäten" Panzeris gehabt. Zudem habe sie gewusst, dass in ihrer Wohnung "Koffer voller Geld" standen. Dies gab Kaili laut "Repubblica" zu Protokoll. "Le Soir" berichtet zudem, dass Kaili zugegeben haben soll, ihren Vater angewiesen zu haben, das Geld aus ihrer Wohnung zu verstecken.

"Repubblica" zitiert aus den Akten der belgischen Ermittler. Demnach soll Kaili nach Giorgis Verhaftung versucht haben, Panzeri und zwei weitere Europaabgeordnete vor den Ermittlungen zu warnen. Dies und die in der Wohnung gefundenen Banknoten sollen zu ihrer Festnahme geführt haben, rekonstruiert die Zeitung. Giorgi und Panzeri sitzen derzeit ebenfalls in Belgien in Untersuchungshaft.

Panzeris Frau vor Auslieferung

Ein Gericht in der norditalienischen Stadt Brescia gab unterdessen der Auslieferung von Panzeris Ehefrau Maria Dolores Colleoni (67) statt. Gegen die Frau liegt ein europäischer Haftbefehl vor. Die Strafverfolgung legt ihr Korruption, Geldwäsche und die Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung zur Last. Bislang saß sie zusammen mit ihrer Tochter im Hausarrest. Über die Auslieferung der Tochter will das Gericht am Dienstag entscheiden.

Laut der Nachrichtenagentur Ansa wollen die Verteidiger von Colleoni gegen die Entscheidung in Berufung gehen. Sie erklärten demnach vor der Verkündung, dass ihre Mandantin bei einer Auslieferung ins Gefängnis müsse und das eine Verschärfung der bisherigen Maßnahme, dem Hausarrest, darstelle. In diesem Zusammenhang sprachen sie davon, dass die "Europäische Menschenrechtskonvention verletzt werde". Panzeris Ehefrau sagte in der Verhandlung, über die Angelegenheiten ihres Mannes habe sie nichts gewusst.

600.000 Euro in bar bei Panzeri

Panzeri soll nach den Erkenntnissen der Ermittler eine zentrale Rolle in dem Korruptionsskandal spielen. In der Wohnung des 67 Jahre alten ehemaligen Europaabgeordneten wurden 600.000 Euro in bar gefunden, die bisher größte bei den Durchsuchungen entdeckte Summe. In internen Ermittlungsdokumenten, die dem Nachrichtenmagazin SPIEGEL vorliegen, wird Panzeri vorgeworfen, gegen Bezahlung nicht nur zugunsten Katars Europaabgeordnete beeinflusst zu haben – sondern auch zugunsten Marokkos.

Panzeris Frau und seine Tochter sollen demnach dabei geholfen haben, "Geschenke" zu transportieren, die ihnen vom Botschafter Marokkos in einem östlichen EU-Land übergeben worden seien.

sol/col/dpa
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