Energiekrise EU-Kommission rechnet mit Rekord-Inflation

Die Inflation in der Eurozone wird in diesem Jahr nach Berechnungen der EU-Kommission voraussichtlich auf einen neuen Höchststand steigen. Das Wachstum soll zunächst stabil bleiben, für 2023 korrigierte EU-Währungskommissar Gentiloni die Prognose allerdings deutlich nach unten.
EU-Währungskommissar Paolo Gentiloni: "Trotz einer vielversprechend angelaufenen Urlaubssaison im Sommer ist für die zweite Jahreshälfte nur mit einer gedämpften Wirtschaftsaktivität zu rechnen."

EU-Währungskommissar Paolo Gentiloni: "Trotz einer vielversprechend angelaufenen Urlaubssaison im Sommer ist für die zweite Jahreshälfte nur mit einer gedämpften Wirtschaftsaktivität zu rechnen."

Foto: JULIEN WARNAND / EPA

Angesichts der hohen Energiepreise rechnet die EU-Kommission im Euroraum in diesem Jahr mit einem historischen Inflations-Höchstwert. Im Jahresdurchschnitt wird die Teuerung voraussichtlich 7,6 Prozent erreichen, wie aus der Sommer-Konjunkturprognose der Brüsseler Behörde am Donnerstag hervorgeht. Bei ihrer Frühlingsprognose im Mai war die Kommission noch von 6,1 Prozent Inflation für die Euroländer ausgegangen.

In der gesamten Europäischen Union wird für 2022 eine Preissteigerung von 8,3 Prozent erwartet, zuvor waren es 6,8 Prozent. Im kommenden Jahr soll sich die Inflation etwa halbieren, bei durchschnittlichen 4 Prozent im Euroraum und 4,6 in der EU.

EU-Wirtschafts- und Währungskommissar Paolo Gentiloni (67) sieht die Folgen des Krieges vor den Toren der EU als Treiber der Entwicklung: "Russlands grundlose Invasion in der Ukraine sendet weiter Schockwellen durch die Weltwirtschaft." Dadurch würden die Energie- und Getreideversorgung durcheinandergebracht. In der Folge stiegen die Preise und das Vertrauen leide, betonte der Italiener.

In Europa habe das Hochfahren der Wirtschaft nach der Coronavirus-Pandemie zwar das Wachstum angekurbelt. Doch trotz einer vielversprechend angelaufenen Urlaubssaison im Sommer sei für die zweite Jahreshälfte nur mit einer gedämpften Wirtschaftsaktivität zu rechnen.

Trübe Aussichten für die kommenden Jahre

Beim Wirtschaftswachstum geht die EU-Kommission daher davon aus, dass die EU-Wirtschaft 2022 um 2,7 Prozent wachsen wird. Im Euroraum werden 2,6 Prozent Wachstum erwartet, eine leichte Anpassung verglichen mit den im Mai vorhergesagten 2,7 Prozent.

Für das nächste Jahr korrigierte die Kommission ihre Vorhersagen allerdings deutlich nach unten. Sie geht von 1,5 Prozent Wachstum in der gesamten EU und 1,4 Prozent im Euroraum aus. Im Mai sprachen die Ökonomen noch von 2,3 Prozent sowohl in der EU als auch in der Eurozone. Hintergrund ist unter anderem die Lage an den Energiemärkten.

Für Deutschland erwartet die EU-Kommission 2022 eine Teuerungsrate von 7,9 Prozent und für 2023 von 4,8 Prozent. Ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum schraubte sie zugleich für dieses Jahr auf 1,4 von 1,6 Prozent zurück. Für 2023 erwartet sie ein Plus in Deutschland von 1,3 (Frühjahrsprognose 2,4) Prozent.

mg/dpa-afx, Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.