Anleihen für 100 Milliarden Euro EU-Kommission will Corona-Hilfen mit "Social Bonds" finanzieren

Kommissionschefin Ursula von der Leyen kündigt zur Finanzierung der geplanten Kurzarbeiter-Darlehen an die Mitgliedstaaten ein neues Finanzinstrument an: Sozialanleihen über 100 Milliarden Euro.
Bereit für Neues: EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen.

Bereit für Neues: EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen.

Foto: YVES HERMAN / REUTERS

Zur Finanzierung des EU-Kurzarbeiterprogramms Sure will die EU-Kommission ab Mitte Oktober "Sozialanleihen" herausgeben. Das sind Papiere, bei denen Anleger sicher sein sollen, dass das eingenommene Geld für soziale Zwecke eingesetzt wird.

"Wir investieren nicht nur Milliarden von Euro, um Arbeitsplätze in Europa zu retten und die sozialen Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie abzumildern, sondern geben mit Blick auf dieses Ziel auch Sozialanleihen aus", erklärte Kommissionschefin Ursula von der Leyen (61) am Mittwoch. "Dadurch erhalten Investoren die Möglichkeit, einen Beitrag zu unseren Bemühungen zu leisten."

Das Programm Sure war im Frühjahr als Teil des Corona-Rettungspakets verabredet worden. Die EU-Kommission nimmt dafür bis zu 100 Milliarden Euro am Kapitalmarkt auf und gibt das Geld als günstige Kredite für Kurzarbeiterprogramme an EU-Staaten weiter. Inzwischen sind Anträge von 17 EU-Staaten bewilligt worden. Zuletzt wurden Ungarn 504 Millionen Euro zugesagt. 87,8 Milliarden der 100 Milliarden Euro sind damit verplant, wie die Kommission weiter mitteilte.

Das Modell der neuen Sozialanleihen richtet sich gezielt an Investoren, die sich im Zuge einer "Sustainable Finance"-Strategie an nachhaltigen Investitionskriterien orientieren. Diese ESG-Kriterien (Evironment, Social, Governance) bewegen derzeit die gesamte Finanzbranche. Insbesondere umweltorientierte Investments waren zuletzt stark im Kommen. So gab etwa die Bundesregierung kürzlich ihre erste grüne Staatsanleihe aus, auch andere Institutionen und Unternehmen legten "Green Bonds" auf. Mit den neuen "Social Bonds" wird nun gezielt das immer bedeutender werdende Sozialkriterium adressiert. Ziel der EU-Kommission ist es unter anderem, Europa auch hier führend zu positionieren. "Mit der Entscheidung, die Sure-Anleihen als Sozialanleihen auszugeben, werden die Weichen auf dem globalen Markt für Sozialanleihen neu gestellt", freute sich daher auch Johannes Hahn (62), EU-Kommissar für Haushalt und Verwaltung, erklärte: 

lhy/dpa
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