Mittwoch, 23. Oktober 2019

Wohnort vor Nationalität bei europäischen Erbfällen Warum ein paar Monate im Ausland das Erbe gefährden

Von der neuen EU-Erbrechtsverordnung ist potenziell jeder betroffen, der sich über längere Zeit in einem Land aufhält, dessen Staatsangehörigkeit er nicht besitzt. Dazu gehören zum Beispiel Expatriates oder Auswandererfamilien, aber auch Rentner oder wohlhabende Frühruheständler, die dem kalten Winter in ihrer Heimat entfliehen.
image / Westend61
Von der neuen EU-Erbrechtsverordnung ist potenziell jeder betroffen, der sich über längere Zeit in einem Land aufhält, dessen Staatsangehörigkeit er nicht besitzt. Dazu gehören zum Beispiel Expatriates oder Auswandererfamilien, aber auch Rentner oder wohlhabende Frühruheständler, die dem kalten Winter in ihrer Heimat entfliehen.

Erben und Sterben - für die meisten ein heikles, teilweise sogar tabuisiertes Thema. Umso wichtiger ist es, sich frühzeitig mit der eigenen Vermögensnachfolgeplanung zu beschäftigen. Die neue EU-Erbrechtsverordnung, welche für Erbfälle ab dem 17. August 2015 gilt, soll das internationale Erben und Vererben einfacher machen.

Früher wurde in Deutschland die Frage nach dem Recht bei internationalen Erbfällen nach dem Staatsangehörigkeitsprinzip beantwortet. Es war also gleichgültig, ob Deutsche in ihrer Heimat oder im Ausland lebten - sie wurden stets nach deutschem Recht beerbt. Künftig wird aber nicht mehr relevant sein, welche Staatsangehörigkeit der Erblasser hatte oder wo sein Nachlass belegen ist.

Angeknüpft wird nur an den letzten gewöhnlichen Aufenthalt. Ist dieser zum Todeszeitpunkt nicht im eigenen Heimatland, wird nach fremdem Erbrecht beerbt. Ein deutscher Rentner mit einer Immobilie in Italien und weiterem Vermögen in seiner Heimatstadt Berlin, der seinen Ruhestand aber in der Toskana verbringt und dort verstirbt, würde dann nach italienischem Erbrecht beerbt werden.

Potenziell ist jeder betroffen, der sich über längere Zeit in einem Land aufhält, dessen Staatsangehörigkeit er nicht besitzt. Dazu gehören eben auch nicht nur Auswandererfamilien, Rentner oder wohlhabende Frühruheständler, die dem kalten deutschen Winter entkommen und längere Zeit des Jahres zum Beispiel in Italien oder Spanien verbringen.

Auch für deutsche inhabergeführte Unternehmen und Arbeitnehmer, die jobbedingt ins Ausland entsendet werden, bringt die neue europaweite Regelung weitreichende Konsequenzen.

Andere Länder, andere Erbschafts-Sitten

Die Verordnung kommt in allen EU-Ländern außer Dänemark, Irland und Großbritannien zur Anwendung und betrifft letztendlich auch Drittstaaten, wie China, USA oder Thailand.

Dass diese Tatsache zahlreiche unliebsame Überraschungen mit sich bringt, ist vielen gar nicht bewusst. Ein ausländisches Erbrecht kann erhebliche Unterschiede zum deutschen Erbrecht aufweisen. Hier zu nennen wären zum Beispiel Aspekte wie erbberechtigte Personen, Erbquoten, mögliche Enterbungen, Pflichtteile oder Noterbrechte. Erbverträge oder das gemeinschaftliche Ehegattentestament, wie man es aus Deutschland kennt, sind in den romanischen Rechtsordnungen wie beispielsweise in Italien, Spanien oder Frankreich nicht zulässig.

In Spanien ist es zudem möglich, dass die gemeinsamen Kinder als Alleinerben bestimmt werden und der Ehepartner bloß ein Nießbrauchsrecht, also ein Nutzungsrecht für die gemeinsam genutzte Wohnung bekommt. In Italien ist es sogar möglich, sich als Pflichtteilsberechtigter in eine Erbengemeinschaft einzuklagen.

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