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Emmanuel Macron: Dieser Mann ist Favorit auf Frankreichs Präsidentenamt

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Reaktionen der Wirtschaft "Achse Paris-Berlin kann wieder zu einem starken Motor werden"

Der Einzug des Euro-Unterstützers Emmanuel Macron in die Stichwahl hat das Albtraum-Szenario einer möglichen Entscheidung zwischen den beiden Euro-Gegnern Le Pen und dem Mélenchon verhindert. Investoren und Ökonomen zeigen sich erleichtert, wollen aber nicht volle Entwarnung geben.

Der Linksliberale Emmanuel Macron habe die "Pole Position" für die Stichwahl am 7. Mai, erklärte Berenberg-Chefvolkswirt Holger Schmieding. Sollte der ehemalige Wirtschaftsminister Frankreichs tatsächlich Präsident werden, dann hätte die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone gute Chancen zur Umsetzung von Reformen und für eine bessere ökonomische Entwicklung. Investoren in Frankreich und Deutschland jedenfalls zeigten sich erleichtert, Dax und CAC-40 zogen am Motnag kräftig an.

Der entscheidende zweite Wahlgang biete eine ungewöhnlich klare Wahlmöglichkeit zwischen "Hoffnung, Optimismus und Reformen" auf der einen Seite und einer "Botschaft des Verdrusses" auf der anderen Seite, sagte Schmieding weiter. Der vergleichsweise junge Politiker habe den notwendigen Mut und die Standfestigkeit, die Reformen auch in die Tat umzusetzen.

Holger Schmieding: Mit Macron lassen sich Reformen umsetzen

Profitieren dürfte Macron dabei von der zuletzt günstigen konjunkturellen Entwicklung, sagte Schmieding. Eine Reihe von positiven Stimmungsumfragen in den Unternehmen des Landes deuten seiner Einschätzung nach auf einen breiten Aufschwung hin, der nach dem Ende der politischen Unsicherheiten an Dynamik gewinnen könnte.

Auch wenn die jüngsten Umfragen einen Wahlerfolg von Le Pen in der Stichwahl eher unwahrscheinlich erscheinen lassen, wollte Schmieding einen Sieg der Rechtspopulistin nicht gänzlich ausschließen. Aber selbst unter einer Präsidentin Le Pen dürfte der angestrebte Austritt Frankreichs aus der Europäischen Union oder der Eurozone kein Selbstläufer sein. Hierfür müsste Le Pen auch die Parlamentswahlen gewinnen, und dies dürfte für ihre Partei, dem Front National, eine "unüberwindbare Hürde" sein.

Clemens Fuest: Macron wird bessere Investitionsbedingungen schaffen

Ifo-Chef Clemens Fuest sieht in dem Wahlausgang eine mögliche "Wende zum Besseren" für Frankreichs Wirtschaftspolitik. Macron werde seiner Einschätzung nach den Staatssektor in der französischen Wirtschaft verkleinern und bessere Bedingungen für Investitionen und Beschäftigung schaffen, zeigte sich der Präsident des Ifo-Instituts für Wirtschaftsforschung am Montag überzeugt.

"Ob er diese Reformen umsetzen kann, wird davon abhängen, ob es ihm gelingt, auch die Parlamentswahlen zu gewinnen." Für Europa habe Macrons Sieg eine Katastrophe verhindert. Dennoch sei beunruhigend, dass mehr als 40 Prozent der Franzosen radikale und europafeindliche Kandidaten gewählt hätten.

Michael Hüther: Die zweite Runde muss erst noch gewonnen werden

Auch der Wirtschaftsforscher Michael Hüther sieht im Wahlausgang in Frankreich ermutigende Signale für Europa. "Die Achse Paris-Berlin kann wieder zu einem starken Motor werden. So ist das Schlimmste erst einmal verhindert worden", erklärte der Direktor des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln.

"Freilich: die zweite Runde in 14 Tagen muss erst noch gewonnen werden", hob Hüther hervor. "Und dann beginnt die Arbeit in einem wirtschaftsstrukturell schwach aufgestellten Land." Dabei werde Deutschland eine wichtige Rolle der Kooperation zukommen.

Jörg Krämer: "Macron ist kein echter Reformer"

Für den Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, hat der Sieg Macrons auch einen "faden Beigeschmack". Zwar sei das Horrorszenario einer Stichwahl zwischen der Rechtsaußen-Kandidatin Marine Le Pen und dem Linksaußen Jean-Luc Mélenchon abgewendet. Doch: "Macron ist kein echter Reformer: Seine Politik wird das Problem der bedrückend hohen Arbeitslosigkeit allenfalls lindern, aber nicht lösen", argumentierte Krämer.

Zudem hätten 41 Prozent der Franzosen für die radikalen Kandidaten Le Pen und Mélenchon gestimmt. "Die starke Stellung der Establishment-Gegner in Frankreich und vielen anderen europäischen Ländern bedroht nach wie vor die Existenz der Währungsunion, für die Deutschland und die südlichen Länder keine gemeinsame Vision haben", warnte Krämer.

rei/dpa/Reuters
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