Subventionen für Plug-in-Hybride Warum Holland grün angemalten Spritschluckern 7000 Euro schenkt

Mitsubishi Outlander PHEV (hier in Japan, mit Londons Bürgermeister am Steuer): Das Lieblings-Ökoauto der Niederländer ist gar nicht so grün

Mitsubishi Outlander PHEV (hier in Japan, mit Londons Bürgermeister am Steuer): Das Lieblings-Ökoauto der Niederländer ist gar nicht so grün

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Wenn Sigmar Gabriel nach einem Erfolgsbeispiel für die geplante Subvention von Elektroautos sucht, reicht ein Blick ins Nachbarland. Das Beispiel der Niederlande dürfte ihm allerdings auch vermitteln, wie einen der eigene Erfolg überrollen kann.

Wie die deutsche, hat auch die niederländische Regierung sich ein ambitioniertes Ziel für den Markterfolg strombetriebener Vehikel gesetzt - mit zwei wesentlichen Unterschieden.

Erstens ist Den Haag deutlich ambitionierter als Berlin. Eine Million Elektroautos wollen beide auf ihren Straßen sehen, die Deutschen bis 2020, die Niederländer bis 2025. Die Zahl sollte man allerdings ins Verhältnis zur Größe der Länder setzen: Der deutsche Automarkt übertrifft den niederländischen um den Faktor fünf.

Last-Minute-Boom vor dem neuen Steuerrecht

Zweitens hinken die Deutschen ihrem Ziel hoffnungslos hinterher, während die Niederländer ihrem weit voraus sind. Laut Plan sollten bis 2015 gut 15.000 Elektroautos auf den Poldern unterwegs sein. Diese Zahl wurde im Dezember erreicht - allerdings an Neuzulassungen allein in diesem Monat. Der Marktanteil betrug 23 Prozent. Verhältnisse wie in Norwegen, wo der Staat die Käufer der Fahrzeuge heftig bezuschusst.

Bezogen auf das Gesamtjahr sind die gut 43.000 verkauften Elektroautos und Plug-in-Hybride immer noch stolze 9,6 Prozent. Zum Vergleich: In Deutschland waren es gut halb so viele, Marktanteil 0,7 Prozent.

Ein wesentlicher Grund liegt in den auch zwischen Maastricht und Wattenmeer üppigen Subventionen. Einen Teil davon hat der Staat zum Jahreswechsel gerade zurückgenommen, nicht nur wegen der aufgelaufenen Kosten. Deshalb gab es auch den Last-Minute-Boom bei den Bestellungen (ähnlich wie in Dänemark), kurz bevor die neuen Regeln in diesem Jahr in Kraft traten.

Der Verdacht des Missbrauchs schwingt mit

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Die Bestseller in und um Amsterdam sind bislang gar nicht reine, batteriebetriebene Elektroautos wie das Tesla Model S oder der BMW i3. Vielmehr führen Plug-in-Hybride wie der Geländewagen Mitsubishi Outlander, der VW Golf GTE oder der Volvo V60 die Verkaufslisten an.

Der Verdacht des Missbrauchs schwingt mit. Viele Besitzer nutzten ihre Plug-in-Wagen gar nicht im Strombetrieb, sondern tankten ganz herkömmlich Benzin oder Diesel, erklärte BMW-Marketingmanager Rene de Heij gegenüber "Automotive News Europe". Auch seine Firma versuchte mit einer Plug-in-Version des Riesen-SUV X5, "so viel zu verkaufen, wie es geht" - das grüne Vorzeigeauto i3 hatte das Nachsehen.

Die nun vorgenommene Korrektur betrifft die Besteuerung von Firmenwagen. Wer solche Autos privat nutzt, muss ein Viertel des Bruttolistenpreises als geldwerten Vorteil angeben. Elektroautos bekommen einen Rabatt: Sie werden mit nur 4 Prozent versteuert.

Für Plug-in-Hybride galten je nach CO2-Emissionen bisher Sätze von 7 oder 14 Prozent. Wer den Höchststeuersatz zahlt, kann so jährlich 6000 bis 7000 Euro sparen - und muss noch nicht einmal unbedingt seine Gewohnheiten aus der Verbrennungsmotorenzeit ändern.

Wie die Niederländer den Elektroautos noch auf die Straße helfen

Seit dem Jahreswechsel wurden die Steuersätze auf 14 und 21 Prozent angehoben. Es ist bereits die zweite Rücknahme der Vorzugsbehandlung. Bis 2013 konnten Elektroautos (einschließlich Plug-in-Hybriden) als Firmenwagen komplett steuerfrei angemeldet werden. Auch damals gab es eine Last-Minute-Welle vorgezogener Käufe, um noch die alten Vorteile mitzunehmen. Inzwischen aber ist der niederländische Elektroautomarkt auf ein ganz anderes Niveau katapultiert worden.

Der genannte Steuerrabatt ist nicht die einzige staatliche Kaufhilfe. Taxis oder Lieferwagen werden direkt beim Kauf bezuschusst, in einigen Metropolregionen mit den von Gabriel für Deutschland angedachten 5000 Euro - was teilweise von den Gemeinden oder Provinzen noch um ähnliche Beträge aufgestockt wird.

Besonders wirksam ist in der Stadt Amsterdam die freie Nutzung der (sonst fast unmöglich zu findenden oder extrem teuren) Parkplätze an den zahlreichen Ladesäulen für Stromfahrzeuge. Wer dort steht, nutzt dann allerdings auch den Strom und braucht sein grün etikettiertes Auto nicht mehr mit Benzin zu betanken.


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