Freitag, 19. April 2019

Subventionen für Plug-in-Hybride Warum Holland grün angemalten Spritschluckern 7000 Euro schenkt

Mitsubishi Outlander PHEV (hier in Japan, mit Londons Bürgermeister am Steuer): Das Lieblings-Ökoauto der Niederländer ist gar nicht so grün

2. Teil: Der Verdacht des Missbrauchs schwingt mit

Die Bestseller in und um Amsterdam sind bislang gar nicht reine, batteriebetriebene Elektroautos wie das Tesla Model S oder der BMW i3. Vielmehr führen Plug-in-Hybride wie der Geländewagen Mitsubishi Outlander, der VW Golf GTE oder der Volvo V60 die Verkaufslisten an.

Der Verdacht des Missbrauchs schwingt mit. Viele Besitzer nutzten ihre Plug-in-Wagen gar nicht im Strombetrieb, sondern tankten ganz herkömmlich Benzin oder Diesel, erklärte BMW-Marketingmanager Rene de Heij gegenüber "Automotive News Europe". Auch seine Firma versuchte mit einer Plug-in-Version des Riesen-SUV X5, "so viel zu verkaufen, wie es geht" - das grüne Vorzeigeauto i3 hatte das Nachsehen.

Die nun vorgenommene Korrektur betrifft die Besteuerung von Firmenwagen. Wer solche Autos privat nutzt, muss ein Viertel des Bruttolistenpreises als geldwerten Vorteil angeben. Elektroautos bekommen einen Rabatt: Sie werden mit nur 4 Prozent versteuert.

Für Plug-in-Hybride galten je nach CO2-Emissionen bisher Sätze von 7 oder 14 Prozent. Wer den Höchststeuersatz zahlt, kann so jährlich 6000 bis 7000 Euro sparen - und muss noch nicht einmal unbedingt seine Gewohnheiten aus der Verbrennungsmotorenzeit ändern.

Wie die Niederländer den Elektroautos noch auf die Straße helfen

Seit dem Jahreswechsel wurden die Steuersätze auf 14 und 21 Prozent angehoben. Es ist bereits die zweite Rücknahme der Vorzugsbehandlung. Bis 2013 konnten Elektroautos (einschließlich Plug-in-Hybriden) als Firmenwagen komplett steuerfrei angemeldet werden. Auch damals gab es eine Last-Minute-Welle vorgezogener Käufe, um noch die alten Vorteile mitzunehmen. Inzwischen aber ist der niederländische Elektroautomarkt auf ein ganz anderes Niveau katapultiert worden.

Der genannte Steuerrabatt ist nicht die einzige staatliche Kaufhilfe. Taxis oder Lieferwagen werden direkt beim Kauf bezuschusst, in einigen Metropolregionen mit den von Gabriel für Deutschland angedachten 5000 Euro - was teilweise von den Gemeinden oder Provinzen noch um ähnliche Beträge aufgestockt wird.

Besonders wirksam ist in der Stadt Amsterdam die freie Nutzung der (sonst fast unmöglich zu findenden oder extrem teuren) Parkplätze an den zahlreichen Ladesäulen für Stromfahrzeuge. Wer dort steht, nutzt dann allerdings auch den Strom und braucht sein grün etikettiertes Auto nicht mehr mit Benzin zu betanken.


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