Konjunktur EZB erwartet kräftiges Lohnwachstum

Angesichts der hohen Inflation und der weitgehend robusten Arbeitsmärkte warnt EZB-Chefin Christine Lagarde vor einem rasanten Wachstum der Löhne. Gleichzeitig rechnet die Notenbankerin aber auch damit, dass die erwartete Konjunkturabkühlung diesen Effekt langfristig wieder dämpfen wird.
"Inflation nicht weiter anheizen": EZB-Präsidentin Christine Lagarde

"Inflation nicht weiter anheizen": EZB-Präsidentin Christine Lagarde

Foto: Hannes P Albert / dpa

Die Europäische Zentralbank (EZB) rechnet für die kommenden Quartale mit einem sehr starken Lohnwachstum im Euroraum. Dies spiegele robuste Arbeitsmärkte wider, die die Abkühlung der Wirtschaft bislang gut verkraftet hätten, teilte die EZB am Montag in einem vorab veröffentlichten Artikel aus ihrem "Economic Bulletin" mit.

Auch höhere Mindestlöhne und ein allgemeiner Aufholprozess der Löhne mit Blick auf die hohe Inflation trügen dazu bei. Über die nahe Zukunft hinaus würden allerdings die erwartete Konjunkturabschwächung und entsprechende Unsicherheiten hinsichtlich der wirtschaftlichen Perspektiven Abwärtsdruck auf die Löhne ausüben.

Trotz der Rezessionssorgen hält sich der Arbeitsmarkt im Euroraum gut. Die Arbeitslosenquote verharrte nach Angaben der Statistikbehörde Eurostat im November auf dem Vormonatswert von 6,5 Prozent. EZB-Präsidentin Christine Lagarde (67) hatte kürzlich in einem Interview mit der kroatischen Zeitung "Jutarnji list" auf ein kräftiges Lohnwachstum im Euroraum hingewiesen. "Wir wissen, dass die Löhne steigen, wahrscheinlich schneller als erwartet, aber wir müssen aufpassen, dass sie nicht anfangen, die Inflation anzuheizen", warnte sie.

Die rasant gestiegenen Preise zehren kräftig an den Realeinkommen. Die Lohnforderungen der Gewerkschaften waren deshalb zum Teil deutlich gestiegen. Das hatte Befürchtungen genährt, dass die hohe Inflation anhalten könnte, sollte es zu dauerhaft hohen Lohnanpassungen kommen.

Gewerkschaften unter Druck

In dem Artikel wies die EZB allerdings darauf hin, dass die Konjunkturabkühlung wahrscheinlich dafür sorgen wird, dass das Lohnwachstum nicht aus dem Ruder läuft. Zwar seien die Reallöhne inzwischen im Vergleich zur Zeit von vor der Corona-Pandemie erheblich gesunken. Dies könne die Gewerkschaften unter Druck setzen, in den kommenden Tarifrunden stärkere Lohnanstiege zu verlangen.

Der Kaufkraftverlust sei aber nur ein Faktor, der sich auf die Lohnforderungen der Gewerkschaften auswirke. "Die angespannte Lage auf dem Arbeitsmarkt und die aktuelle Wirtschaftslage dürften ebenfalls eine zentrale Rolle spielen", heißt es in dem Bericht.

hr/reuters
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