Alischer Usmanow Oligarchen-Yacht "Dilbar" in Bremen durchsucht

Knapp eine Woche nach der Razzia bei Alischer Usmanow am Tegernsee haben Ermittler in Norddeutschland die seit dem Frühjahr blockierte Luxusyacht des russischen Oligarchen durchsucht. Zuvor war die "Dilbar" von Hamburg nach Bremen verlegt worden.
Neuer Standort: Die Superyacht "Dilbar" liegt mittlerweile in der Lürssen Werft in Bremen

Neuer Standort: Die Superyacht "Dilbar" liegt mittlerweile in der Lürssen Werft in Bremen

Foto: Jörn Hüneke / dpa

Die deutschen Strafverfolgungsbehörden setzen ihre Ermittlungen gegen den russischen Oligarchen Alischer Usmanow wegen angeblicher Geldwäsche und Steuerhinterziehung fort. Am Dienstag wurde die Motoryacht des 69-Jährigen durchsucht, die derzeit in Bremen liegt. Die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt nannte in ihrer Mitteilung keinen Namen und sprach nur von einem "69-jährigen Unternehmer aus der Russischen Föderation". Es handle sich aber um den gleichen Fall, bei dem in der vergangenen Woche mehrere Villen im Nobel-Ferienort Rottach-Egern am bayerischen Tegernsee durchsucht worden waren. Sie werden Usmanow zugerechnet. Er bestreitet die Vorwürfe.

Mehr als 60 Beamte der Generalstaatsanwaltschaft, des Bundeskriminalamts und – in Amtshilfe – der Bundesmarine nahmen die Yacht unter die Lupe. Der Einsatz in Bremen beruhe auch auf einem Rechtshilfeersuchen des US-Justizministeriums, erklärte die Frankfurter Behörde. Die 156 Meter lange Yacht "Dilbar" gehört laut den Behörden Usmanows Schwester und unterliegt auch den Sanktionen gegen russische Oligarchen im Zuge des Ukraine-Kriegs. Medienberichten zufolge ist sie mehr als eine halbe Milliarde Euro wert. Sie lag lange im Hamburger Hafen, im Dock der Reederei Blohm + Voss. In der vergangenen Woche wurde sie aber nach Bremen geschleppt, weil die Reederei Platz brauchte.

Usmanow soll über Steueroasen Millionenbeträge verschoben haben

Die Behörden werfen Usmanow vor, über ein Firmen-Netzwerk in Steuerparadiesen mehrstellige Millionenbeträge verschoben zu haben. Es bestehe der Verdacht, dass das Geld aus Straftaten, vor allem aus Steuerhinterziehungsdelikten, stamme, hieß es in der Erklärung der Generalstaatsanwaltschaft und des BKA. Laut dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" geht es um 555 Millionen Euro. Usmanow hat mit einem Firmenimperium vor allem in der Metall- und Stahlindustrie ein Vermögen gemacht. 2018 hat er seinen Anteil am englischen Fußballclub Arsenal London für rund 600 Millionen Euro verkauft.

Ein Sprecher Usmanows wies die Vorwürfe gegen den Oligarchen noch vor der Razzia auf der Yacht zurück. "Diese Nachforschungen haben den Charakter politischer Verfolgung", hieß es in einer schriftlichen Stellungnahme. Gegen Usmanow würden "grundlose und verleumderische Anschuldigungen gemacht", obwohl er stets auf die Integrität und Transparenz seines Vermögens und bei Steuerzahlungen auf Gründlichkeit und Genauigkeit geachtet habe. Die Staatsanwaltschaft stütze sich auf falsche Angaben und gefälschte Dokumente von Opportunisten und Erpressern. Er habe nie versucht, Sanktionen zu umgehen.

In der Stellungnahme hieß es, das Haus am Tegernsee gehöre nicht ihm, sondern einer Familien-Treuhand, von der er es zum Marktpreis gemietet habe. Usmanow sei in Deutschland nie steuerpflichtig gewesen. Die wertvollen Faberge-Eier, die die Ermittler in dem Haus gefunden hatten, seien keine Originale, sondern Souvenirs im Wert von einigen tausend Euro, die er in München für Freunde und Verwandte in Usbekistan gekauft habe.

hr/reuters

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