Dienstag, 25. Juni 2019

Spieltheorie Wie die irre Strategie von Varoufakis aufgehen könnte

Souveränes Verhandeln ist, wenn man trotzdem lacht: Griechenlands Finanzminister Varoufakis (r.) mit IWF-Chefin Christine Lagarde und Euro-Gruppen-Chef Jeroen Dijsselbloem auf der Finanzministersitzung am Mittwoch

3. Teil: Schäuble spielt wohl eher das "Chicken Game"

Die britische Finanzbloggerin Frances Coppola hat daraufhin einen alten Tweet Varoufakis' ausgegraben, der schon im Juni 2014 einen Stopp der Finanzierung griechischer Banken durch die Europäische Zentralbank nach zyprischem Vorbild als "leere Drohung" beschrieben hatte. "Macht doch", würde die Antwort von griechischer Seite lauten - in der Hoffnung, dass die EZB das nicht wagen würde.

Deshalb deutet Coppola die jüngste Restriktion der EZB gegen griechische Anleihen als "Spiel in die Hände von Varoufakis. Es ist, als würde ein Schachspieler absichtlich genau die Strategie wählen, die sein Gegner ein halbes Jahr zuvor in einem Schachmagazin beschrieben hat." EZB-Präsident Mario Draghi wolle eher den Druck auf Deutschland erhöhen, einen Kompromiss mit den Griechen zur Rettung des Euro einzugehen. Denn mit der Aussicht auf einen Bankenkollaps im Land würden diejenigen, die Verhandlungen verweigern, international geächtet.

Auch der US-Wirtschaftsprofessor James Galbraith, an der Universität von Texas in Austin kürzlich noch Varoufakis' Kollege, stützt diese Version. "Welchen Hebel hat Griechenland? Keinen großen. Die schweren Waffen stehen auf der anderen Seite", schreibt er auf der Seite der "Deutschen Welle". Doch da die Griechen mit nichts mehr drohen könnten, wäre es "die richtige und moralische Geste der anderen Seite, ihre Keulen wegzuwerfen".

Je näher die verschiedenen Ultimaten rücken und je enger es um die griechischen Finanzen steht, desto weniger hat Griechenland in der Hand. Sogar das Fehlen eines Papiers auf der Euro-Gruppen-Sitzung könnte dafür symbolisch sein: Die griechische Regierung hat schon all ihre Vorschläge offenbart, jetzt ist es an Schäuble und Co., darauf einzugehen - oder als die Bösen in die Geschichte einzugehen, die Griechenland und am Ende vielleicht der Euro-Zone den Saft abgedreht haben.

Die Strategie steht und fällt allerdings damit, ob die das Spiel genauso wahrnehmen. Schäuble beharrt bisher darauf, für Griechenland gebe es "das Programm" zu den bisherigen Bedingungen oder eben keins. Kompromissbereitschaft: null. Schäuble spielt wohl eher das "Chicken Game", das Varoufakis nicht will.

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