Skifahren nur für Einheimische Österreich macht dicht für Touristen aus Risikogebieten

Die Skigebiete in Österreich dürfen ab Weihnachten öffnen, müssen aber ohne Touristen auskommen. Die Regierung, die sich bislang gegen eine europaweite Schließung wehrte, verschreibt sich nun selbst der Corona-Abwehr.
Verlassen: Skistation auf dem Stubaier Gletscher in Tirol

Verlassen: Skistation auf dem Stubaier Gletscher in Tirol

Foto: Jan Hetfleisch / Getty Images

Österreich verhängt für alle Einreisenden aus Corona-Risikogebieten vom 7. Dezember bis zum 10. Januar eine zehntägige Quarantänepflicht. Ziel sei es, den Tourismus weitgehend einzudämmen, teilte die Regierung am Mittwoch in Wien mit. Österreich setze auf ein konsequentes Grenzregime, damit das Virus nicht durch Rückkehrer oder Touristen ins Land getragen werde, sagte Kanzler Sebastian Kurz (34) am Mittwoch in Wien.

Der Schwellenwert seien mehr als 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen 14 Tagen. Das gelte praktisch für alle Nachbarstaaten und speziell auch für den Westbalkan, hieß es. Laut der Übersicht der europäischen Seuchenschutzbehörde ECDC  vom 2. Dezember fallen aktuell nur Irland und Island nicht unter diese Definition eines Risikogebiets. Deutschland (302,9 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner) überschreitet den Grenzwert deutlich, Österreich selbst (796,2) bei Weitem.

Alle Gaststätten und Hotels in Österreich müssen bis zum 7. Januar geschlossen bleiben. Es werde wirtschaftliche Entschädigungen geben, sagte Kurz. Die Lifte in den Skigebieten dürfen ab dem 24. Dezember öffnen - und können somit im Wesentlichen von Einheimischen genutzt werden.

In den vergangenen Wochen hatte die österreichische Regierung vehement gegen Vorstöße aus Deutschland und Italien gekämpft, europaweit die Skigebiete zu schließen. Frankreichs Premierminister Jean Castex (55) erklärte am Mittwoch, sein Land werde Grenzkontrollen einführen, um die Ausreise von Bürgern zum Skiurlaub anderswo zu verhindern. Französische Skigebiete dürften in diesem Monat definitiv nicht öffnen. Spanien und die nicht zur EU gehörende Schweiz wollen nach bisherigem Stand den Betrieb erlauben. Österreich ist wirtschaftlich besonders abhängig vom Wintertourismus, hauptsächlich aus Deutschland.

Geschäfte und Schulen öffnen in der kommenden Woche wieder

In Österreich soll am 6. Dezember der aktuelle Lockdown enden. Dann dürfen die Geschäfte und die Museen wieder öffnen. Auch die Pflichtschulen werden wieder geöffnet. Ausgangsbeschränkungen bestehen danach noch zwischen 20 Uhr und 6 Uhr.

"Die sinkenden Zahlen sind ein Erfolg, aber kein Grund zur Entwarnung", sagte Kanzler Kurz. Eine Überlastung des Gesundheitssystems sei bisher verhindert worden. Er rief die Bürger auf, sich an den bevorstehenden Massentests zu beteiligen. In Wien, Tirol und Vorarlberg können sich die Menschen ab Freitag testen lassen. Danach folgen weitere Bundesländer. Die Experten hoffen, dass sich mehrere Millionen Menschen beteiligen, um so die Infektionsketten zu unterbrechen.

In Österreich ist aufgrund des Lockdowns die Zahl der Neuinfektionen deutlich zurückgegangen. Allerdings ist der Abwärtstrend weniger stark als erhofft. Am Mittwoch wurden 3972 Neuinfektionen binnen eines Tages verzeichnet. Bezogen auf die Einwohnerzahl ist dieser Wert um ein Mehrfaches höher als in Deutschland.

ak/dpa-afx
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