Grünes Licht von EU-Kommission Biontech-Impfstoff in Europa zugelassen

Die EU-Kommission lässt den Coronavirus-Impfstoff von Biontech und Pfizer zu. Damit ist der Weg für Impfungen ab dem 27. Dezember in Deutschland frei.
Begehrtes Vakzin: Europa wartet sehnsüchtig auf den Impfstoff

Begehrtes Vakzin: Europa wartet sehnsüchtig auf den Impfstoff

Foto: DEBBIE HILL / imago images/UPI Photo

Freie Bahn für den Covid-19-Impfstoff von Biontech und Pfizer in der Europäischen Union: Am Montagabend erteilte die Europäische Kommission die finale Genehmigung. Zuvor hatte bereits der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der europäischen Arzneimittelbehörde EMA eine bedingte Zulassung des Impfstoffs für Personen ab 16 Jahren empfohlen. Mit Impfungen in der Europäischen Union könnte nun in wenigen Tagen begonnen werden. Es ist der erste dort zugelassene Covid-19-Impfstoff.

Die europäische Arzneimittelbehörde EMA rechnet damit, dass der Covid-19-Impfstoff von Biontech und Pfizer auch gegen die neu aufgetretene Coronavirus-Variante wirksam ist. "Zu diesem Zeitpunkt gibt es keinen Beweis für die Annahme, dass der Impfstoff nicht gegen die neue Variante wirken könnte", sagte EMA-Direktorin Emer Cooke am Montag in Amsterdam. Über die neue Virusvariante müssten aber noch mehr Informationen gesammelt werden.

Die EU-Behörde hatte zuvor die bedingte Marktzulassung des Impfstoffes in der EU empfohlen. Das sei ein großer Schritt, sagte die Direktorin, warnte aber: "Wir haben noch nicht den Wendepunkt der Pandemie erreicht."

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (62) hatte gleich nach dem EMA-Votum eine Zulassung noch für den Abend in Aussicht gestellt. "Nun werden wir schnell handeln", schrieb sie auf Twitter. Dies sei ein entscheidender Moment in den Bemühungen, sichere und wirksame Impfstoffe an die Europäer zu liefern.

13 Staaten waren schneller

In Europa hatte Großbritannien dem Vakzin Anfang Dezember eine Notfallgenehmigung erteilt und inzwischen auch mit Impfungen begonnen. In der Schweiz erhielt das Mittel am Samstag eine bedingte Marktzulassung. Außerhalb Europas haben schon die USA und Kanada mit Massenimpfungen begonnen.

Auch Mexiko, Costa Rica, Panama, Chile, Saudi-Arabien, Bahrain, Kuwait, die Vereinigten Arabischen Emirate und Singapur hatten die Genehmigung schneller erteilt als die EU. Mehrere Politiker wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (40, CDU) machten Druck für mehr Tempo: Ein in Deutschland, auch mit Staatsgeld, erfolgreich entwickelter Impfstoff müsse hier auch schnell zur Verfügung stehen.

In Deutschland müssen die Impfchargen nach Angaben von Spahn noch vom zuständigen Paul-Ehrlich-Institut geprüft, freigegeben und schließlich ausgeliefert werden. Am 26. Dezember werde die erste Lieferung von 151.125 Impfdosen erwartet, teilte die Berliner Gesundheitsverwaltung am Montag nach der Gesundheitsministerkonferenz mit. Laut Mitteilung sollen am 28. Dezember weitere 521.625 Impfdosen geliefert werden, am 30. Dezember dann 672.750.

Die ersten Impfungen sollen am 27. Dezember erfolgen, bestätigte Spahn am Montag. Dann sollen zunächst die über 80-Jährigen, Personal und Bewohner von Pflegeheimen sowie auch Gesundheitspersonal mit sehr hohem Infektionsrisiko geimpft werden. Der Bundesgesundheitsminister bezeichnete die bevorstehende Zulassung des Corona-Impfstoffs als "Meilenstein" in der Pandemiebekämpfung. "Impfen ebnet uns den Weg aus der Krise. Und wir tun alles dafür, diesen Weg so schnell wie möglich zu gehen", sagte der Minister.

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Diese Impfstoffprojekte gegen Covid-19 sind am weitesten

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Die Europäische Union hat sich von Biontech und Pfizer bis zu 300 Millionen Dosen gesichert. Noch in diesem Jahr wollen die beiden Partner bis zu 50 Millionen Impfdosen liefern, im kommenden Jahr bis zu 1,3 Milliarden. Anfang November hatten Biontech und Pfizer als weltweit erste Firmen positive Ergebnisse aus der zulassungsrelevanten Studie mit einem Corona-Impfstoff verkündet. Danach wurde durch die Impfung ein Schutz von 95 Prozent vor Covid-19 erzielt. Empfohlen ist der Impfstoff für Personen ab 16 Jahren.

Hersteller müssen auch weiter Daten an die EMA übermitteln

Die Experten der EMA hatten bereits seit Wochen die Daten und Resultate der klinischen Tests der Hersteller geprüft. Bei einer bedingten Zulassung ist der Hersteller verpflichtet, auch danach noch Daten etwa zur Langzeitwirkung an die EMA zu übermitteln. Auch Angaben zu möglichen Nebenwirkungen werden weiterhin geprüft. Voraussichtlich am 6. Januar will die EMA auch den Weg frei machen für die Zulassung des zweiten Impfstoffs, dem Präparat des US-Konzerns Moderna.

Das Vakzin wird derzeit als eines der vielversprechendsten Mittel zur Eindämmung der Corona-Pandemie gesehen. Weltweit sind inzwischen mehr als 1,68 Millionen Menschen an oder mit dem Virus gestorben.

mg, rei, ak/Reuters, dpa-afx
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