Deal über 300 Millionen Dosen EU bekommt den BioNTech-Impfstoff günstiger als Donald Trump

Die EU-Kommission hat ihren Liefervertrag mit BioNTech und Pfizer offiziell besiegelt. Und während die US-Regierung 19,50 Dollar pro Dosis zahlt, kommen die Europäer günstiger weg.
Dealmakerin: Die Beamten von Kommissionschefin Ursula von der Leyen haben hart verhandelt.

Dealmakerin: Die Beamten von Kommissionschefin Ursula von der Leyen haben hart verhandelt.

Foto: POOL / REUTERS

Die Europäische Union hat sich bis zu 300 Millionen Dosen des Corona-Impfstoffs der Pharmaunternehmen BioNTech und Pfizer gesichert – und zahlt dafür weniger als die USA. Die Liefervereinbarung zwischen der Europäischen Kommission und den Impfstoffherstellern wurde am Mittwoch offiziell besiegelt. Wie bereits im September angekündigt, sieht der Vertrag den Kauf von zunächst 200 Millionen Impfstoffdosen vor sowie eine Option auf weitere 100 Millionen. Wird der Impfstoff zugelassen, soll die Auslieferung voraussichtlich noch Ende dieses Jahres beginnen. "Das bringt uns einer nachhaltigen Lösung der Pandemie näher", sagte Kommissionschefin Ursula von der Leyen (62).

Deutschland stehen aus dem Kontingent, das nach Bevölkerungsgröße an die 27 EU-Staaten verteilt wird, rechnerisch rund 56 Millionen Einheiten zu. Die Bundesregierung rechnet allerdings mit 90 bis 100 Millionen Impfdosen für Deutschland, auch über eine bilaterale Vereinbarung mit BioNTech.

Die Verhandlungen zwischen der EU und den Pharmaunternehmen hatten sich über Monate gezogen. Vor allem die Preis- und die Haftungsfrage standen dabei im Mittelpunkt. BioNTech und Pfizer hatten den mit der US-Regierung vereinbarten Lieferpreis von 19,50 Dollar (umgerechnet rund 16,50 Euro) pro Dosis als "Benchmark" bezeichnet. Offiziell gibt es keine Auskunft über die nun ausgehandelte Höhe. Ein ranghoher EU-Beamter sagte der Nachrichtenagentur Reuters aber, man zahle weniger als die USA. Der Deal spiegele teilweise die finanzielle Unterstützung der EU und Deutschlands für die Entwicklung des Impfstoffs wider. Allerdings liege er deutlich über der 10-Euro-Marke.

Die EU-Kommission hat bereits mit einer Reihe von anderen Pharmakonzernen Liefervereinbarungen über Millionen Corona-Impfdosen ausgehandelt. Dazu gehören AstraZeneca, Sanofi/GlaxoSmithKline sowie Johnson & Johnson. Sondierungsgespräche wurden zudem mit der Tübinger CureVac und dem US-Biotechkonzern Moderna abgeschlossen.

Die dort ausgehandelten Preise liegen deutlich tiefer. Entscheidend dabei sei oft die Haftungsfrage, da hier hohe zusätzliche Gerichtskosten entstehen könnten. Der französische Arzneimittelhersteller Sanofi, der mit GlaxoSmithKline als Partner zusammenarbeitet, hatte mit der EU dabei einen Preis von etwa 10 Euro pro Dosis vereinbart und keinen Haftungsverzicht erhalten, während AstraZeneca Ansprüche nur bis zu einem bestimmten Schwellenwert haften würde, dafür aber nur 2,50 Euro pro Dosis erhält, sagte ein Beamter im September gegenüber Reuters.

Die Mainzer Biotechfirma BioNTech und ihr US-Partner Pfizer hatten am Montag als weltweit erste Unternehmen positive Ergebnisse aus einer entscheidenden Studie mit einem Corona-Impfstoff verkündet. (Die Chronik des Projekts finden Sie hier. ) Demnach bietet ihr Impfstoff BNT162b2 einen mehr als 90-prozentigen Schutz vor Covid-19. Die beiden Partner gehen davon aus, in diesem Jahr noch 50 Millionen Dosen ausliefern zu können, 2021 dann weltweit rund 1,3 Milliarden.

Ein Sprecher des deutschen Gesundheitsministeriums verwies darauf, dass Deutschland bei der Kommission die Abnahme von bis zu 100 Millionen Dosen angegeben habe. Sollte dies nicht möglich sein, weil auch alle anderen EU-Staaten Impfstoff abnehmen wollten, werde man mit dem Unternehmen "bilateral nachverhandeln". Man sei sehr zuversichtlich am Ende ausreichend Impfstoff zu haben. BioNTech erhält im Rahmen eines Sonderprogramms des Bundesforschungsministeriums zur Beschleunigung der Corona-Impfstoffentwicklung in Deutschland bis zu 375 Millionen Euro vom Bund – darüber hatte sich der Staat bereits ein eigenes Kontingent gesichert.

lhy/Reuters