"European Chips Act" 43 Milliarden Euro für die Chipindustrie in Europa

Im Wettlauf um moderne Halbleiter und neue Fabriken will Europa die Chipbranche mit 43 Milliarden Euro unterstützen. Im Einzelfall könnten bis zu 100 Prozent Staatshilfe fließen, sagt EU-Wettbewerbskommissarin Vestager.
Margrethe Vestager: Die EU-Wettbewerbskommissarin hat mit bis 100 Prozent Staatshilfe für neue Chipfabriken offenbar kein Problem

Margrethe Vestager: Die EU-Wettbewerbskommissarin hat mit bis 100 Prozent Staatshilfe für neue Chipfabriken offenbar kein Problem

Foto: YVES HERMAN / REUTERS

Die EU-Kommission will der strategisch wichtigen Chipbranche mit Milliardenbeträgen unter die Arme greifen. Zur Wiederbelebung der Halbleiter-Aktivitäten in Europa sollen staatliche wie auch private Investitionen forciert werden, teilte die EU-Kommission am Dienstag in Brüssel mit. Finanzierungslücken bei innovativen Chipfabriken könnten mit bis zu 100 Prozent Staatshilfe geschlossen werden, sagte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager (53). Insgesamt sollen laut EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (63) bis 2030 durch die Initiative 15 Milliarden Euro mobilisiert werden – zusätzlich zu geplanten öffentlichen Investitionen in Höhe von 30 Milliarden durch bereits existierende Programme.

Im Moment werden mehr als zwei Drittel aller modernen Halbleiter in Asien hergestellt. Die "European Chips Act" genannte Initiative soll den Marktanteil der Europäischen Union an der weltweiten Produktion bis 2030 auf ein Fünftel verdoppeln, um Europas Wettbewerbsfähigkeit und Widerstandskraft zu erhöhen. Aktuell leiden vor allem Autohersteller und Elektronikkonzerne unter der andauernden Chipknappheit. Die Lieferengpässe heizen auch die ohnehin schon stark gestiegene Inflation an. Intel-Chef Pat Gelinger (60) rechnet laut "Wall Street Journal"  damit, dass die Versorgungslücken bei Chips womöglich bis 2024 bestehen bleiben könnten.

USA und China investieren stark in die Chipbranche

Das Bundeswirtschaftsministerium begrüßte das Vorhaben, dass sich auch an einem 52 Milliarden Dollar schweren US-Programm orientiert. Europa müsse unabhängiger werden, sagte auch Iris Plöger vom deutschen Industrieverband BDI. "Mit zunehmenden geopolitischen Spannungen und hohen staatlichen Subventionen in die Halbleiterfertigung durch Staaten wie China und die USA verschärft sich der technologische Wettkampf." Für die Wirtschaft sei zentral, neben kleinen auch größere Halbleiter und neue Materialkompositionen mit hohem Innovationspotenzial zu fördern.

Konkret sieht der "European Chips Act" vor, dass es Staaten erleichtert wird, Werke zu fördern, die innovative Produkte herstellen. Zudem sollen Kooperationen mit internationalen Partnern erleichtert werden. Die öffentlichen Subventionen sollen private Investitionen anlocken.

Suche nach Standorten in EU – Intel, TSMC und Samsung rüsten auf

Chipkonzerne wie Intel, TSMC und Globalwafers suchen bereits nach Standorten für Chipfabriken in Europa. Deutschland macht sich große Hoffnungen auf Zuschläge. Als potenzielle Orte werden immer wieder Dresden, Penzing in Bayern und Magdeburg genannt. Intel-Deutschlandchefin Christin Eisenschmid bezeichnete den European Chips Act als Katalysator für EU-weite Investitionen von Intel.

Intel hatte kürzlich angekündigt bis zu 100 Milliarden Dollar in acht neue Chipfabriken in den USA investieren zu wollen. Konzern-Chef Gelsinger möchte den Konzern damit zu alter Größe und Dominanz führen. Doch die Konkurrenz schläft nicht: So will Samsung in den nächsten drei Jahren mehr als 200 Milliarden Dollar in die Chipherstellung investieren, eine Chipfabrik soll unter anderem in Texas entstehen. TSMC, der weltgrößte Auftragsfertiger von Chips, will 100 Milliarden Dollar in den Ausbau seiner Produktionskapazitäten stecken.

Gelsinger erwartet, dass sich der jährliche Umsatz der Halbleiterindustrie bis zum Ende dieses Jahrzehnts auf eine Billion Dollar mehr als verdoppelt haben dürfte.

rei mit Reuters