TV-Auftritt vor Wahl May lehnt Brexit-Einigung "um jeden Preis" ab

Großbritanniens Premierministerin May hält vor der Unterhauswahl an ihrer Brexit-Verhandlungsposition fest. Kein Deal sei besser als ein schlechter, sagte sie im indirekten TV-Duell mit Oppositionsführer Corbyn.
Großbritanniens Premierministerin Theresa May

Großbritanniens Premierministerin Theresa May

Foto: POOL/ REUTERS

Martialisch wurde der TV-Auftritt der Vorsitzenden der beiden großen Parteien gut eine Woche vor den Parlamentswahlen in Großbritannien angekündigt: "May gegen Corbyn: Der Kampf um Nummer 10". Tatsächlich war es ein Theresa May nach Jeremy Corbyn, denn die Premierministerin hatte sich einem direkten TV-Duell verweigert. Stattdessen trat sie nach dem Labour-Chef in der von Channel 4 und Sky News gemeinsam ausgestrahlten Sendung auf und stellte sich den Fragen der Wähler und von Moderator Jeremy Paxman.

Die Konservative May präsentierte sich als aus ihrer Sicht beste Verhandlungsführerin für den Brexit. Mit ihr werde es beim EU-Austritt keine Einigung "um jeden Preis" geben. "Wir werden dort sein, um den richtigen Deal auszuhandeln, aber wie ich schon sagte, kein Deal ist besser als ein schlechter." Wichtig sei, die Kontrolle über die Einwanderung zurückzugewinnen. Wie das Verhältnis zur Europäischen Union aussehen möge, falls es zu einem Brexit ohne vorherige Einigung über dessen genaue Bedingungen kommt, sagte sie nicht. Kritik aus dem Publikum bekam May für die von den Konservativen geplanten Einschnitte bei Sozialleistungen.

Auch die Sicherheitspolitik war in der Fragerunde ein großes Thema. Nach dem Attentat von Manchester, bei dem vor einer Woche 22 Menschen getötet worden waren, fragte ein Polizist May, warum sie in ihrer sechsjährigen Amtszeit als Innenministerin "verheerende" Stellenstreichungen bei der Polizei vorgenommen habe.

Labour-Chef Jeremy Corbyn

Labour-Chef Jeremy Corbyn

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Oppositionsführer Corbyn gab an, als Premierminister auf jeden Fall eine Brexit-Vereinbarung mit Brüssel treffen zu wollen. Er setzte vor allem auf innenpolitische Themen wie Investitionen in Bildung, Erziehung, Gesundheitssystem und Polizei. Angesichts des Anschlags in Manchester betonte Corbyn auch die Notwendigkeit eines außenpolitischen Wandels.

"Wir brauchen eine Außenpolitik weltweit, die es nicht zulässt, dass es große Gebiete ohne effektive Regierung gibt - wie etwa gegenwärtig in Libyen - die zu einem Nährboden für riesige Gefahren für uns alle werden können."

Der Labour-Chef musste sich unter anderem Fragen zu seinem Verhältnis zur katholischen Untergrundorganisation Irisch-Republikanische Armee (IRA), zur Monarchie und zu Atomwaffen stellen. Kritik erhielt Corbyn vor allem für seine schwache Führung innerhalb der Partei.

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Nach den jüngsten Umfragen liegen die Tories mit 43 bis 46 Prozent der Stimmen noch immer deutlich vor Labour mit 32 bis 36 Prozent. Der Vorsprung ist in den vergangenen Wochen aber deutlich geschrumpft. Am 8. Juni wird das Unterhaus neu gewählt.

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