Sonntag, 17. November 2019

Airbus ohne Flügel, Schafzüchter vor Bankrott Was ein No-Deal-Brexit konkret bedeutet

Übung der britischen Regierung zu Lkw-Kontrollen an der Kanalküste

Nur eine Minderheit will dieses Szenario, und doch scheint immer mehr darauf hinauszulaufen: Solange sich die britische Politik weder auf ein Abkommen mit der EU zu einem geregelten Übergang noch auf einen Rückzug vom Brexit einigen kann, heißt es am 29. März "No Deal" oder, wie die EU-Kommission diesen Fall nennt, "Sturz in den Abgrund".

Ab dem 30. März tritt grundsätzlich das komplette EU-Recht für das Vereinigte Königreich außer Kraft. Es gilt dann als Drittstaat, ähnlich wie Japan - nur eben ohne Handelsabkommen.

Und das heißt unter anderem, dass britische Produkte den europäischen Außenzöllen unterliegen (und kontrolliert werden müssen). Autos und Autoteile beispielsweise unterliegen dann bei der Einfuhr in die EU 10 Prozent Zoll.

10 Prozent Zoll auf Autoteile - und 60 Prozent auf Schafwolle

Schafzüchter Walter Brown: Oh dear
picture alliance / dpa
Schafzüchter Walter Brown: Oh dear

Relativ mit am stärksten betroffen wären wohl die britischen Schafzüchter. Deren Produkte gehen bislang fast ausschließlich auf den Kontinent, würden dann aber mit bis zu 60 Prozent verzollt. Die Briten müssten ihre Zollsätze für europäische Lieferungen neu festlegen, dürften sie nach WTO-Regeln aber nicht einfach auf Null setzen.

In einer normalen Handelsbeziehung ist das nicht so wild, wie beispielsweise der australische Ex-Premier Tony Abbott den Briten erklärt. Australien treibe ja auch regen Handel mit Europa trotz der Zölle, die auf Rohstoffimporte allerdings eher niedrig sind. Doch die britische Industrie ist eng in europäische Liefer- und Produktionsketten eingebunden. BMW Börsen-Chart zeigen beispielsweise plant im No-Deal-Fall, sein Mini-Werk für einen Monat vorgezogene Werksferien zu schließen.

Airbus: Kosten von einer Milliarde pro Woche

Airbus: Rund 10.000 Flugzeugteile von der Insel

Dramatisch könnten die Auswirkungen für Airbus sein. Der Flugzeugbauer ist ein Sinnbild für europäische Arbeitsteilung - die meisten Tragflächen stammen aus England, wo der Konzern 14.000 Menschen beschäftigt. Konzernchef Tom Enders hat die Notfallpläne des Konzerns früh vorsorglich auf "No Deal" als "Grundannahme" einstellen lassen.

Mehr als 10.000 Flugzeugteile bezieht Airbus von der Insel, auch von tausenden Zulieferbetrieben. Sobald einem Teil die Zertifizierung der europäischen Flugsicherheitagentur EASA fehlt, müsste die Produktion gestoppt werden. Wegen der voll ausgelasteten Werke ließe sich der Rückstand laut Airbus nicht aufholen.

Das koste eine Milliarde Euro pro Woche, müsse aber mit mehreren Wochen kalkuliert werden. Auch die Bildung von Extravorräten für den Worst-Case koste schon Milliarden - von einem dauerhaft flügellosen Airbus ganz zu schweigen.

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