Donnerstag, 18. April 2019

42 Unternehmen wegen Brexit bereits umgesiedelt Niederlande locken Hunderte Firmen aus Großbritannien

Moderndes Rotterdam ...

Dutzende Firmen aus Großbritannien sind wegen des bevorstehenden Brexit bereits in die Niederlande übergesiedelt. Doch das ist nur der Anfang. Der deutsche Nachbar ist mit 250 weiteren Firmen im Gespräch.

Die Niederlande haben wegen des bevorstehenden Brexit bereits mehr als 40 Unternehmen aus Großbritannien abwerben können. Die Investitionen für die Neuansiedlung in den Niederlanden beliefen sich auf rund 290 Millionen Euro, zudem brächten die Firmen knapp 2000 Arbeitsplätze aus Großbritannien mit, teilte die Niederländische Agentur für Auslandsinvestitionen am Samstag mit. Die Regierung in Den Haag begrüßte die Entscheidung der Unternehmen ausdrücklich.

Angesichts der "wachsenden Ungewissheit über den Brexit" könnten sich die Unternehmen auf das "gute wirtschaftliche Klima" in den Niederlanden verlassen, erklärte der niederländische Wirtschaftsminister Eric Wiebes.

Den Angaben zufolge sind seit vergangenem Jahr 42 Unternehmen aus Großbritannien in die Niederlande umgezogen, oder ihr Umzug stehe bevor. Die meisten der Firmen seien britisch, es seien aber auch Filialen von Unternehmen etwa aus den USA oder Asien darunter.

... historisches Amsterdam

Umgezogen seien unter anderem die japanische Investmentbank Norinchukin, das Medienunternehmen TVT Media, die Finanzdienstleister MarketAxess und Azimo sowie der Seefahrtsversicherer UK P&I.

Niederlande führen Gespräche mit 250 weiteren Firmen

Eigenen Angaben zufolge führt die niederländische Regierung Gespräche mit aktuell 250 ausländischen Firmen über die Verlegung von Geschäftstätigkeiten im Zuge des Brexit. Es handele sich größtenteils um britische, aber auch um amerikanische und asiatische Unternehmen, hieß es am Samstag weiter. Diese überprüften angesichts des für den 29. März geplanten Austritts Großbritanniens aus der EU ihre Standorte in Europa. "Sie umfassen Unternehmen aus dem Finanzsektor, Medien und Werbung, Biowissenschaften und Gesundheit sowie Logistik", hieß es in der Mitteilung. Die heimische Agentur für ausländische Investitionen wolle die Firmen von einer Verlagerung von Aktivitäten in die Niederlande überzeugen.

Der Lockruf des steuergünstigen Königreichs

Viele internationale Unternehmen haben mittlerweile ihre Holding in dem vergleichsweise steuergünstigen Königreich. Dazu zählen unter anderem die Thyssenkrupp Tata Steel BV mit Sitz in der Metropolregion Amsterdam.

Fiat Chrysler Börsen-Chart zeigen sitzt seit der Fusion des italienischen und des amerikanischen Herstellers dort (mit Zentrale in London). Die Airbus Group Börsen-Chart zeigen führt die europäische Flugzeugindustrie schon länger aus den Niederlanden.

Ikea lässt weltweit Gewinne an niederländische Holdings abführen, die sie dann verlustarm an eine Schweizer Stiftung überweisen können. Und niederländische Tochtergesellschaften zu Finanzzwecken hat fast jeder größere Konzern.

rei/afp/Reuters

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