Samstag, 20. April 2019

EU-Chefunterhändler bangt um Abkommen Barnier bangt um Brexit-Deal, BDI blickt "in den Abgrund"

Hoch gepokert: Die Briten taumeln einem Brexit ohne Abkommen entgegen

In den Brexit-Verhandlungen zwischen der Europäischen Union und Großbritannien gibt es nach Worten von EU-Chefunterhändler Michel Barnier inzwischen zwar zu etwa 90 Prozent Einigkeit. Dennoch bestehe noch die Gefahr, dass es nicht zu einem Abkommen über das künftige Verhältnis des Königreichs mit der EU komme, sagte Barnier dem französischen Sender Inter Radio am Freitag. "Ich bin davon überzeugt, dass ein Abkommen nötig ist. Ich bin mir nicht sicher, ob wir eines bekommen."

Hauptstreitpunkt in den Verhandlungen ist nach wie vor die Frage der künftigen Grenze zwischen Irland und Nordirland. Auch beim EU-Gipfel am Donnerstag konnte das Problem nicht aus dem Weg gelöst werden. Dennoch äußerten sich nach Gipfel-Ende neben Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker auch die britische Premierministerin Theresa May und Bundeskanzlerin Angela Merkel optimistisch, dass sich die EU mit dem Königreich noch auf einen Austrittsvertrag einigen kann.

Deutsche Industrie alarmiert: BDI schaut "tatsächlich in den Abgrund"

Die auch beim jüngsten EU-Gipfel nicht ausgeräumte Gefahr eines harten Brexit alarmiert die deutsche Industrie. "Nach unzähligen Verhandlungsrunden schauen wir mit Sorge auf den Fortgang der Brexit-Verhandlungen, schlimmer, wir schauen in diesen Wochen tatsächlich in den Abgrund", sagte der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie, Dieter Kempf, am Freitag in Berlin. Eine Trennung des Vereinigten Königreichs von der Europäischen Union ohne Austritts- und Übergangsabkommen und ohne Klärung des künftigen Verhältnisses könnte "bittere Realität" werden, warnte Kempf auf dem Deutsch-Französischen Wirtschaftstag.

Eine gute und schnelle Einigung zwischen den Verhandlern sei dringend nötig. Wenn es zu einem ungeordneten Ausscheiden Großbritanniens aus der EU kommen sollte, wäre dies aus Sicht des BDI eine Katastrophe.

Ein harter Brexit würde nach Ansicht Kempfs in Europa Zehntausende von Unternehmen und Hunderttausende von Arbeitnehmern auf beiden Seiten des Ärmelkanals in größte Schwierigkeiten bringen. Großbritannien will Ende März 2019 der EU den Rücken verlassen. Noch immer ist unklar, ob es einen Austrittsvertrag geben wird oder das Vereinigte Königreich die Europäische Union in einem ungeordneten Prozess verlassen wird. Hauptstreitpunkt in den Verhandlungen ist nach wie vor die Frage der künftigen Grenze zwischen Irland und Nordirland. Auch beim EU-Gipfel am Donnerstag konnte das Problem nicht aus dem Weg geräumt werden.

Dennoch äußerten sich nach Gipfel-Ende neben Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker auch die britische Premierministerin Theresa May und Bundeskanzlerin Angela Merkel optimistisch, dass sich die EU mit dem Königreich noch auf einen Austrittsvertrag einigen kann. Laut BDI bereiten sich dennoch viele Firmen auf einen harten Brexit vor.

la/dpa/reuters

© manager magazin 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung