Mittwoch, 18. September 2019

BMW, Audi, VW, Porsche, Daimler unter Kartellverdacht EU verschärft Ermittlungen gegen deutsche Autobauer

Sie putzen sich gern heraus: Doch womöglich haben deutsche Autobauer dem Kunden deutliche saubere Autos durch rechtswidrige Abprachen lange Zeit vorenthalten

Haben sich Audi, BMW, Daimler, Porsche und Volkswagen bei der Abgasreinigung abgesprochen und dem Kunden damit umweltfreundlichere Autos vorenthalten? Der Verdacht besteht schon länger. Die EU verschärft jetzt ihre Ermittlungen.

Die EU-Kommission verschärft ihre Kartellermittlungen gegen deutsche Autokonzerne. Sie prüfe, ob die Konzerne unter Verstoß gegen die EU-Kartellvorschriften Absprachen bei der Entwicklung und Einführung von Abgasreinigungssystem trafen, teilte EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager am Dienstag mit. Die Vorwürfe waren bereits im Sommer 2017 bekannt geworden.

Und sie wiegen schwer: Insgesamt mehr als 200 Mitarbeiter aller deutschen Autobauer sollen sich seit den 1990er Jahren in geheimen Arbeitskreisen abgestimmt und auf diese Weise den Wettbewerb außer Kraft gesetzt haben. Es soll um alle Details der Autoentwicklung aber insbesondere um Systeme zur Emissionsminderung gegangen sein.

Durch solche Systeme soll die von Pkw verursachte Umweltbelastung verringert werden. "Falls dieser Verdacht zutreffen sollte, hätten die Hersteller den Verbrauchern die Möglichkeit vorenthalten, umweltfreundlichere Autos zu kaufen, obwohl die entsprechenden Technologien zur Verfügung standen", betonte Vestager.

Die Kommission hatte bereits im Oktober 2017 Untersuchungen eingeleitet und Geschäftsräume der Autobauer durchsuchen lassen. Nun will die Brüsseler Wettbewerbsbehörde prüfen, inwiefern BMW, Daimler, Volkswagen sowie die VW-Töchter Audi und Porsche etwa "über die Entwicklung und Einführung von Technologien zur Verringerung der Emissionen von Pkw sprachen". Dabei gehe es in erster Linie um die "Entwicklung und Einführung" von Emissionsminderungssystemen.


"5er Runde" sprach Abgasreinigung wohl früher ab als bisher bekannt


Die Autobranche steht bereits wegen der VW-Abgasaffäre und zu hoher Diesel-Emissionen unter Druck - bei den nun in Rede stehenden Kartellverstößen könnten ihnen Milliardenstrafen drohen.

Der "Spiegel" hatte im Juli 2017 über ein seit mehr als 20 Jahren bestehendes Kartell deutscher Autobauer berichtet. Vertreter von VW, Audi, Porsche, BMW und Daimler hätten sich über Fahrzeuge, Kosten, Zulieferer und auch die Reinigung von Diesel-Abgasen abgesprochen. Danach sollen sie sich auch verständigt haben, kleinere, billigere Tanks für Harnstoff (AdBlue) einzubauen, der gefährliche Stickoxide in die harmlosen Bestandteile Wasser und Stickstoff aufspaltet. Vor einem Jahr sollen der Volkswagen-Konzern und Daimler Selbstanzeigen bei den Wettbewerbsbehörden erstattet haben.

rei/dpa/afp

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