Montag, 14. Oktober 2019

Brexit-Drama Bewegung im Brexit-Streit - Zollkontrollen auf irischer See?

Irisch-nordirische Grenze: Zollkontrollen nicht auf der Insel, sondern auf der irischen See als mögliche Lösung im Brexit-Streit

In das Brexit-Drama kommt wenige Tage vor dem angepeilten Austrittsdatum Großbritanniens Bewegung: Laut Quellen aus der EU werde einmal mehr der Vorschlag diskutiert, Zollkontrollen nicht an der Grenze zwischen Irland und dem britischen Nordirland, sondern auf der irischen See stattfinden zu lassen. Eine solche Alternative zum "Backstop" hatte die britische Regierung bislang abgelehnt, doch inzwischen scheint sich London in dieser Frage zu bewegen.

Angesprochen auf mögliche Fortschritte sagte Frankreichs Präsident Macron nur: "Lasst uns die folgenden Stunden abwarten". An den Börsen bauten die europäischen Indizes wie Euro Stoxx 50 Börsen-Chart zeigen und der deutsche Leitindex Dax Börsen-Chart zeigen ihre Kursgewinne aus.

EU-Verhandlungsführer Michel Barnier habe den Mitgliedsstaaten der Europäischen Union mitgeteilt, Großbritannien habe jetzt akzeptiert, dass eine Einigung nicht bedeuten könne, dass es nach dem EU-Austritt Großbritanniens auf der irischen Insel eine Grenze mit Zollkontrollen gebe. Die EU-Staaten erteilten Barnier daraufhin das Verhandlungsmandat für weitere Gespräche, die schon am Wochenende starten dürften. Der britische Premierminister Boris Johnson wollte sich zu Zugeständnissen nicht konkret äußern: Es werde hart für einen Deal gearbeitet.

Genährt wurde der Optimismus von Aussagen des irischen Ministerpräsidenten Leo Varadkar. Dieser bezeichnete nach einem "sehr positiven" Treffen mit seinem britischen Kollegen Boris Johnson. Ein Kompromiss im Brexit-Streit sei in greifbarer Nähe, so Varadkar.

Britisches Pfund mit größter Aufwertung seit drei Monaten

Johnson will sein Land wie geplant zum 31. Oktober aus der EU führen. Knackpunkt bei den Gesprächen ist das künftige Grenzregime zwischen der Republik Irland und dem britischen Nordirland. Die EU will eine harte Grenze verhindern, auch um ein Wiederaufflammen des Nordirland-Konflikts zu vermeiden.

Am Devisenmarkt lösten die Hoffnungen auf eine Einigung bis zum EU-Gipfel am Donnerstag und Freitag eine Rally beim Pfund Sterling aus. Die britische Währung verteuerte sich seither um jeweils mehr als zwei Cent auf knapp 1,25 Dollar und gut 1,13 Euro. Anlagestratege Michael Hewson vom Brokerhaus CMC Markets mahnt allerdings zur Besonnenheit. "Jeglicher Deal muss nicht nur von der EU, sondern auch vom Unterhaus verabschiedet werden." Das britische Parlament sei derzeit aber nicht gerade bekannt dafür, sich auf irgendetwas einigen zu können.

la/reuters/dpa

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