Bank of England Verlängert die britische Zentralbank ihre Notkäufe?

Großbritanniens Premierministerin Liz Truss und ihr neuer Finanzminister Kwasi Kwarteng haben mit ihren Steuersenkungsplänen einen Beinahe-Kollaps in der britischen Finanzwelt ausgelöst. Die britische Notenbank intervenierte, unklar ist allerdings, wie lange noch.
Kommt der Notenbank in die Quere: Premierministerin Liz Truss konterkariert mit ihrer Steuerpolitik dem IWF zufolge die Inflationsbekämpfung der Bank of England

Kommt der Notenbank in die Quere: Premierministerin Liz Truss konterkariert mit ihrer Steuerpolitik dem IWF zufolge die Inflationsbekämpfung der Bank of England

Foto: Martyn Wheatley / IMAGO/i Images

Bekommen die britischen Pensionsfonds nun mehr Zeit, um eine Wiederholung von Zwangsverkäufen zu vermeiden? Aus Großbritannien kamen dazu am Mittwoch unterschiedliche Signale. Die britische Zentralbank ist einem Medienbericht zufolge zu einer Verlängerung ihres Notkaufprogramm für Anleihen bereit. Dies habe die Bank of England (BoE) den Kreditgebern signalisiert, berichtet die "Financial Times " am Mittwoch unter Berufung auf drei Insider. Demnach stünde sie Gewehr bei Fuß, sollten die Marktbedingungen dies erfordern. Zuvor hatte die BoE signalisiert, nur bis Freitag tätig zu werden.

Wenig später dementierte die Notenbank jedoch offiziell eine Verlängerung der Käufe. "Wie die Bank von Anfang an klargestellt hat, werden ihre befristeten und gezielten Käufe von Staatsanleihen am 14. Oktober enden", sagte ein Sprecher in einer per E-Mail versandten Erklärung. Für Marktteilnehmer eine verwirrende Situation, Notenbanken sollten eigentlich mit klaren Aussagen Vertrauen schaffen.

Die Landeswährung Pfund  legte nach Bekanntwerden der möglichen Verlängerung um bis zu 0,4 Prozent zum Dollar zu. Ende September war das Pfund auf den niedrigsten Stand seit 37 Jahren gefallen. Auslöser waren die Steuersenkungspläne der Regierung.

Experten glauben auch im Falle einer Verlängerung des Notprogramms nicht an eine nachhaltige Erholung. "So oder so wird das Pfund wahrscheinlich volatil bleiben", schrieben die Analysten der Commonwealth Bank of Australia. "Es besteht die Gefahr eines plötzlichen Rückgangs aufgrund der Unsicherheit über die Tragfähigkeit der Staatsverschuldung und der Verwerfungen bei den britischen Pensionsfonds, die sich auf den Markt für britische Staatsanleihen ausgewirkt haben."

Britischer Finanzminister sorgt mit Steuersenkungsplänen für Unruhe

Zur Beruhigung der Anleger hatte die britische Notenbank erst am Dienstag den Kauf inflationsgeschützter Papiere angekündigt. Diese werden in der Regel von Pensionsfonds gehalten. BoE-Gouverneur Andrew Bailey (63) hatte am Dienstag ein Ende des temporären Kaufprogramms zum Wochenende hin angedeutet. Die Pensionsfonds und andere Investoren hätten drei Tage Zeit, um ihre Probleme zu lösen. "Wir haben mitgeteilt, dass wir bis zum Ende der Woche aussteigen wollen. Wir denken, dass die Rebalancierung sein muss."

Der neue britische Finanzminister Kwasi Kwarteng (47) hatte jüngst mit Plänen für schuldenfinanzierte Steuersenkungen Zweifel an der Finanzierbarkeit dieser Entlastungen geschürt. Milliardenschwere Geldspritzen der BoE beruhigten die Lage nur kurzfristig. Die Notkäufe der britischen Notenbank verhinderten offenbar einen Finanzkollaps der britischen Finanzwelt. Danach kam es in mehreren Wellen immer wieder zu einem Ausverkauf am Anleihenmarkt. Laut der Notenbank entstand dadurch eine "materielle Gefahr" für die Finanzstabilität, der sie mit den zusätzlichen Notmaßnahmen begegnen will.

Regierung konterkariert Inflationsbekämpfung der Notenbank

Der Internationale Währungsfonds (IWF) erneuerte seine Kritik am Vorgehen der Regierung von der konservativen Premierministerin Liz Truss (47), die mit ihren Steuer- und Ausgabenplänen der BoE bei der Inflationsbekämpfung in die Quere komme. Der IWF-Chefökonom Pierre-Olivier Gourinchas (54) sagte, die Zentralbank versuche die Geldpolitik zu straffen, während die Regierung die Gesamtnachfrage ankurbeln wolle.

Großbritannien steuert auf eine Rezession zu. Die britische Wirtschaft ist im August überraschend geschrumpft. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ging zum Vormonat um 0,3 Prozent zurück, wie aus den am Mittwoch vorgelegten Daten des Nationalen Statistikamtes ONS hervorgeht. Experten hatten mit einer Stagnation gerechnet. Umfangreiche Wartungsarbeiten an den britischen Förderanlagen in den Öl- und Gasfeldern der Nordsee trugen zu der wirtschaftlichen Schwäche bei. Zudem liefen die Geschäfte in vielen Teilen des Dienstleistungssektors laut den Statistikern relativ schlecht – von Friseurläden bis hin zu Hotels.

Für den Herbst und Winter rechnet die Bank of England damit, dass sich die Wirtschaftsleistung angesichts der Energiekrise stark verlangsamen dürfte. Die steigende Inflation trifft die Haushalte schwer und setzt die Notenbank weiter unter Zugzwang, die Leitzinsen deutlich anzuheben.

dri/Reuters
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