Donnerstag, 5. Dezember 2019

Was der Personalcoup mit Ursula von der Leyen über die Kanzlerin verrät Zocken statt Zittern

Merkel kam mit "ihrem" Kandidaten für das Amt des EU-Kommissionspräsident nicht durch, dann schickte sie überraschend Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ins Rennen - und gewann
John MacDougall/ AFP
Merkel kam mit "ihrem" Kandidaten für das Amt des EU-Kommissionspräsident nicht durch, dann schickte sie überraschend Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen ins Rennen - und gewann

2. Teil: Macht ohne Machtdemonstration

Wenn es Ursula von der Leyen gelingt, die EU-Parlamentarier von sich zu überzeugen, wäre Merkel ein machtpolitisches Meisterstück gelungen, ohne Macht im klassischen Sinne zu demonstrieren. Die Bundeskanzlerin wurde angegriffen, ausgegrenzt, angefeindet - und hat trotzdem ihr Ziel erreicht. Sie hat eine Frau an die Spitze Europas gehievt, dem ursprünglichen Kandidaten Manfred Weber einen respektablen Interimsjob auf Ratsebene verschafft, die Achse Berlin - Paris erkennbar gestärkt.

Frankreich stellt künftig mit Christine Lagarde die EZB-Präsidentin und hat damit wesentlichen Einfluss auf die Geldpolitik im Euro-Raum. Deutschland kann die EU-Kommission noch stärker prägen als bisher. Diese neue Machtkonstellation ist auch ein Vorgeschmack auf die Zeit nach dem Brexit sollte er tatsächlich eines Tages vollzogen werden.

Wie macht Angela Merkel das?

Ich muss jederzeit wissen, erfragen und spüren, was die Befindlichkeiten und die Motive der Anderen sind und gleichzeitig die Oberhand behalten. So könnte eines der inneren Mantras lauten, welchem die Bundeskanzlerin, bei den zähen, vielschichtigen und von personalisierten Machtmotiven sowie von parteipolitischen Befindlichkeiten getriebenen Verhandlungen um die Wahl des EU-Kommissionspräsidenten, gefolgt ist.

Seite 2 von 3

© manager magazin 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung