Bericht über bevorstehendes Kartellverfahren Jetzt wird es ernst für Amazon

Shoppen bei Amazon: Der Online-Riese sieht sich gleich mehreren kartellrechtlichen Untersuchungen in den USA und in Europa ausgesetzt

Shoppen bei Amazon: Der Online-Riese sieht sich gleich mehreren kartellrechtlichen Untersuchungen in den USA und in Europa ausgesetzt

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Schon länger haben die EU-Wettbewerbshüter Amazon in Verdacht, dass sich der E-Commerce-Riese wettbewerbswidrig gegenüber kleineren Händlern auf der eigenen Verkaufsplattform verhält. Nach gleichlautenden Berichten des "Wall Street Journal"  und der Nachrichtenagentur Bloomberg  könnte die EU-Wettbewerbsbehörde womöglich schon kommende oder übernächste Woche ein formelles Kartellrechtsverfahren gegen den Konzern einleiten.

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Damit würden langjährige Ermittlungen der Behörde ihren vorläufigen Höhepunkt erreichen. Massive Geldbußen oder gar eine Beschneidung des Geschäftsmodells könnten die Folge sein.

In seiner doppelten Rolle als Marktplatzbetreiber und Verkäufer eigener Produkte verfügt Amazon über Unmengen an Daten über die Einkaufsgewohnheiten der Kunden - eine Fundgrube von unschätzbarem Wert. Den Berichten zufolge soll die EU Amazon unterstellen, Daten von Drittverkäufern zu sammeln und diese Informationen widerrechtlich zu nutzen - etwa indem der Online-Riese Kopien von Bestsellern anderer Anbieter auf den Markt bringt.

Früheren Berichten des "Wall Street Journal" zufolge sollen Amazon-Mitarbeiter bei der Entwicklung eigener Produkte die Daten einzelner Verkäufer geprüft haben - wodurch Amazon auch ins Visier des US-Gesetzgeber geriet.

Seit einem Jahr führt der Justizausschuss des Repräsentantenhauses eine kartellrechtliche Untersuchung gegen US-Tech-Konzerne, darunter auch Amazon  . Zugleich sieht sich Amazon kartellrechtlichen Ermittlungen der Federal Trade Commission in den USA ausgesetzt. Die Untersuchung der EU ist jedoch weiter fortgeschritten und wird als Amazons erster großer Test inmitten einer zunehmenden globalen Untersuchung der Macht von US-Technologiefirmen interpretiert.

"Händler erwarten von der EU eine Bestrafung Amazons"

Oliver Prothmann, Chef des deutschen Verbandes des Online-Handels, erklärte gegenüber Bloomberg, viele Händler erwarteten von der EU "eine klare Bestrafung" Amazons für ein Verhalten, das sie als wettbewerbswidrig und schädigend ansehen. "Alle Händler sind sich sicher, dass Amazon die Daten der Händler nutzt, um wettbewerbswidrige Entscheidungen für das eigene Geschäft zu treffen", so Prothmann. Zugleich habe Amazon ohne angemessene Vorwarnung Händler wiederholt gesperrt.

Amazon lehnte einen Kommentar zu den Berichten ab, hatte aber schon in der Vergangenheit bestritten, dass der Online-Riese seine Macht missbrauche.

Ob Amazon tatsächlich gegen das Wettbewerbsrecht verstoßen hat, darüber dürfte die Kommission laut "Wall Street Journal" wohl erst im kommenden Jahr entscheiden. Wird festgestellt, dass der Konzern gegen das EU-Kartellrecht verstoßen hat, kann die Kommission Amazon mit einer Geldbuße von bis zu 10 Prozent des Jahresumsatzes belegen und Online-Riesen zwingen, bestimmte Geschäftspraktiken anzupassen. Amazon kann eine solche Entscheidung vor einem EU-Gericht anfechten.