Prosecco gegen Fish & Chips Boris Johnson blamiert sich mit Brexit-Plänen

Der britische Außenminister will trotz Brexit vollen Zugang zum EU-Binnenmarkt. Italien preist er die Vorteile für dessen Prosecco-Absatz an. Euro-Gruppenchef Dijsselbloem findet die Forderungen "intellektuell unmöglich".
Boris Johnson vor der 10 Downing Street

Boris Johnson vor der 10 Downing Street

Foto: PETER NICHOLLS/ REUTERS

Der britische Außenminister Boris Johnson hat sich mit Forderungen nach einem vollen Zugang zum EU-Binnenmarkt bei EU-Kollegen lächerlich gemacht. Das berichtet die britische Zeitung "The Guardian".  Demnach habe Johnson dem italienischen Wirtschaftsminister Carlo Calenda den Freihandel mit Italiens Prosecco-Absatz auf die Insel schmackhaft machen wollen.

"Sinngemäß sagte er: 'Ich möchte keinen freien Personenverkehr, aber Zugang zum Binnenmarkt'", zitiert Calenda den britischen Außenminister laut der Nachrichtenagentur Bloomberg, auf die sich der "Guardian" beruft. Calenda habe das zurückgewiesen, woraufhin Johnson argumentiert habe: "Dann verkauft ihr weniger Prosecco." Der Italiener konterte demnach wie folgt: Großbritannien werde weniger Fish & Chips verkaufen. "Ich verkaufe an ein Land weniger Prosecco, während Sie in 27 Ländern weniger Fish & Chips loswerden." Vergleiche dieser Art seien ein wenig beleidigend, schloss Calenda.

"Intellektuell unmöglich" und "politisch unerreichbar"

Auch Euro-Gruppenchef Jeroen Dijsselbloem erteilte den britischen Forderungen mit deutlichen Worten eine Absage. Entsprechende Überlegungen des britischen Außenministers zu einem vollen Binnenmarktzugang bezeichnete er in der BBC als "intellektuell unmöglich" und "politisch unerreichbar".

Dem Sender CNBC sagte er am Rande einer Konferenz in London, Johnson verhalte sich nicht "realistisch und fair den britischen Wählern" gegenüber.

Johnson hatte der tschechischen Zeitung "Hospodarske Noviny" gesagt, Großbritannien werde wohl die EU-Zollunion verlassen müssen, aber weiterhin Freihandel mit den EU-Staaten betreiben können. Er hielt außerdem daran fest, die europäische Einwanderung begrenzen zu wollen. Es sei ein "absoluter Mythos" zu sagen, dass die Freizügigkeit eine der Säulen der EU sei.

May: "Wir haben einen Plan"

Dijsselbloem sagte dazu, Johnson mache den Briten Angebote, die gar nicht zur Debatte stünden. Zugleich äußerte der Euro-Gruppenchef die Einschätzung, dass der Austrittsprozess länger als die vorgesehenen zwei Jahre dauern werde, nachdem das Austrittsgesuch offiziell eingereicht wurde.

Nach Angaben seines Sprechers sagte Dijsselbloem bei der Konferenz, die Verhandlungen seien "komplex" und würden dauern. CNBC sagte er zudem, die britische Regierung habe keinen Plan und keine fertig ausgearbeiteten Vorschläge für den EU-Ausstieg.

Am Dienstag war ein Bericht eines Beraters der britischen Regierung bekannt geworden, wonach es fünf Monate nach dem Brexit-Referendum noch immer keine umfassende Strategie  für den EU-Austritt gibt.

Die Regierung wies diese Darstellung am Mittwoch zurück. "Ja, wir haben einen Plan", sagte Premierministerin Theresa May im Parlament. Zu Details äußerte sie sich aber nicht.

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