Samstag, 28. März 2020

Griechenland ist pleite - IWF fordert Schuldenerlass Ohne Schuldenschnitt droht Transferunion in ihrer schlimmsten Form

IWF-Chefin Christine Lagarde

3. Teil: IWF entlarvt Rettungsbeschlüsse als ökonomischen Unsinn

Deshalb ist es nur konsequent, ohne Rücksicht auf politische Befindlichkeiten in Brüssel und Berlin vor dem Referendum eine Studie vorzulegen, die eindeutig einen Schuldenschnitt fordert und dann die Zahlen in dieser Woche, vor den Abstimmungen in den Parlamenten von Athen und vielen Geberländern zu aktualisieren. Die Aussagen sind gnadenlos und lassen nur einen Schluss zu. Die Staatsschulden werden ein Niveau von bis zu 200 Prozent des BIP erreichen und sind damit nicht tragbar.

Ein Schuldenschnitt ist unumgänglich. Wollen die Politiker diesen weiterhin vermeiden, so müssten sie die Schulden dreißig Jahre lang zins- und tilgungsfrei stellen oder aber laufend Geld nach Athen überweisen, sich also selbst Zins und Tilgung bezahlen. Die Transferunion in ihrer schlimmsten Form.

Der IWF entlarvt die als Rettung gefeierten Beschlüsse vom letzten Wochenende als das was sie sind: Ökonomischer Unsinn und mathematische Unmöglichkeit.

Der britische Telegraph brachte es vor einigen Tagen auf den Punkt: In jeder normalen Organisation müsste Frau Lagarde ihren Hut nehmen und würde ersetzt durch jemanden, der einen nüchterneren Blick auf Europa hat. Das wäre gut für den IWF. Es wäre auch gut für Europa, birgt aber ein erhebliches Risiko: Wer wird bei künftigen Krisen - die so sicher kommen, wie die Schulden unaufhörlich wachsen - die ehrliche Rechnung auf den Tisch legen? Was liegt näher, als einfach nicht mehr zu rechnen, wenn einem das Ergebnis nicht passt?

Diesen Text veröffentlichen wir mit freundlicher Genehmigung von Daniel Stelter, beyond the obvious .

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