Erstmals seit 20 Jahren Euro fällt auf Parität zum Dollar – was das für Unternehmen und Kunden bedeutet

Ein Euro kostet nur noch einen Dollar: Euro und Dollar erreichten am Dienstag Parität – das erste Mal seit 2002, als die Gemeinschaftswährung offizielles Zahlungsmittel wurde. Und der Druck auf den Euro bleibt hoch.
Schwacher Euro, starker Dollar: Der Euro ist erstmals seit 20 Jahren auf die Parität zum Dollar gefallen

Schwacher Euro, starker Dollar: Der Euro ist erstmals seit 20 Jahren auf die Parität zum Dollar gefallen

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Erstmals seit etwa zwei Jahrzehnten ist der Euro  wieder genau einen US-Dollar wert. Am Dienstag fiel die Gemeinschaftswährung bis auf exakt einen Dollar und sank damit erstmalig seit dem Jahr 2002 auf Parität zu der US-Währung. Darunter versteht man ein Tauschverhältnis eins zu eins.

Der Euro steht schon seit einiger Zeit unter Druck. Seit Jahresbeginn ist er um rund 13 US-Cents gefallen. Als Gründe nennen Fachleute zum einen die Auswirkungen des Ukraine-Krieges, die Europa besonders treffen. Als problematisch gilt vor allem die hohe Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen und die Neigung Russlands, Energie als Druckmittel einzusetzen. Ein Gaslieferstopp könnte eine schwere Rezession auslösen, warnen Ökonomen.

Starker Dollar: Fed erhöht aggressiv die Zinsen, EZB lässt sich Zeit

Ein zweiter Grund für die Stärke des Dollar gegenüber dem Euro ist die Politik der US-Notenbank Federal Reserve. Die Fed steuert mit einer Serie von Zinserhöhungen gegen die hohe Inflation und stärkt dadurch die US-Währung. Im Gegensatz zur Fed geht die Europäische Zentralbank (EZB) gegen die Inflation eher zurückhaltend vor. Im Gegensatz zu vielen anderen Notenbanken hat die EZB ihre Leitzinsen noch nicht angehoben, sondern sich nur zu einer Ankündigung durchgerungen. Am 21. Juli sollen die Zinsen im Euroraum erstmals seit etwa elf Jahren steigen. Dabei wird nur eine leichte Anhebung um 0,25 Prozentpunkte angepeilt. Die Fed dagegen dürfte noch im Juli die Zinsen um weitere 0,75 Prozent erhöhen.

Euro im Jahr 2002 mit Rekordtief zum Dollar, Rekordhoch im Jahr 2008

Der Euro war 1999 zunächst als Buchgeld eingeführt worden – der Kurs zum Dollar lag am 4. Januar 1999 bei 1,18 Dollar. Im Januar 2000 sackte der Eurokurs unter die Parität zum Dollar, das Rekordtief wurde im Oktober 2002 mit 0,8230 Dollar erreicht.

Die Ausgabe der Gemeinschaftswährung an die Verbraucherinnen und Verbraucher begann am 1. Januar 2002, gleichzeitig verbesserten sich damals die wirtschaftlichen Aussichten – der Kurs stieg wieder auf über einen Euro.

Seitdem war der Euro stets mehr wert als der Dollar. Ein Rekordhoch mit 1,6038 erreichte er im Juli 2008 mitten in der Finanz- und Wirtschaftskrise.

Importe aus USA werden teurer, Exporte in USA werden günstiger

Ein starker Dollar gegenüber dem Euro hat Auswirkungen auf verschiedenen Ebenen. Für Geschäftsreisende und Touristen aus dem Euroraum in die USA wird der Aufenthalt in den USA deutlich teurer. Zugleich werden Güter, die aus den USA nach Europa importiert und in Dollar abgerechnet werden, für die europäischen Importeure teurer. Ein starker Dollar ist also ein Nachteil für exportierende Unternehmen aus den USA, da ihre Produkte durch den starken Dollar verteuert werden.

Gleichzeitig werden Exporte aus der Europäischen Union in die USA durch den schwachen Euro günstiger. Für Exportnationen wie Deutschland ist ein schwacher Euro tendenziell hilfreich, da er die Exportprodukte verbilligt und die Wettbewerbsposition der exportierenden Unternehmen verbessert.

Auswirkungen auf Gold und Aktien: Währungsgewinne für europäische Anleger

Mit dem starken Dollar werden auch alle Produkte, die in Dollar abgerechnet werden, tendenziell teurer. Dies gilt zum Beispiel für US-Aktien: Anleger aus Europa, die US-Aktien im Depot haben und diese in Euro bezahlt haben, streichen auf diese Weise Währungsgewinne für ihre US-Aktien ein. Beispiel: Eine Aktie des US-Autobauers Tesla kostet derzeit rund 700 US-Dollar. Dies sind bei der aktuellen Euro-Dollar-Parität 700 Euro. Wertet jetzt der Dollar zum Beispiel um weitere 10 Prozent gegenüber dem Euro auf, wächst der Wert der Tesla-Aktie im Depot des Euro-Anlegers auf 770 Euro – allein aufgrund der Währungsgewinne. Legt zeitgleich auch der Aktienkurs aufgrund verstärkter Nachfrage an der Wall Street um 10 Prozent zu, addieren sich Währungsgewinne und Kursgewinne. Gibt die Aktie dagegen um 10 Prozent nach, heben sich Währungsgewinne und Kursverluste gegenseitig auf.

Gleiches gilt für Rohstoffe wie Öl sowie für den Goldpreis. Beide werden in US-Dollar notiert. Europäische Anleger, die Gold im Depot haben, erzielen bei einem steigenden Dollar Währungsgewinne.

Ölpreis in Dollar abgerechnet

Beim Ölpreis ist die Korrelation komplizierter. Öl wird in Dollar abgerechnet. Ein steigender Dollar verteuert daher tendenziell den Preis für den Rohstoff Öl für Kunden aus dem europäischen Währungsraum. Dies bedeutet, dass dort die Nachfrage wegen des steigenden Preises tendenziell sinkt. Eine sinkende Nachfrage führt mittelfristig zu sinkenden Ölpreisen: Das wiederum heißt, dass ein steigender Dollarkurs häufig zu sinkenden Ölpreisen führt, Ölpreis und Dollarkurs sind in der Regel negativ korreliert. Wichtig dabei: Der Ölpreis wird derzeit vor allem von anderen Faktoren wie der Angst vor einer globalen Rezession, dem schwankenden Angebot aus Russland und einem möglichen Lieferstopp bewegt. Währungsbewegungen spielen demgegenüber nur eine untergeordnete Rolle. Am Dienstag gaben die Ölpreise deutlich nach, während der US-Dollar zur Parität aufwertete.

Schwellenländer leiden unter starkem Dollar

Für Schwellenländer, die in der Regel in US-Dollar verschuldet sind, steigt mit einer Aufwertung des Dollar gegenüber der eigenen Währung auch die Schuldenlast. Zeiten, in denen die US-Notenbank mit aggressiven Zinserhöhungen vorangeht, sind in der Regel schwierige Zeiten für Länder, die Schulden in US-Dollar aufgenommen haben.

la/dpa
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