Mögliche Energieengpässe IWF senkt Wachstumsprognose für Deutschland

Die Wirtschaft in Deutschland wird dieses Jahr wegen möglicher Energieengpässe nach Ansicht des Internationalen Währungsfonds deutlich langsamer wachsen als zunächst erwartet. Ein Hauptgrund ist die Anspannung auf dem Gasmarkt.
Verbleibende russische Gasexporte nach Deutschland: Die größte Bedrohung ist eine anhaltende Abschaltung

Verbleibende russische Gasexporte nach Deutschland: Die größte Bedrohung ist eine anhaltende Abschaltung

Foto: EDOUARD MERLO / AFP

Der Internationale Währungsfonds (IWF) traut der deutschen Wirtschaft in diesem und im nächsten Jahr nur noch ein vergleichsweise mageres Wachstum zu. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) dürfte 2022 um 1,2 Prozent zulegen und danach nur noch um 0,8 Prozent, wie der IWF am Mittwoch zu seinem aktualisierten Deutschland-Bericht mitteilte.

"Der Krieg in der Ukraine sorgt für neuen Gegenwind". Dazu gehörten eine Drosselung der Gaslieferungen aus Russland, höhere Energiepreise, eine Verknappung wichtiger Vorleistungsgüter, eine schwächere Auslandsnachfrage und verschärfte finanzielle Bedingungen. Noch im Mai hatte der Fonds erklärt, das Wachstum werde sich von 2,9 Prozent im Vorjahr nun 2022 nur auf rund zwei Prozent abkühlen und 2023 bei etwas mehr als zwei Prozent liegen.

"Wir glauben, dass dieses und nächstes Jahr für die deutsche Wirtschaft herausfordernd wird", sagte IWF-Deutschland-Expertin Oya Celasun. Die Unsicherheit sei sehr hoch. Die größte Bedrohung sei eine anhaltende Abschaltung der verbleibenden russischen Gasexporte nach Deutschland und Europa. Dies könnte zu einem erheblichen Rückgang der Wirtschaftsaktivitäten und mehr Inflation führen. Bei den Verbraucherpreisen sei im Jahresschnitt mit einem Anstieg um 7,7 Prozent zu rechnen, der 2023 auf 4,8 Prozent abebben dürfte.

Schuldenbremse wird möglicherweise ausgesetzt

Sollte sich die Lage verschlechtern, müsse die Regierung flexibel bleiben und mit weiteren Hilfen die Wirtschaft und einkommensschwache Haushalte stützen. Dann müsse auch geprüft werden, die Schuldenbremse 2023 ein weiteres Jahr auszusetzen, sagte Celasun. Bundesfinanzminister Christian Lindner (43) will nächstes Jahr zu den im Grundgesetz verankerten Regeln zurückkehren, die seit 2020 wegen der Corona-Pandemie ausgesetzt sind.

Trotz der Unsicherheit sieht der IWF Aufwärtspotenzial für die deutsche Wirtschaft. Dies gelte für Nachfrage und Produktion, sagte Celasun. Aber die Folgen des Kriegs und der Sanktionen bremsten derzeit. "Es besteht Nachholbedarf", sagte die IWF-Fachfrau mit Blick auf die positive Lage bei den Aufträgen, die wegen Lieferengpässen und Materialknappheit aber nicht so schnell, wie üblich abgearbeitet, werden könnten. "Kurzfristig werden die Spannungen im Gasmarkt dominieren."

Auf den deutschen Finanzsektor hat sich der Krieg dem IWF zufolge bisher nur begrenzt ausgewirkt. "Insgesamt bleiben die Banken weitgehend widerstandsfähig gegenüber Solvenz- und Liquiditätsschocks." Ein Schwachpunkt sei aber nach wie vor die geringe Rentabilität der Banken.

sio/dpa/Reuters
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