Wolfgang Wieland Dieser Mann ist jetzt Deutschlands oberster Wirecard-Aufklärer

Im Untersuchungsausschuss zum Wirecard-Skandal haben sich die Parteien auf einen Sonderprüfer geeinigt: Der ehemalige Grünen-Politiker Wolfgang Wieland soll vor allem die Rolle der Geheimdienste in dem Fall klären.
Innenverteidiger: Grünen-Politiker und Anwalt Wolfgang Wieland.

Innenverteidiger: Grünen-Politiker und Anwalt Wolfgang Wieland.

Foto: imago stock&people

Der Grünen-Politiker Wolfgang Wieland (72) wird Deutschlands oberster Aufklärer im Wirecard-Skandal. Der parlamentarische Untersuchungsausschuss hat sich auf den Juristen als Sonderermittler geeinigt, teilten die Grünen am Mittwoch mit. Darauf hätten sich alle Fraktionen im Bundestag verständigt.

Wieland soll vor allem die Geheimdienstverstrickungen des Wirecard-Managements aufklären. "Er kann es schaffen, Licht in die dunklen und ominösen Kanäle von Wirecard zu Geheimdiensten und Politik zu bringen", sagte Grünen-Finanzpolitiker Danyal Bayaz (37). "Dabei steht die Frage im Raum, ob Verantwortliche bei Wirecard den Sicherheitsinteressen der Bundesrepublik Deutschland Schaden zugefügt haben."

Der Anwalt und Politiker gilt als absoluter Geheimdienstexperte. "Seit 1987 saß ich in jedem Innenausschuss, der für mich erreichbar war", sagte er einmal. Wieland war in den 70er Jahren Gründungsmitglied der Alternativen Liste in Berlin. Nach Jahren im Berliner Abgeordnetenhaus und zwei Jahren als Justizsenator wechselte er in die Bundespolitik und saß von 2005 bis 2017 für die Grünen im Bundestag. Dort war er acht Jahre lang innenpolitischer Sprecher der Fraktion.

Wieland war Grüner Ombudsmann im NSU-Untersuchungsausschuss, der unter anderem die Verbindungen der Rechtsterroristen zu den Geheimdiensten untersuchte. Und er begleitete den BND-Untersuchungsausschuss im Kontext des Irakkrieges und der Rolle der deutschen Nachrichtendienste im Antiterrorkrieg der USA. Nach der Finanzkrise 2008 bewertete er im HRE-Untersuchungsausschuss die Rolle des Bundesfinanzministeriums beim Kollaps der Hypo Real Estate (HRE).

Rolle der Geheimdienste im Fokus

Auch im Fall Wirecard  zählen die Verbindungen in die Politik und den Geheimdiensten zu den großen Mysterien. Vor allem dem untergetauchten Ex-Wirecard-Vorstand Jan Marsalek (40) werden Kontakte zu Geheimdiensten nachgesagt . Wieland soll unter anderem klären, ob Marsalek Hilfe bei seiner Flucht bekam und ob er sogar Mitarbeiter des Geheimdienstes Österreichs war. Es gibt zudem Hinweise darauf, dass er bei Geschäften in Ländern wie Libyen von russischer Seite unterstützt worden ist.

Unklar ist auch die Rolle des früheren Geheimdienstkoordinators der Bundesregierung, Klaus-Dieter Fritsche (67, CSU), der im August 2019 um ein Treffen von Wirecard-Vorständen im Bundeskanzleramt bat, was im Folgemonat auch stattfand. Auch hier soll Wieland aufklären helfen. "Wir werden seine Unterstützung brauchen", sagte Grünen-Politiker Bayaz dem SPIEGEL, "denn ich habe das Gefühl, dass wir hier erst die Spitze des Eisbergs sehen."

Parallel laufen die strafrechtlichen Ermittlungen gegen führende Wirecard-Manager, darunter auch der frühere Vorstandschef Markus Braun (51) weiter. Sie werden – unabhängig von der Arbeit des Untersuchungsausschusses in Berlin – geleitet von der Münchener Oberstaatsanwältin Hildegard Bäumler-Hösl.

Der Untersuchungsausschuss befasst sich seit Oktober mit den Verstrickungen von Politik, Behörden und Geheimdiensten mit dem Wirecard-Konzern. Er soll bis Juni 2021 Aufklärung bringen.

lhy/Reuters
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.