Wirtschaftsprüfer im Visier Wirecard-Skandal: Staatsanwälte ermitteln jetzt auch gegen Ernst & Young

Im Wirecard-Bilanzskandal ermittelt die Staatsanwaltschaft München nun auch gegen die Wirtschaftsprüfer von EY. Das Schweigen der ehemaligen Abschlussprüfer hatte im Untersuchungsausschuss für Empörung gesorgt.
Wirecard: Ermittlungen auch gegen EY ausgeweitet

Wirecard: Ermittlungen auch gegen EY ausgeweitet

Foto: Sven Hoppe/ picture alliance/dpa

Auf Grundlage einer Strafanzeige der Wirtschaftsprüfer-Aufsichtsbehörde APAS gegen Prüfer von Ernst & Young (EY) sei ein Ermittlungsverfahren gegen die dort genannten Personen begonnen worden, teilte die Staatsanwaltschaft am Freitag mit. EY erklärte, dem Unternehmen seien keine Anhaltspunkte für ein strafrechtlich relevantes Verhalten seiner Abschlussprüfer bei Wirecard bekannt. EY unterstütze die Ermittlungen der zuständigen Behörden.

Damit dehnen die Strafverfolger ihre Ermittlungen in dem milliardenschweren Wirecard-Bilanzskandal um den Zusammenbruch des Zahlungsdienstleisters und früheren Dax-Konzerns weiter aus. Die Strafverfolger gehen unter anderem dem Verdacht der Bilanzfälschung, des schweren Betrugs und der Aktienkursmanipulation nach. Prominentester Beschuldigter ist der frühere Wirecard-Chef Markus Braun. Er sitzt ebenso wie zwei weitere frühere Konzernmanager in Untersuchungshaft. Braun hat die Vorwürfe zurückgewiesen.

Schweigen im Untersuchungsausschuss

Dass Braun und die EY-Prüfer im Untersuchungsausschuss des Bundestags viele Fragen zu diesem Skandal nicht beantworten wollten, sorgte dort für Empörung. EY hatte sich darauf berufen, dass Wirtschaftsprüfer beruflichen Schweigepflichten unterliegen. Diese Frage soll nun vom Bundesgerichtshof geklärt werden.

Wirecard hatte seine Bücher nach bisherigen Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft jahrelang mithilfe von Luftbuchungen geschönt. Im Sommer brach das Kartenhaus zusammen und Wirecard ging Pleite. Gläubiger haben nach der Insolvenz mehr als zwölf Milliarden Euro an Forderungen geltend gemacht. 

Der Ausschussvorsitzende Kay Gottschalk (54, AfD) hatte im Vorfeld der Sitzung bereits mit einem "symbolischen Ordnungsgeld" gegen EY gedroht. Der Fall dürfte nun vor den Bundesgerichtshof gehen, der für Untersuchungsausschüsse zuständig ist. Mit Blick auf den Streit um die Verschwiegenheitspflicht der betroffenen EY-Berater gehört der Gang vor den BGH offenbar zur Strategie von EY.

Der BGH soll dann entscheiden, bei welchen Fragen Zeugen von ihrem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch machen dürfen und bei welchen nicht. Experten rechnen in den nächsten Monaten mit einer Klärung. Dann dürften viele Zeugen, die im Bundestag bisher weitgehend schwiegen, erneut vorgeladen werden - darunter auch Ex-Wirecard-Chef Markus Braun (51).

"Uns ist bewusst, dass die Verschwiegenheitspflicht angesichts der außergewöhnlichen Tragweite des Falles Wirecard auf Unverständnis in der Öffentlichkeit stößt", erklärte EY. Es gebe aber ein hohes Rechtsrisiko für die einzelnen Mitarbeiter. "Nach unserem Erkenntnisstand haben die Mitarbeiter von EY die Prüfungshandlungen professionell und nach bestem Wissen und Gewissen durchgeführt." Daran hegen allerdings alle Fraktionen im Bundestag erhebliche Zweifel.

Wirecard kollabierte im Juni 2020, obwohl seit Jahren in Medien Vorwürfe wegen Bilanzungereimtheiten kursierten. Die Münchner Staatsanwaltschaft wirft Ex-Chef Braun und weiteren Wirecard-Managern gewerbsmäßigen Bandenbetrug, Bilanzfälschung und Marktmanipulation vor. Das Unternehmen soll sich jahrelang schöngerechnet und damit Anlegern und Banken Milliardenschäden zugefügt haben. 

ak/reuters
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