Deals mit Wirecard-Aktien Deutschlands Oberprüfer verliert seinen Job

Der Chef der Wirtschaftsprüferaufsicht Apas hat zugegeben, mit Aktien von Wirecard gehandelt zu haben, obwohl seine Behörde in dem Fall bereits ermittelte. Nun hat das zuständige Bundesamt ihn mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden.
Viele Luftlöcher in der Bilanz: Das ehemalige Dax-Unternehmen Wirecard hat inzwischen Insolvenz angemeldet

Viele Luftlöcher in der Bilanz: Das ehemalige Dax-Unternehmen Wirecard hat inzwischen Insolvenz angemeldet

Foto: Peter Kneffel / dpa

Der wegen seiner Aktiendeals im Zusammenhang mit dem Wirecard-Skandal umstrittene Leiter der Wirtschaftsprüferaufsicht Apas, Ralf Bose, ist freigestellt worden. Darüber sei er bereits am 11. Dezember informiert worden, erklärte das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle am Montag. "Dies erfolgt, um die Integrität der Apas bis zur schlussendlichen Aufklärung des Sachverhalts sicherzustellen." Der Leiter der Unterabteilung Qualitätskontrolle übernehme bis auf Weiteres die Leitung der Behörde.

Bose hatte in der Sitzung des Wirecard-Untersuchungsausschusses im Bundestag ausgesagt, privat mit Aktien des mittlerweile kollabierten Zahlungsabwicklers gehandelt zu haben, während die Behörde bereits in dem Fall ermittelte und den Wirecard-Bilanzprüfer EY genauer unter die Lupe nahm. Die Apas beaufsichtigt die Abschlussprüfer in Deutschland. Mehrere Abgeordnete forderten daraufhin seinen Rücktritt.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (62, CDU) hatte am Freitag erklärt, dass dieser Vorgang ihn befremdet habe. Er wolle prüfen, ob bei der Behörde Regeln missachtet worden seien und ob es Konsequenzen geben müsse, teilte Altmaier mit.

Bose bestreitet die Vorwürfe

Bose kaufte am 28. April Aktien von Wirecard und verkaufte sie am 20. Mai wieder, wie Teilnehmer der Ausschusssitzung nach der Befragung Boses gesagt hatten. Erworben hat er sie also ausgerechnet an dem Tag, als der Zahlungsabwickler in einem Sonderbericht ein vernichtendes Urteil der Wirtschaftsprüfer von KPMG erhalten hatte. Die Experten hatten die Bilanzen von Wirecard durchforstet und erklärt, für Umsätze im Ausland keine Beweise finden zu können. Die damals noch im Dax notierten Aktien waren daraufhin um mehr als 20 Prozent in die Tiefe gestürzt.

Auch der Tag, an dem Bose die Papiere verkauft hat, ist pikant: Am 20. Mai habe es ein Telefonat zwischen der Apas und der Finanzaufsicht Bafin zu "weiteren aufsichtsrechtlichen Erkenntnissen, die mit dem KPMG-Bericht zusammenhingen", gegeben, twitterte Linken-Politiker Fabio De Masi (40), der ein Mitinitiator des Untersuchungsausschusses im Bundestag ist. Bose bestreitet die Vorwürfe und legt gegenüber dem manager magazin Wert darauf, dass er die Aktien schon vor dem Telefonat mit der Bafin verkauft habe und daher keinerlei Insider-Informationen aus diesem Gespräch mit der Bafin habe nutzen können.

Die Wirtschaftsprüfergesellschaft EY hatte jahrelang die Wirecard-Bilanzen testiert. Ihr wird vorgeworfen, den vermeintlichen Betrug nicht früher erkannt zu haben. Auch die Apas erhob zuletzt schwere Vorwürfe gegenüber EY und schaltete die Staatsanwaltschaft ein. Im Visier ist dabei auch der Deutsche-Bank-Manager Andreas Loetscher, der früher bei EY war. Er legte wegen der Ermittlungen seinen Posten bei der Bank vorübergehend nieder.

Wirecard meldete im Juni Insolvenz an, Ex-Chef Markus Braun (51) sitzt seither in Untersuchungshaft, Ex-Vorstand Jan Marsalek (40) ist auf der Flucht. Der Untersuchungsausschuss soll klären, wie es zu dem Bilanzbetrug kommen konnte und welche Verantwortlichkeiten es bei den Behörden und in der Politik gibt. Laut den Ermittlern soll sich Wirecard jahrelang schöngerechnet und damit Anlegern und Banken Milliardenschäden zugefügt haben.

mg/dpa-afx/Reuters