Zweites LNG-Terminal eröffnet "Wir kommen durch diesen Winter"

In Lubmin an der Ostsee ist der Betrieb des zweiten schwimmenden LNG-Terminals in Deutschland gestartet. Das privatwirtschaftlich betriebene Terminal soll bis zu 5 Prozent des deutschen Gasbedarfs decken. Bundeskanzler Olaf Scholz sieht damit die Versorgung für diesen Winter gesichert.
Der Kanzler im Hafen Lubmin: Olaf Scholz gibt Entwarnung, was die Energieversorgung für diesen Winter angeht

Der Kanzler im Hafen Lubmin: Olaf Scholz gibt Entwarnung, was die Energieversorgung für diesen Winter angeht

Foto: IMAGO/Frank Ossenbrink

Entwarnung vom Bundeskanzler: Olaf Scholz (64, SPD) hat sich mit Blick auf die Energieversorgung in diesem Winter optimistisch gezeigt. "Wir kommen durch diesen Winter, jeder merkt es bei sich zu Hause, die Gasversorgung ist nicht beeinträchtigt", sagte Scholz am Samstag bei der offiziellen Eröffnung des Lubminer Flüssigerdgas-Terminals an der Ostsee. Es ist das erste private LNG-Terminal, das nun in Deutschland in Betrieb ist. "Eine Wirtschaftskrise ist in Deutschland auch ausgeblieben." Neben milliardenschweren Hilfsprogrammen sei auch die Sicherung der Energieversorgung ein Grund dafür.

Das schwimmende Terminal wird von dem französischen Energiekonzern Totalenergies sowie der Firma Deutsche ReGas betrieben. Das erste Flüssiggas, das importiert wurde, stammt aus Ägypten. Das LNG-Gas soll das russische Erdgas ersetzen, dass Deutschland bisher über Pipelines bezogen hatte.

Entspannung am Gasmarkt

In der vergangenen Woche hatte bereits Netzagentur-Chef Klaus Müller (51) die Versorgungsprobleme zumindest für diesen Winter abgehakt. Eine Gasmangellage werde in diesem Winter "zunehmend unwahrscheinlich". Die Lage am Gasmarkt entspannt sich. Von einer Trendwende oder einem Ende der Krisen kann laut Energieexperten  noch keine Rede sein.

"Die Preise für Gas auf den Weltmärkten sinken auch hier in Europa, auch in Deutschland", sagte Scholz in Lubmin. Die Regierung habe sich schon frühzeitig Gedanken darüber gemacht, was passiert, wenn Russland seine Gaslieferungen einstelle. In Anwesenheit von Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (48, SPD) sprach der SPD-Politiker von einem neuen "Deutschland-Tempo", das auch für die schnelle Fertigstellung des Lubminer LNG-Terminals maßgeblich gewesen sei. Schwesig verwies darauf, dass Lubmin zur Drehscheibe bei der Versorgung nicht nur Deutschlands, sondern auch einer Reihe anderer europäischer Staaten mit Gas werde. Später solle dies dann auch für Wasserstoff gelten.

Auch in Brunsbüttel und Wilhelmshaven laufen Anlagen an

"Wir werden diese Kapazitäten hier und auch anderswo weiter ausbauen", kündigte Scholz weiter an, "unter anderem auch mit festen Terminals". Bereits nächste Woche werde ein weiteres sogenanntes Regasifizierungschiff im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel erwartet. "Wir haben eine gute Zukunft, weil wir zusammenhalten", sagte der Kanzler.

Im Dezember war das erste deutsche LNG-Terminal in Wilhelmshaven eröffnet worden. Anders als das dortige Terminalschiff, das die Bundesregierung gechartert hat, wird die Anlage in Lubmin an der Ostsee rein privatwirtschaftlich betrieben. Sie soll vor allem Ostdeutschland mit jährlich bis zu 5,2 Milliarden Kubikmeter Erdgas versorgen. Unternehmensangaben zufolge reicht das aus, um 5 Prozent des deutschen Bedarfs zu decken.

Lubmin ist auch Endpunkt der deutsch-russischen Erdgas-Pipelines Nord Stream 1 und 2, die im vergangenen Herbst von Unbekannten gesprengt worden waren. Allerdings hatte Russland bereits zuvor die Gaszufuhr gestoppt. Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) forderte in den Zeitungen der Funke Mediengruppe, Nord Stream 1 ungeachtet des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine zu reparieren.

dri/Reuters, afp, dpa-afx
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