Sonntag, 15. Dezember 2019

Nobelpreis für Chemie "Dann kommt plötzlich dieses eine Ding" - das Video-Porträt von Stefan Hell

Foto: manager magazin

Das manager magazin hat Stefan Hell, den deutschen Chemie-Nobelpreisträger des Jahres 2014, schon länger auf der Rechnung. Bereits im Frühjahr entschieden wir uns für die Aufnahme des Wissenschaftlers in die Hall of Fame der deutschen Forschung - und baten ihn zum Video-Porträt.

Das nennt man dann wohl die richtige Mischung aus gutem Gespür und Glück. Die Hall of Fame der deutschen Forschung, im Jahr 2009 vom manager magazin ins Leben gerufen, ehrt Wissenschaftler, die nicht nur die Forschungslandschaft in Deutschland bereichern, sondern darüber hinaus auch den Wirtschaftsstandort Deutschland zukunftsfähiger machen. Stefan Hell, 1962 als Rumäniendeutscher geboren, so die Meinung der mm-Jury im Frühjahr 2014, ist so einer. Er hat ein Mikroskopie-Verfahren entwickelt, das viel stärker vergrößert und präzisere Bilder liefert, als die Physik es für möglich gehalten hat.

Das Nobel-Komitee erkennt nun die Leistung von Stefan Hell mit der Zuerkennung des Nobelpreises 2014 an. Es würdigt das Verfahren, weil es "täglich neues Wissen produziert mit größtem Nutzen für die Menschheit". Es macht zum Beispiel Untersuchungen an lebenden Zellen möglich, die bisher nur mit Elektronenmikroskopen gelangen - wofür die Zellen abgetötet werden müssen. Mit Hells Mikroskopen können Forscher jedoch erkennen, ob eine Körperzelle gerade "entartet", also zum Tumor wird. Oder sie können dem Gehirn "beim Denken zusehen", also den Austausch einzelner Botenstoff-Moleküle verfolgen - was die medizinische Diagnostik revolutioniert.

Hell, seit zwölf Jahren Direktor am Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen, hat zwei Firmen gegründet, die das Verfahren auch außerhalb der Forschungslabore nutzbar machen, etwa durch neu entwickelte Farbstoffe und speziell angefertigte Laser.

Die unabhängige Jury der Hall of Fame der deutschen Forschung (Mitglieder siehe unten) hat diese Verdienste schon im Frühjahr dieses Jahres gewürdigt und Stefan Hell zum Laureaten des Jahres 2014 ernannt. Die Berufung erfolgt bei einer Feier am 28. Oktober - und damit noch vor der offiziellen Nobelpreisverleihung im Dezember in Stockholm. In Zusammenarbeit mit dem Initiativkreis Ruhr und Evonik Industries AG wird die Festveranstaltung in der Essener "Zeche Zollverein" durchgeführt.

In die Hall of Fame der deutschen Forschung wurden bisher 14 herausragende Forscher und Entwickler berufen, darunter Manfred Eigen, der Nestor der deutschen Biotechnologie, Harald zur Hausen, der Entdecker eines Impfstoffes gegen Krebs, und Karlheinz Brandenburg, der Entwickler des Datenkompressionsverfahrens mp3.

Stefan Hell ist der zehnte Nobelpreisträger in dieser Ruhmeshalle. Neben ihm wird in diesem Jahr auch der Industrie-Entwickler Ludwig Pohl von der Darmstädter Merck KGaA berufen, der Flüssigkristalle industriell nutzbar gemacht hat, etwa für Flachbildschirme.

Die Jury der Hall of Fame der deutschen Forschung:

  • Andreas Barner (Sprecher der Geschäftsführung, Boehringer Ingelheim und Präsident des Stifterverbands für die deutsche Wissenschaft)
  • Klaus Engel (Vorstandsvorsitzender Evonik Industries)
  • Henning Kagermann (Präsident Acatech und ehemaliger Vorstandssprecher SAP)
  • Jürgen Kluge (Senior Advisor Merrill Lynch)
  • Peter Leibinger (Stellvertretender Vorsitzender der Geschäftsführung, Trumpf GmbH)
  • Hermann Requardt (Vorstand Siemens AG)
  • Thomas Weber (Vorstand Daimler AG, Konzernforschung und Leitung Mercedes Benz Cars Entwicklung)

Lesen Sie hier: Helle Leuchte - ein Portrait von Deutschlands neuestem Nobelpreisträger

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