Dienstag, 28. Januar 2020

Erste Jahreshälfte 2013 Schuldenrepublik Deutschland schafft Überschuss

Etwas stabilere Finanzen: Trotz Milliardenlöchern bei manchen Kommunen und Ländern erreichte Deutschland in der ersten Jahreshälfte einen gesamtstaatlichen Überschuss

Ungewöhnliches Statement für die Schuldenrepublik Deutschland: Die Bundesrepublik hat in der ersten Jahreshälfte einen Milliardenüberschuss erwirtschaftet. Der allerdings ergibt sich nur, wenn die aktuell hohe Beschäftigung mit in die Rechnung einbezogen wird - und noch mehr.

Wiesbaden - Der deutsche Staat hat inmitten der europäischen Schuldenkrise einen Haushaltsüberschuss auf die Beine gestellt. Bund, Länder, Kommunen und Sozialversicherungen nahmen im ersten Halbjahr zusammen 8,5 Milliarden Euro mehr ein als sie ausgaben, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag mit. Das entspricht 0,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Zu verdanken sei dies "einer im europäischen Vergleich insgesamt günstigen Beschäftigungssituation und stabilen Wirtschaftsentwicklung".

Das Bruttoinlandsprodukt war im zweiten Quartal mit 0,7 Prozent so stark gewachsen wie seit mehr als einem Jahr nicht mehr, die Industrie konnte zuletzt ihre Produktion wieder ausweiten. "Erfreulichste Zahl ist jedoch das Plus von 1.9 Prozent bei den Ausrüstungsinvestitionen. Die deutschen Unternehmen scheinen wieder optimistischer in die Zukunft zu blicken und nehmen wieder Geld für Investitionen in die Hand. Das ist ein gutes Signal für die gesamte Euro-Zone", glaubt Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank. Zugleich erreichte die Zahl der Erwerbstätigen ein Rekordhoch erreichte, und auch die Arbeitslosenquote bleibt derzeit trotz Sommerflaute vergleichsweise niedrig.

"Deutschlands Wirtschaftswachstum wird zwar im dritten Quartal wieder ein bisschen schwächer ausfallen. Aber die deutsche Wirtschaft wird weiter wachsen. Und die Struktur des Wachstums ist sehr gut: Es wird stärker von innen getrieben, was gut ist für Deutschland und den Euro-Raum", ergänzte Nordea-Experte Holger Sandte.

Die Bundesregierung rechnet in diesem Jahr bislang mit einem Staatsdefizit von rund 0,5 Prozent. 2012 hatte es noch einen Miniüberschuss von 0,1 Prozent gegeben, 2011 dagegen ein Defizit von 0,8 Prozent. Der Bundeshaushalt lag in den ersten sechs Monaten mit 2,2 Milliarden Euro im Minus. Das waren knapp sechs Milliarden Euro weniger als ein Jahr zuvor.

"Die Schätzung für ein Defizit der deutschen Staatsfinanzen von rund 0,5 Prozent im Gesamtjahr dürfte nun etwas zu pessimistisch zu sein. Ich denke, dass die Bundesregierung ihre Prognose noch nach oben revidieren wird", sagte Postbank-Analyst Thilo Heidrich.

Die Bundesländern kamen zusammen im ersten Halbjahr auf einen Überschuss von 1,2 Milliarden Euro, während die Kommunen sogar 5,3 Milliarden Euro mehr einnahmen als sie ausgaben. Der Überschuss in der Sozialversicherung fiel mit 4,3 Milliarden Euro niedriger aus als vor einem Jahr. "Gründe hierfür waren zum Beispiel die Absenkung der Rentenversicherungsbeiträge und der Wegfall von Zuschüssen aus dem Bundeshaushalt", schrieben die Statistiker.

kst/rtr

© manager magazin 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung